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Diesel-Privileg BMW-Chef kontert Volkswagen

Volkswagen-Chef Matthias Müller will die steuerlichen Vorteile für den Diesel auslaufen lassen. BMW-Chef Harald Krüger widerspricht nun energisch. Eine Abschaffung belaste vor allem die Kunden.
21.12.2017 Update: 21.12.2017 - 10:16 Uhr 19 Kommentare
Der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger will am Diesel-Privileg festhalten. Quelle: dpa
Verteidiger des Diesels

Der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger will am Diesel-Privileg festhalten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Während Gerichte erste Fahrverbote verhängen, streitet die deutsche Autoindustrie weiter um die Frage, ob die steuerlichen Vorteile für den Diesel erhalten bleiben sollen. In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte VW-Chef Matthias Müller angeregt, Diesel-Kraftstoff an der Tankstelle mit dem Diesel gleichzustellen. Das zusätzliche Geld solle genutzt werden, um elektrische Mobilität zu fördern. Eine Idee, die bei BMW-Chef Harald Krüger wenig Anklang findet.

„Ich halte die Abschaffung der Dieselsubventionen für falsch. Aus Sicht der Kunden, die einen Diesel gekauft haben, ist das nicht vertretbar“, erklärt Krüger in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Zwei von drei BMWs, die aktuell in Deutschland verkauft werden, sind mit einem Diesel unterwegs. Denn die Münchener verkaufen vor allem SUVs und große Limousinen, die mit dem Selbstzünder deutlich sparsamer zu betreiben sind als mit einem Benziner.

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller hatte in einem Interview mit dem Handelsblatt ein Ende der Dieselsubventionen angeregt. „Mittlerweile bin ich aber davon überzeugt, dass wir Sinn und Zweck der Dieselsubventionen hinterfragen sollten. Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden. Schrittweise sollte eine Umschichtung der Steuererleichterungen erfolgen, das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden“, hatte Müller in der vergangenen Woche gesagt.

Volkswagen hatte damit eine bundesweite Diskussion über Sinn und Zweck der Dieselsubventionen ausgelöst. In Politik und Wirtschaft gibt es keine einheitliche Meinung dazu, wie es mit der Förderung des Dieselantriebs weitergehen soll. Schon seit mehreren Jahrzehnten ist der Steuersatz beim Dieselkraftstoff niedriger als beim Benzin. Deutschland verfolgt damit eine steuerpolitische Linie wie die meisten anderen europäischen Länder. Nur in der Schweiz und in Großbritannien werden beide Kraftstoffarten ungefährlich gleich besteuert.

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    Außer BMW hatte auch der Daimler-Konzern signalisiert, dass es bei der Steuervergünstigung für den Dieselkraftstoff bleiben sollte. Beide süddeutschen Premiumhersteller verkaufen einen vergleichsweise hohen Anteil von Dieselfahrzeugen, bei BMW sind es bis zu 70 Prozent. Innerhalb der gesamten VW-Gruppe sind es noch nicht einmal 50 Prozent. Der Wolfsburger Autokonzern dürfte es deshalb viel eher verschmerzen, wenn die Dieselsubventionen gestoppt und die freiwerdenden Gelder zur Förderung von Elektroautos eingesetzt würden. Unter den drei deutschen Autoherstellern bereitet der VW-Konzern zudem die größte Elektrooffensive vor. In knapp zwei Jahre beginnt die Produktion der neuen ID-Elektrobaureihe, innerhalb von fünf Jahren will Volkswagen mehr als eine Millionen E-Autos produzieren.

    Mit seinem Vorschlag zum Ende der Dieselsubventionen hat sich der VW-Konzern in der deutschen Automobilbranche ein Stück weit isoliert. Wegen der Dieselaffäre ist VW sowieso schon seit zwei Jahren innerhalb der Industrie weniger gut gelitten. „Dann macht es auch nichts, wenn wir jetzt noch einmal außerhalb des Mainstreams liegen“, sagte ein Wolfsburger Top-Manager zu den jüngsten Auseinandersetzungen um die Dieselsubventionen.

    BMW-Chef Krüger wehrt sich im Interview mit der Wirtschaftswoche auch massiv gegen Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe, die nach Fahrtests den Verdacht geäußert hatte, dass auch BMW seine Modelle mit einer illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet haben könnte. „Wir schummeln nicht. Ich habe das immer wieder gesagt, und es gilt weiterhin“, so Krüger. „Die durch die Umwelthilfe bemängelten Abgaswerte kamen nach unserer Einschätzung in erzwungenen Fahrsituationen zustande, die nur einen Bruchteil des typischen Fahrverhaltens unserer Kunden ausmachen.“ Im konkreten Fall hatte die Umweltorganisation einen BMW 320d getestet.

    Doch gänzlich auf den Diesel will auch BMW nicht setzen – und den Anteil elektrischer Fahrzeuge deutlich erhöhen. Bis Ende 2019 werde man die Zahl der bislang von BMW verkauften Fahrzeuge mit Elektro-und Hybridmotor bis Ende 2019 mehr als verdoppeln, erklärte Krüger im Gespräch mit der Wirtschaftswoche. „Bis Ende 2019 werden wir eine halbe Million elektrifizierte Fahrzeuge auf der Straße haben“, sagte Krüger im Interview mit der WirtschaftsWoche. Erst vor wenigen Tagen hatte BMW das selbstgesteckte Ziel von 100.000 verkauften Elektroautos gefeiert. Neben dem reinen Elektroauto i3 sind in diesen Zahlen allerdings auch halbelektrische Fahrzeuge wie Plug-in-Hybride eingeschlossen.

    Dennoch erwartet Krüger, dass die Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen weiter zulegen wird. „Wir wollen ein anständiges, zweistelliges Wachstum“, sagte der BMW-Chef. „Allein im Jahr 2018 werden wir den Absatz gegenüber 2017 sogar im mittleren zweistelligen Prozentbereich steigern“, so Krüger. Doch ganz auf den Diesel werde BMW nicht verzichten.

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    19 Kommentare zu "Diesel-Privileg: BMW-Chef kontert Volkswagen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hier gibt es wirklich einiges zu lachen: Einen Steuervorteil für Diesel gibt es überhaupt nicht, Stickoxide sind nicht gesundheitsschädlich und dann auch noch das hohe Drehmoment beim V8-Diesel-Turbo!

      Zu dem Schwachsinn der ersten beiden Punkte schreibe ich nichts mehr. Die entsprechenden Autoren werden ebenso unwissend bleiben wie sie es nun mal sind.

      Aber zum Drehmoment: Das ist eine in dem Zusammenhang irreführende Bezeichnung. Es wird suggeriert, man könne es mit dem Drehmoment von Sportwagen vergleichen. Aber das Drehmoment ist beim Benziner über einen Bereich von etwa 2.000 bis 2.500 Umdrehungen nahezu konstant. Beim Diesel wird es nur über einen kurzen Peak erreicht, um dann abrupt abzufallen. Es ist ein Schwindelwert, um diese langweilen Karren besser verkaufen zu können.

    • ENERGIE-ENGPASS
      BASF muss Fabrik in China schließen
      von:
      Sha Hua
      Datum:
      13.12.2017 14:59 Uhr
      Der Chemiekonzern BASF muss wegen eines Erdgas-Engpasses ein Werk im Südwesten Chinas schließen. Das Land will den CO2-Ausstoß verringern – und eine Behörde hatte sich beim Energiebedarf der Region verkalkuliert.

      ........................

      UND WANN MUSS VOLKSWAGEN & AUDI AUCH CHINA IM RÜCKWÄRTSGANG NACH DEUTSCHLAND VERLASSEN ???

    • @ Herr Uwe Möller21.12.2017, 14:14 Uhr

      "Wenn es ein Nullsummenspiel wäre, dann stellt sich doch die Frage, warum so viele Dieselfahrzeuge gekauft wurden?"

      Vielleicht weil im Zuge der CO2-Hysterie die sparsamen und effizienten Dieselaggregate lange Zeit als politisch korrekt galten?

      https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.merkel-und-kretschmann-bei-bosch-wir-brauchen-den-diesel-motor.77f28db9-51e0-4a3b-a00c-cc5fe7a3d557.html

      Merkel hat sogar unlängst betont, dass dieser Antrieb wegen der Einhaltung der CO2-Ziele noch gebraucht wird.

      http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/angela-merkel-wir-brauchen-den-diesel-um-klimaschutzziele-zu-erreichen/20213894.html

      PS: ich fahre meinen Diesel-V8 in erster Linie wegen der knapp 600NM Drehmoment. In Anbetracht der KfZ-Steuer tendiert meine jährliche Ersparnis gegen Null.

    • Q Herr Tom Schmidt

      Dass der Text "belegbare Gesundheitsschädigung" von mir verwendet wurde, wär mir eine neue Erkenntnis!

      Wenn es ein Nullsummenspiel wäre, dann stellt sich doch die Frage, warum so viele Dieselfahrzeuge gekauft wurden? Doch wohl nicht etwas wegen dem geileren Motorensount?

      Wenn die Steuer auf den Dieselkraftstoff angehoben würde, dann wäre grundsätzlich die Kfz-Steuer anzupassen. Andererseits wäre ja aber auch ein Obulus für die größere Umweltbelastung zu erheben. Die jetzt freigegebenen 12 Mio. werden aber von allen Steuerbürgern getragen!

    • @ Herr Holger Narrog21.12.2017, 13:28 Uhr

      "Was spräche denn dagegen die Kraftstoffsteuern auf Diesel und Benzin abzuschaffen? Dann könnten die Menschen mehr, schneller, in grösseren Autos herumsausen und mehr Lebensfreude geniessen."

      Das geht nicht, wegen der Subventionierung der EU (Nettobeiträge), notleidender Eurostaaten, der Finanzierung der hochoptimalen Energiewende und last but not least der finanziellen Unterfütterung der laufenden Umvolkung.

      :)

      Hier hat sich mal ein Hamburger Verband mit dem Thema beschäftigt....

      «Eine generelle steuerliche Förderung für Dieselkraftstoff
      ist nicht gegeben. Zwar unterliegt Dieselkraftstoff
      gegenüber Benzin einem geringeren Energiesteuersatz,
      diesem stehen aber höhere Steuersätze für Pkw mit
      Dieselmotoren bei der Kraftfahrzeugsteuer gegenüber.
      Nach der Intention des Gesetzgebers handelt es sich
      dabei um einen pauschalen Belastungsausgleich für den
      energiesteuerlichen Vorteil. Auch die EU-Richtlinie
      2003/96/EG zur Harmonisierung der Energiebesteuerung
      (Energiesteuerrichtlinie) sieht geringere
      Mindeststeuersätze für Dieselkraftstoff vor»
      Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der
      Abgeordneten Lisa Paus, Oliver Krischer, Stephan Kühn
      (Dresden), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS
      90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/10732
      Entwicklung des Kraftstoffabsatzes
      Quelle: Mineralölwirtschaftsverband.

      https://www.afm-verband.de/files/2714/9855/4362/MEW_Studie_01_17_Komplett.pdf

    • Für alle Mitkommentatoren die am liebsten noch mehr Steuern bezahlen möchten.

      Was spräche denn dagegen die Kraftstoffsteuern auf Diesel und Benzin abzuschaffen? Dann könnten die Menschen mehr, schneller, in grösseren Autos herumsausen und mehr Lebensfreude geniessen.

      Angesichts eines gewaltigen ökosozialistischen Komplexes und der teuren Geistesblitze der Kanzlerin sollte es abseits der ökosozialistischen Ideologie hinreichend Einsparpotential in den Staatshaushalten geben um diese Steuern und einige andere Steuern zu reduzieren, oder abzuschaffen. Beispielsweise könnte man 3 Mio. Einwanderer die sich nicht selbst unterhalten können/wollen die Heimreise nahelegen.

    • @Caruso @ Möller

      erwähnten Sie den Begriff "Belegbare Gesundheitsschädigung"?

      Jetzt wird es aber dünn... ausser einem Shit-Storm von irgendwelchen NGOs oder Initiativen (deren Protagonisten praktisch einen MINT-Background haben) ist da nicht wirklich etwas mit belegbarer Gesundheitsgefährdung.

      Es ist schon erstaunlich... die Lebenserwartung ist hoch wie nie, wir entwickeln alle Allergien weil unser Abwehrsystem nichts zu tun hat und dass obwohl wir in einer "total" vergifteten Umwelt leben. Ich sehe schon die Reportage: den Diesel-Opfern ein Gesicht geben! Herzzerreisend wird dann über jemanden berichtet der an einer viel befahrenen Straße wohnt und ganz krank ist. Ok, der Arzt hat gemeint es wäre ein Raucherbein... aber eigentlich ist es ein Diesel-Bein... Ohne den Diesel hätte er noch ein paar Fluppen durchziehen können...

      Mal agesehen davon: wenn man dann die KFZ-Steuer für Diesel dann eben auch senkt auf den Stand von Benzinern senkt... wird man feststellen, dass war eh nur ein Nullsummenspiel

    • natürlich wird er energisch widersprechen, weil 75% der Produktion vom dreckigen Diesel abhängig ist ... warum sollte denn Benzin benachteiligt werden?

    • Mal ehrlich, Diesel und andere Kraftstoffe werden nicht subventioniert, sondern in einem großen Ausmaß zu Steuerzwecken (Geld für z.B. Zugereiste, EU, €-Versorgung, Welthandelsubventionierung durch deutsche Steuergelder u.s.w.) herangezogen.
      Falsches wird nicht richtig, auch wenn Politik, VW und Mer..-Medien in diesem Fall das dem Bürger so erzählen wollen.
      Also Steuern runter beim Benzin und dann wäre das gleiche erreicht, wie Steuern rauf beim DK
      PS E-Mobilität, eine Fortbewegungsart von vorgestern ( E-Mobilität im Sommer und Winter funktioniert nicht siehe z.B. DB, Strom-ÖPNV). Die Befürworter sehen auch nicht das Ende und da funktioniert garnichts mehr, denn soviel Batterien und Strom ist nicht erzeugbar und wird die Umwelt nachhaltig schlimmer schädigen wie ein sparsames heutiges 3l Bi-DK-Auto.
      Für Nischen sehe ich aber schon Platz für E-Mobilität, z.B. O-Busse in der Stadt und dann mit Batt. in den Nahbereich der Stadt, oder für innerstädtischen Paket/Lieferdienst.

    • Herr Stefan Möller-Gosoge21.12.2017, 12:08 Uhr
      Der Autor ist Eigentümer eines Mercedes CLS 3,5 Ltr. und eines weiteren Cabrios und gehört zu der Gruppe der Autoliebhaber.

      ......................

      SUPER !

      Jetzt darf er nur nicht Hartz 4 Empfänger werden weil die Ämter mit den Zulassungsstellen verbunden sind !!!

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