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Dialysekonzern Fresenius Medical Care hält trotz Corona-Welle in den USA an der Prognose fest

Im wichtigen US-Markt steigen wegen der Coronakrise zwar die Kosten, die aber fängt der Staat auf. Die Pandemie wird laut CEO Powell den Trend zur Heimdialyse beschleunigen.
01.07.2020 - 12:04 Uhr Kommentieren
Fresenius Medical Care liefert in der Corona-Krise verstärkt Dialysegeräte und Materialien in die von der Pandemie besonders betroffenen Gebiete. Quelle: Fresenius Medical Care
Produktion bei Fresenius Medical Care

Fresenius Medical Care liefert in der Corona-Krise verstärkt Dialysegeräte und Materialien in die von der Pandemie besonders betroffenen Gebiete.

(Foto: Fresenius Medical Care)

Frankfurt Auf den ersten Blick haben die Aktionäre von Fresenius Medical Care (FMC) Grund zur Sorge: Der Dax-Konzern macht rund 70 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika, also der Region, die von der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten besonders hart betroffen war und in der die Fallzahlen wieder deutlich steigen.

CEO Rice Powell gibt im Gespräch mit dem Handelsblatt aber Entwarnung und sieht derzeit keinen Anlass, von seiner Anfang Mai bestätigten Jahresprognose abzurücken. Wichtiger Grund dafür ist das zwei Billionen Dollar schwere Unterstützungspaket für die amerikanische Wirtschaft, der sogenannte „Cares Act“, von dem auch Kliniken und Gesundheitsanbieter mit insgesamt mehr als 100 Milliarden Dollar profitieren, so auch der weltgrößte Dialysekonzern FMC.

„Die durch die Corona-Pandemie in den USA entstandenen höheren Kosten im zweiten Quartal werden uns im Rahmen des Cares Act erstattet werden. Auf unsere Jahresprognose wirkt sich das also nicht aus“, sagte Powell im Gespräch mit dem Handelsblatt. Danach will der Dax-Konzern mit zuletzt 17,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 1,2 Milliarden Euro Nettogewinn in diesem Jahr Umsatz und Konzernergebnis im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich steigern.

Bisher hatte FMC allerdings explizit die Auswirkungen der Pandemie aus der Prognose ausgeschlossen. Analysten wie Tom Jones von der Berenberg Bank zeigten sich zuletzt aber optimistisch, dass FMC diese Jahresziele inklusive Corona-Auswirkungen erreichen könnte.

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    Im ersten Quartal musste FMC durch die Coronakrise weltweit Mehrkosten in Höhe von 40 Millionen Euro tragen, wobei Europa und die USA erst ab März von stark steigenden Infektionszahlen betroffen waren. Da sich die Pandemie in Amerika im zweiten Quartal viel stärker ausgebreitet hat, gehen Analysten davon aus, dass sich der Corona-bedingte Aufwand von April bis Juni auf ein Mehrfaches der Summe des ersten Quartals belaufen dürfte.

    Grafik

    Fresenius Medical Care macht dazu derzeit noch keine Angaben und will Ende Juli eine aktualisierte Einschätzung geben. „Das zweite Quartal hat sich bisher im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Deswegen stehen wir zu unserem Ausblick. Allerdings wissen wir nicht, was uns die zweite Jahreshälfte bringt. Hier gilt es, die weitere Entwicklung genau zu beobachten“, sagte Powell.

    Fresenius Medical Care gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius, der die Dialysetochter über die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) kontrolliert. FMC ist globaler Marktführer im Dialysegeschäft und betreut weltweit fast 350.000 Patienten, den größten Teil davon in Nordamerika.

    Der langfristige Wachstumstrend in der Branche hält an: Im Schnitt wächst die Zahl der Patienten, die wegen Nierenversagens eine maschinelle Blutreinigung benötigen, pro Jahr weltweit um sechs Prozent.

    Um das Infektionsrisiko der hochgefährdeten Dialysepatienten in der Corona-Pandemie zu reduzieren, hat Fresenius Medical Care ab April mit anderen Anbietern wie DaVita zusammengearbeitet. FMC und DaVita behandeln in den USA zusammen mehr als 60 Prozent der Patienten.

    Mit Genehmigung der Regierung wurden die Kliniknetzwerke teilweise zusammengelegt, und innerhalb bestimmter Einzugsgebiete wurden einzelne Zentren definiert, die ausschließlich mit Corona infizierte Patienten behandeln. „Es hat sich gezeigt, dass wir die Patienten und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch diese Strategie besser geschützt haben, als es in anderen Gesundheitseinrichtungen gelungen ist“, sagte Powell.

    Der Dialysekonzern hat vor einem Jahr ein globales Medizinressort eingerichtet, wodurch die medizinischen Entscheidungsträger in der Organisation viel besser vernetzt seien, so Powell. „Von den Erfahrungen, die wir nach Ausbruch des Virus in China gemacht haben, konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Europa und Amerika profitieren und frühzeitig entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen“, sagte der FMC-Chef. „Wir mussten von unseren weltweit 4000 Kliniken nur zwei wegen Corona-Infektionen zeitweise schließen: eine in Italien und eine in Ecuador.“

    Umfangreiche Schutzmaßnahmen

    In Deutschland ist Fresenius Medical über die Tochter Nephrocare mit 74 Dialysezentren aktiv. Auch hier wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt, um die lebensnotwendigen Behandlungen zu gewährleisten. Patienten mit Nierenversagen sind im Schnitt dreimal in der Woche auf die Blutwäsche angewiesen.

    Zudem betreibt FMC in Deutschland große Produktionsstandorte für Dialysegeräte und Verbrauchsmaterialien, die in der Pandemie verstärkt in die Länder geliefert wurden, in denen es akuten Bedarf gab. So wurden beispielsweise in Italien im März so viele Akutdialysegeräte installiert wie normalerweise sonst im ganzen Jahr.

    „Das zweite Quartal hat sich bisher im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Deswegen stehen wir zu unserem Ausblick. Allerdings wissen wir nicht, was uns die zweite Jahreshälfte bringt.“ Quelle: Reuters
    FMC-Chef Rice Powell

    „Das zweite Quartal hat sich bisher im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Deswegen stehen wir zu unserem Ausblick. Allerdings wissen wir nicht, was uns die zweite Jahreshälfte bringt.“

    (Foto: Reuters)

    Am Standort im saarländischen St. Wendel wurde kürzlich eine neue, fünfte Produktionslinie für Dialyseflüssigkeiten in Betrieb genommen, die für die Behandlung von akutem und chronischem Nierenversagen eingesetzt wird. Damit werden weltweit Gesundheitseinrichtungen beliefert. Zudem hat das Unternehmen in den USA und China schneller als ursprünglich geplant die Marktzulassung für seine neue Herz-Lungen-Maschine erhalten.

    Das Novalung-ECMO-System hält den Blutkreislauf des Patienten aufrecht und versorgt das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff, wodurch Herz und Lunge entlastet werden. Novalung ist einfach zu transportieren und kann daher flexibel in verschiedenen klinischen Bereichen wie Intensivstationen, Operationssälen, Herzkatheter-Laboren und Notaufnahmen eingesetzt werden.

    FMC hatte die Heilbronner Medizintechnikfirma Xenios mit damals 36 Millionen Euro Jahresumsatz 2016 gekauft. Noch produziert das Unternehmen allerdings in kleinen Dimensionen, wie Powell erklärte: „Während wir in unserem Stammwerk in Schweinfurt innerhalb weniger Wochen Tausende Dialysegeräte herstellen können, sind es bei Xenios in Heilbronn ein paar Hundert.“

    Rice Powell arbeitet seit Mitte März vor allem im Homeoffice, so wie die anderen Mitarbeiter der Verwaltung. Erst im September, so der aktuelle Plan, soll ein Teil der Belegschaft wieder in die US-Zentrale in Boston einziehen.

    Trend zur Heimdialyse

    Die Coronakrise wird seiner Ansicht nach den Trend zur Heimdialyse beschleunigen. „Ich bin überzeugt davon, dass sich insbesondere noch mehr der neuen Dialysepatienten künftig für die Heimdialyse entscheiden werden.“ Statt mehrmals pro Woche in die Dialyseklinik fahren zu müssen, können die Patienten bei der Heimdialyse die Behandlung im gewohnten Umfeld durchführen und sich auch vor möglichen Infektionen zu schützen.

    Allerdings ist die Heimdialyse nicht für jeden Patienten geeignet, was unter anderem von verschiedenen gesundheitlichen und persönlichen Faktoren abhängt. Zudem brauchen die Patienten Schulungen. Die sind aktuell in der Corona-Pandemie schwierig umzusetzen, dürften aber nach der Krise wieder zunehmen.

    „In Europa werden derzeit erst sieben Prozent der Patienten zu Hause behandelt“, sagte Powell. „Wir gehen fest davon aus, dass dieser Anteil in Zukunft steigen wird.“ FMC hatte 2019 den Heimdialyseanbieter NXStage für rund zwei Milliarden Dollar gekauft und baut das Angebot weltweit aus. In den USA plant das Unternehmen etwa, den Anteil der Heimdialysebehandlungen von zuletzt 13 auf 15 Prozent im Jahr 2022 zu steigern.

    Unterstützt wird die Heimdialyse mit digitalen Konzepten. So hat FMC im letzten Jahr in den USA eine Gesundheitsplattform mit dem Namen „The Hub“ eingeführt, auf der Patienten, Pflegekräfte und Anbieter miteinander vernetzt werden. „So können wir die Bedürfnisse der Patienten rechtzeitig erkennen und eine bessere Versorgung organisieren“, sagte Powell.

    Aktuell verwalten 2500 Pflegekräfte über das CareTeamHub 26.000 Heimpatienten. Und das Angebot speziell für die Patienten hat bereits 13.000 Nutzer. „Gerade in der Pandemie stellen die Patienten viele Fragen oder wollen sich einfach nur informieren, in welche Dialyseklinik sie gehen können“, sagte Powell.

    Seine große Lehre aus der Pandemie ist, sich für eine nächste besser zu wappnen. „Die Pandemie hat sich so schnell ausgebreitet, dass wir extrem wenig Zeit hatten, uns darauf einzustellen. Wir haben bereits definierte Prozesse, um die Versorgung der Dialysepatienten zum Beispiel nach Naturkatastrophen sicherzustellen. Wir werden jetzt daran arbeiten, wie wir unsere Organisation global noch besser auf künftige Pandemien vorbereiten können“, sagte er.

    Mehr: So sieht der neue Alltag bei Europas größtem Klinikbetreiber aus

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