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Dieselaffäre Manipulierte Drei-Liter-Diesel kosten VW eine Milliarde Dollar in den USA

In den USA gibt es von VW Geld für die Käufer manipulierter Dieselfahrzeuge. Für Autos mit Drei-Liter-Motor hat VW bereits eine Milliarde ausgegeben.
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Der Konzern kommt mit der Abwicklung der Dieselaffäre in den USA voran. Im Unterschied zu Deutschland gibt es dort hohe Entschädigungen für Besitzer manipulierter Autos. Quelle: dpa
Volkswagen in den USA

Der Konzern kommt mit der Abwicklung der Dieselaffäre in den USA voran. Im Unterschied zu Deutschland gibt es dort hohe Entschädigungen für Besitzer manipulierter Autos.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Bei der Bewältigung der Abgasaffäre ist der nächste Milliardenbetrag für den VW-Konzern zusammengekommen. Der Wolfsburger Autohersteller hat 1,02 Milliarden US-Dollar an amerikanische Fahrzeughalter überwiesen, die bis zur Aufdeckung des Skandals im Jahr 2015 ein Dieselmodell mit manipuliertem Drei-Liter-Modell gekauft hatten.

Davon waren zu einem großen Teil Audi-Kunden betroffen. Die Ingolstädter Premiumtochter des VW-Konzerns hatte den Motor entwickelt. In geringem Umfang war der Motor auch in VW- und Porsche-Modellen verwendet worden.

Die Milliardenzahlung geht aus dem aktuellen Zwischenbericht der unabhängigen Kontrollkommission hervor, die die Rücknahme und die Umrüstung von insgesamt rund 100.000 Fahrzeugen mit Drei-Liter-Dieselaggregat überwacht. Bis Anfang Juni hat die US-Tochter von Volkswagen damit rund 64.000 Entschädigungsanträge von betroffenen amerikanischen Autofahrern abgearbeitet.

Da noch etwa ein Drittel der Anträge nicht final bearbeitet worden ist, dürfte die Summe um einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag steigen. Der Zwischenbericht der Kontrollkommission liegt dem Handelsblatt vor.

„Volkswagen arbeitet die Ansprüche der betroffenen Autofahrer effizient und effektiv ab“, heißt es in dem Zwischenbericht der Kontrollkommission. Die große Mehrheit der vorliegenden Anträge werde von Volkswagen problemlos und ohne Verzögerung abgearbeitet.

Die Zahl der neugestellten Anträge nehme ab, weil das Entschädigungsprogramm allmählich an sein Ende komme. Im Unterschied zu deutschen und europäischen Autofahrern bekommen US-Kunden eine Entschädigung für die Manipulationen ausgezahlt.

Wie aus dem Zwischenbericht der Kontrollkommission außerdem hervorgeht, hat der VW-Konzern große Fortschritte bei der Abwicklung des Entschädigungsverfahrens für die US-Autos mit Drei-Liter-Motor gemacht. 92 Prozent aller betroffenen Fahrzeuge seien inzwischen erfasst, umweltgerecht erneuert oder von der Straße geholt worden.

Mehrheit entscheidet sich für Umrüstung

Volkswagen hat damit die Quote von 85 Prozent deutlich überschritten, die von US-Behörden als Mindestgrenze festgesetzt worden war. Wäre Volkswagen unterhalb dieses Wertes geblieben, wären weitere Strafen fällig geworden – 85 Millionen Dollar je verfehlten Prozentpunkt.

Insgesamt hat der VW-Konzern bislang etwa 30 Milliarden Euro für die Bewältigung der Dieselaffäre zurückgelegt. Der überwiegende Teil dieses Geldes ist in die USA geflossen, wo die rechtliche Aufarbeitung der Affäre am weitesten vorangeschritten ist.

In Deutschland beginnen größere Entschädigungsverfahren in Massenprozessen gerade erst. Volkswagen drohen deshalb weitere Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe. Allein für Rechtsanwälte und Berater hat der Konzern bislang knapp 1,8 Milliarden Euro ausgegeben.

Die Drei-Liter-Modelle stellen nur den wesentlich kleineren Teil der in den USA manipulierten Dieselfahrzeuge dar. Deutlich größer ist die Zahl der Zwei-Liter-Modelle, die der VW-Konzern mit einer illegalen Motorsoftware bis zum Jahr 2015 in den USA verkauft hatte. Davon waren etwa 500.000 Exemplare auf amerikanischen Straßen unterwegs. Auch bei diesen Autos hat VW die erforderliche Rückholquote von 85 Prozent bereits Mitte 2018 erfüllt und damit weitere Strafen vermieden.

Bei den Drei-Liter-Modellen hat sich die Mehrheit der betroffenen US-Kunden für eine Umrüstung der manipulierten Fahrzeuge entschlossen. In der Regel sind damit auch größere technische Eingriffe am Auto („Hardware-Nachrüstung“) verbunden. Danach erfüllen die Fahrzeuge die strengeren amerikanischen Abgasnormen. In Europa und Deutschland geben sich die Aufsichtsbehörden meist damit zufrieden, wenn bei den betroffenen Fahrzeugen eine neue Software für die Motorsteuerung aufgespielt wird.

Wer sich in den USA für die Umrüstung entscheidet, bekommt von Volkswagen zusätzlich eine Entschädigungsleistung. Wie es dazu im Zwischenbericht der Untersuchungskommission heißt, waren das im Schnitt 8000 bis 10.000 US-Dollar, je nach Modelljahr des betroffenen Fahrzeugs.

In Europa gibt es solche Entschädigungsleistungen nicht. US-Besitzer von Drei-Liter-Autos, die sich für die komplette Rücknahme ihrer Fahrzeuge durch Volkswagen entschieden hatten, bekamen vom Wolfsburger Konzern durchschnittlich etwa 40.000 Dollar an Entschädigung.

Zwei-Liter-Modell für VW deutlich teurer

Bei den kleineren Zwei-Liter-Autos war die technische Umrüstung viel komplizierter. Längere Zeit galt es als unsicher, ob die Fahrzeuge überhaupt jemals die amerikanischen Abgasvorschriften erfüllen würden. Deshalb hatte sich der überwiegende Teil der US-Kunden für eine Rückgabe der Autos an Volkswagen entschieden.

Dafür gab es vom VW-Konzern durchschnittlich etwa 20.000 Dollar für jeden einzelnen Kunden in den USA. Die Rücknahme der Zwei-Liter-Modelle in den Vereinigten Staaten kostet Volkswagen etwa zehn Milliarden Dollar, der Großteil davon ist bereits ausgezahlt worden. Dieses Verfahren ist weitgehend abgeschlossen.

Ein vergleichsweise großer Teil – mehr als 100.000 Autos - ist davon in der Schrottpresse gelandet, weil sich die vergleichsweise teure amerikanische Umrüstung bei älteren Fahrzeugen nicht mehr gelohnt hätte. Bei mehreren 10.000 Fahrzeugen hatte sich der Wolfsburger Konzern zu einer Umrüstung entschieden und die Autos danach als Gebrauchtwagen weiterverkauft. Volkswagen hat für diesen Weiterverkauf die ausdrückliche Erlaubnis der US-Behörden – weil die Fahrzeuge nach einem genehmigten Verfahren umgerüstet worden waren.

In Deutschland versucht eine wachsende Zahl betroffener Dieselkunden, nach dem Beispiel der USA ebenfalls Entschädigungszahlungen vor Gericht zu erstreiten. Dazu haben sich bislang etwa 420.000 Autofahrer im Klageregister einer sogenannten Musterfeststellungsklage – der neuen deutschen Variante der US-Sammelklage – eingetragen. Die deutsche Musterklage hatten die Verbraucherzentralen und der ADAC gemeinsam angestrengt.

Die Verbraucherorganisationen wollen vor Gericht feststellen lassen, dass der Autokonzern wegen einer manipulierten Motorsteuerung für den Schaden von betroffenen Dieselkäufern geradestehen muss. VW-Kunden beklagen an erster Stelle die zum Teil deutlich gefallenen Restwerte ihrer Fahrzeuge.

In der Musterfeststellungsklage wird nur grundsätzlich geprüft, ob überhaupt Schadensersatzansprüche bestehen. Jeder einzelne betroffene Autofahrer muss seine individuelle Schadenshöhe später selbst einklagen. Das Musterverfahren soll im September vor dem Oberlandesgericht in Braunschweig beginnen.

Volkswagen verweist immer wieder auf die eigene Rechtsposition, dass Schadensersatzansprüche nur in den USA, nicht aber in Deutschland und Europa bestünden. In der Bundesrepublik dürften die Fahrzeuge weiterhin betrieben werden. Der große Teil der Schadensersatzklagen in Deutschland sei erfolglos verlaufen, so das Unternehmen weiter.

Mehr: Gelingt Deutschlands größtem Autobauer der Neustart? Hinter den Kulissen eines Comeback-Versuchs.

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