Deutsche Umwelthilfe Das Abmahngeschäft der Diesel-Jäger

Wenn sich beim Diesel die Gemüter erhitzen, steckt oft die Deutsche Umwelthilfe dahinter. So auch jetzt bei BMW. Doch die Organisation ist umstritten – auch wegen der Millionen, die sie durch Abmahngebühren einnimmt.
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BMW angeklagt: Deutsche Umwelthilfe ist umstritten Quelle: dpa
Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch

Öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Aktionen erhält die Organisation seit über 30 Jahren.

(Foto: dpa)

HamburgOb drohende Fahrverbote in Städten oder die Messung zu hoher Stickoxidwerte von Dieselfahrzeugen: Wohl kaum ein anderer Umwelt- und Verbraucherschutzverband sorgt mit Klagen und Pressemitteilungen für so viel Wirbel wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Nun knöpft sich die Organisation erneut BMW vor und dringt auf eine technische Überprüfung von Dieselfahrzeugen des Münchner Autobauers. Es gebe auch hier Anhaltspunkte für eine Abschalteinrichtung, hieß es am Dienstag zur Begründung. BMW bestreitet die Vorwürfe.

Kritiker stoßen sich vor allem an den Abmahngebühren, mit denen sich die Umwelthilfe finanziert. Anerkannte Verbraucherschutzverbände erhalten solche Gebühren von Unternehmen, wenn sie ihnen einen Verstoß gegen Umweltvorschriften nachweisen. „Es ist wie ein Kreuzzug, den die DUH führt“, sagt ein ranghoher Manager eines Autobauers.

Diesen Vorwurf hält Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch für unberechtigt. Die Umwelthilfe sei parteipolitisch unabhängig, als gemeinnützig anerkannt und ein zur Durchsetzung von Verbraucher- und Umweltinteressen klageberechtigter Verein. Er nehme eine öffentliche Aufgabe wahr. Die Kosten der Verfahren und der Tests sowie die von der DUH durchgeführte Verbraucherberatung zehrten die Einnahmen aus Abmahngebühren und die im Wiederholungsfall zu zahlenden Vertragsstrafen auf.

Zuletzt entfielen rund 30 Prozent der Einnahmen von gut acht Millionen Euro auf Abmahngebühren und Vertragsstrafen. Dabei beschränkt sich die Umwelthilfe nicht auf die Autobauer. „Wir haben in den letzten Jahren durch unsere ökologische Marktüberwachung durchgesetzt, dass Waschmaschinen, Fernsehgeräte, Trockner, Raumkühlgeräte oder Lampen bezüglich ihrer Energieeffizienz korrekt gekennzeichnet werden.“ Der Verein reklamiert für sich, durch Messungen des Quecksilbergehalts von Energiesparlampen oder den realen Abgasemissionen von Motoren Umweltverstöße aufgedeckt zu haben.

Von den insgesamt 90 hauptamtlichen Mitarbeitern der Umwelthilfe durchforsten sieben bundesweit Werbeaussagen und Angebote von Unternehmen auf mögliche Verstöße. Dabei findet das Team wöchentlich etwa 30 Fälle, die Abmahnungen nach sich ziehen. Etwa acht Fälle pro Woche landen vor Gericht.

Mit dem Abmahngeschäft nimmt die Umwelthilfe Millionen ein – und es wird von Jahr zu Jahr mehr: 2015 (neuere Zahlen liegen nicht vor) waren es 2,46 Millionen Euro, im Jahr zuvor 2,32 Millionen und davor 1,79 Millionen, die die DUH unter „Verbraucherschutz“ in ihren Jahresberichten ausweist.

Auch die Zahl der Abmahnungen und Gerichtsverfahren nimmt zu. 2014 seien 386 Fälle vor Gericht gelandet, 2015 seien es 438 gewesen und 2016 insgesamt 491. Der Anteil der Verfahren gegen die Automobilindustrie sei dabei rückläufig, betont die DUH. Die Zunahme der Prozesse insgesamt begründet sie mit zahlreichen Musterverfahren zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs bei Immobilienanzeigen.

Die Gewinner im europäischen Automarkt
Platz 10 - Kia
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Schwebe wie ein Schmetterling, steche wie eine Biene – diesen Ratschlag von Profiboxer Mohammad Ali übersetzen die Koreaner mit dem Stinger in ein Automodell. Im Oktober konnte Kia kräftig zulegen. Der Absatz in der EU wuchs um 10 Prozent auf 38.000 Fahrzeuge. Im Gesamtjahr beträgt das Plus bislang 8,5 Prozent.

Platz 9 - Skoda
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In Wolfsburg dürfte der Neid auf die tschechische Schwester zunehmen. Anders als die Kernmarke legt Skoda auch im Oktober um 11,2 Prozent auf 55.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Das Jahresplus beträgt ordentliche 7,1 Prozent.

Platz 8 - Renault
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Die Franzosen haben im Oktober einen außergewöhnlich erfolgreichen Verkaufsmonat in der EU hingelegt. Mit einem Plus von 16,8 Prozent auf 88.900 verkaufte Fahrzeuge gewinnen sie Marktanteile.

Platz 7 - Peugeot
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Die SUV-Strategie von PSA-Chef Carlos Tavares trägt Früchte. Die neue Opel-Schwester gehört mit einem Plus von 17,7 Prozent und 76.700 verkauften Fahrzeugen zu den großen Gewinnern im europäischen Automarkt.

Platz 6 - Alfa Romeo
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Time to say goodbye, wie Andrea Boccelli singt? Von wegen. Trotz jahrelanger Verkaufsgerüchte hat sich die italienische Premiummarke des FCA-Konzerns immer wieder berappelt. Mit 6.200 Fahrzeugen ist der Absatz im Oktober um 18,7 Prozent gestiegen, im Gesamtjahr sogar um 31,9 Prozent. Schuld ist der SUV Stelvio.

Platz 5 - Jeep
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Die Lebensversicherung des FCA-Konzerns schwächelte zuletzt. Im Oktober kann die amerikanische Marke wieder deutlich um 19,8 Prozent auf rund 9400 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Seit Jahresbeginn ist der Absatz allerdings nur leicht im Plus.

Platz 4 - Dacia
7 von 10

Erfolgsmodelle wie der Duster polieren die Absatzbilanz des Renault-Konzerns auf. Die rumänische Billigtochter legt im Oktober um 20 Prozent auf 34.600 Fahrzeuge zu, seit Jahresbeginn um 11,2 Prozent.

Den größten Anteil (38 Prozent) an den Einnahmen haben Projektzuschüsse, die den Angaben zufolge etwa zur Hälfte aus öffentlichen Quellen kommen, vorwiegend vom Bund und der EU. Die andere Hälfte werde von privaten Stiftungen bereitgestellt. 2015 beliefen sich die Projektzuschüsse auf gut drei Millionen Euro. Auch durch Spenden finanziert sich der Verein.

Öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Aktionen erhält die Umwelthilfe seit über 30 Jahren. In den 1980er Jahren machte sie bei der Durchsetzung des Katalysators für Benzin-Pkw von sich reden. Ende der 1990er Jahre folgte eine Kampagne für die Einführung schwefelarmer Kraftstoffe, später setzte sich die DUH für den Partikelfilter ein. „Seit 2007 machen wir auf die bis heute ungelösten Probleme beim Dieselabgasgift Stickoxid aufmerksam“, sagt Resch. Doch erst durch die Aufdeckung des Dieselskandals bei VW durch die amerikanischen Umweltbehörden vor zwei Jahren sei dadurch eine öffentliche Debatte entstanden.

  • rtr
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8 Kommentare zu "Deutsche Umwelthilfe: Das Abmahngeschäft der Diesel-Jäger"

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  • Macht alle Organisationen zu die sich mit Hersteller anlegen und Verbraucherinteressen durchsetzen wollen dann kann keiner mehr nachweisen wie diese Ganoven den Verbraucher belügen und betrügen.

  • Es ist im Grunde ein perfides Geschäftsmodell: so wie viele Hilfsorganisationen die Kriese für Ihr Geschäftsmodell brauchen wie Luft zum Atmen, so braucht die deutsche Umwelthilfe den Skandal für das Überleben ihres Geschäftsmodells. Und wenn reichlich Schmutz geworfen wird, wird auch schon was hängen bleiben, nicht wahr, DUH?

  • @ Frau Annette Bollmohr05.12.2017, 16:40 Uhr
    "gemeinnützigen Organisationen“

    welche Organisationen in Deutschland wirklich gemeinnützig sind, wäre erst noch zu klären. Mir ist zu viel "Gemeinnützigkeit" immer suspekt.

  • @Herr Tom Schmidt, 05.12.2017, 16:56 Uhr

    Ich verbinde mit dem Wort "Abmahngebühren" auch eher Wegelagerei als ein honoriges Geschäftsmodell, aber zumindest in den im Artikel geschilderten Fällen scheinen die der DUH eine gewisse Berechtigung zu haben. Wie in meinem Kommentar schon ausgeführt: leider.

  • Es ist eine Schande was eine so zweifelhafte Organisation, wie die Deutsche Umwelthilfe, ungestraft in Deutschland für einen wirtschaftlichen Schaden anrichten kann. Es wird höchste Zeit, dass dagegen vorgegangen wird. Es geht auch ein Stück um die Zukunft unserer Kinder.

  • Ach daher weht der Wind! Ein klassischer Abmahnverein! Der natürlich nur für das Gute kämpft! Und wenn man genügend Stimmung macht, dann kann man jedes Unternehmen schädigen und daher auch erpressen. Frau Bollmohr hat das ja auch geschluckt!

    Die Rechtsgrundlagen für Abmahnvereine sollten allgemein ersatzlos gestrichen werden, das ist eine privatisierte Inquisition! Und richtig interessant wäre dann hier zu lesen, wie die Verbindung der "Umwelthilfe" dann mit den entsprechenden Kanzleien ist, und wer da eine Menge Geld einsteckt!

    Das ist das Geschäftsmodell, wenn der Metzger nebenan ein Pfund XXX-Fleisch anbietet, kann man ihn mit einem Standardschreiben 180 Euro abknüpfen... hübsch für die Kanzlei, die mit dem "gemeinnützigen" Verein zusammenarbeitet...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Abmahnverein

  • Wenn man sich von Seiten der politisch „Verantwortlichen“ um die korrekte Einhaltung beschlossener Richtlinien kümmern würde, statt sie nach Kräften zu unterlaufen, wären solche "gemeinnützigen Organisationen“ überflüssig (und das aufgrund von Regelverstößen eingenommene Geld käme nicht ihnen, sondern direkt der Allgemeinheit zugute).

    So, wie es jetzt läuft, brauchen wir sie aber offensichtlich.

    Denn sie erreichen etwas, wozu die Politik offenbar nicht imstande ist.

  • Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zur DUH; auch wenn sie als gemeinnützig anerkannt ist. Mir kommt das alles wie ein Geschäftsystem vor, um Einnahmen zu generieren. Bei den Anwaltskanzeleien, die Klagen zu tausenden gegen VW durchführen ist das auf jeden Fall ein Geschäftsmodell; da hat man von den RA in den USA gelernt. Bei der DUH liegt meiner Ansicht nach zumindest teilweise der Verdacht vor, unter dem Deckmantel des Umweltschutzes Geld zu verdienen-

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