Dieselgate Fiat lockt VW-Fahrer mit 1500 Euro Rabatt

Fiat sieht die Krise bei Volkswagen als Chance. In Italien bietet der Autobauer VW-Fahrern bis zu 1500 Euro in bar, wenn sie auf einen Fiat umsteigen. Es ist die Fortsetzung einer Fehde zwischen den beiden Konkurrenten.
Der Wechsel von VW zu einem Fiat Panda wird mit 500 Euro belohnt – bei einem Jeep Grand Cherokee winken sogar 1500 Euro. Quelle: AFP
Fiat Panda

Der Wechsel von VW zu einem Fiat Panda wird mit 500 Euro belohnt – bei einem Jeep Grand Cherokee winken sogar 1500 Euro.

(Foto: AFP)

TurinBei Fiat Chrysler wird der Abgasskandal bei Volkswagen als Chance gesehen, um dem deutschen Autokonzern Kunden abzunehmen. In Italien bietet Fiat den VW-Kunden bereits Rabatte von bis zu 1500 Euro in bar für einen Wechsel zu Fiat.

Der Turiner Autokonzern will überdies Autos jeder Marke aus dem VW-Konzern in Zahlung nehmen. Der Rabatt für einen Fiat wird zusätzlich zu anderen Anreizen gewährt. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die von der Zeitung Il Giornale am Dienstag veröffentlicht wurde – Autohändler haben die Mitteilung bestätigt. Ein Sprecher von Fiat in Turin wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

Rabatte beim Umstieg auf eine andere Automarke sind in der Branche zwar nicht unüblich – doch Angebote, die speziell einen konkurrierenden Hersteller ins Visier nehmen, sind selten. Fiat unternimmt seinen Vorstoß just zu dem Zeitpunkt, in dem VW tief in der größten Krise seiner Firmengeschichte steckt.

Wenn Unternehmen um Verzeihung bitten müssen
Abgas-Skandal bei VW
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„Eigentlich“ sollte alles anders sein bei Volkswagen in diesen Tagen. Der Wolfsburger Autobauer verzichtete auf eine Anzeige zum Jubiläum der Deutschen Einheit und platzierte stattdessen in zahlreichen deutschen Medien – unter anderem im Handelsblatt – diese Anzeige. „Wir werden alles tun, um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“, versprach der Konzern.

Abgas-Skandal bei VW
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Nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals hatte sich der damalige Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn in einer persönlichen Video-Botschaft an die Öffentlichkeit gewandt. „Die schnelle und umfassende Aufklärung hat höchste Priorität. Das sind wir unseren Kunden, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit schuldig. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten“, heißt es unter anderem in Winterkorns Statement. „Ich gebe Ihnen mein Wort. Bei alledem werden wir mit der größtmöglichen Transparenz und Offenheit vorgehen.“ Kurz darauf trat Winterkorn von seinem Amt zurück.

Tepco und die Fukushima-Katastrophe
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Tiefe Verbeugungen gelten in Asien als anerkannte Geste der Entschuldigung – so auch nach der Fukushima-Katastrophe im Frühjahr 2011. Masataka Shimizu, Chef des Kraftwerksbetreibers Tepco, entschuldigt sich beim japanischen Volk für den Nuklearunfall, der erhebliche Auswirkungen auf die Atompolitik der gesamten Welt hatte.

Tepco und die Fukushima-Katastrophe
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Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Tepco die Wartung der Fukushima-Anlage vernachlässigt hatte. Die Bevölkerung lehnte die Entschuldigung des Unternehmens weitgehend ab. Tepco-Chef Shimizu trat daraufhin im Mai 2011 zurück.

Bilanzskandal bei Toshiba
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Geschönte Zahlen bei Toshiba sorgten im April 2015 für internationales Aufsehen. Der japanische Elektronikkonzern hatte seine Bücher um umgerechnet 1,13 Milliarden Euro geschönt. Die Toshiba-Führungsetage um Hisao Tanaka (M.) bat daraufhin die Öffentlichkeit medienwirksam um Verzeihung.

Bilanzskandal bei Toshiba
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Tanaka allerdings wusste seit Jahren von den gefälschten Bilanzen – und trat daraufhin im Juli 2015 von seinem Amt zurück. Insgesamt kostete der Bilanzskandal acht führenden Managern den Job. Toshiba hatte vorsätzlich über Jahre einen zu hohen operativen Gewinn angegeben.

Schmiergeldskandal bei Siemens
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Die Schmiergeldaffäre bei Siemens hatte nicht nur personelle Konsequenzen zur Folge, sondern hinterließ auch einen bleibenden Imageschaden, den der neue Vorstandsvorsitzende Peter Löscher mit Transparenz relativieren wollte. „Alles, was ich über dieses Thema weiß, hat bei mir persönlich den Eindruck erweckt, dass hier ein merkwürdiges und fehlgeleitetes Verhalten Platz gegriffen hat. Soweit dieses Verhalten aus der Mitte unseres Unternehmens genährt worden ist, möchte ich mich dafür ausdrücklich entschuldigen – bei den Betriebsräten, bei der Belegschaft und bei der IG Metall“, soll Löscher bei einer Betriebsräteversammlung gesagt haben.

Die Anreize, die Fiat Chrysler im Oktober VW-Kunden beim Umstieg anbietet, reichen von 500 Euro bei einem Fiat Panda bis zu 1500 Euro beim Kauf eines Jeep Grand Cherokee. Hinter Fiat hat VW in Italien die zweitgrößten Absatzzahlen. Die Verkaufszahlen von VW in Italien sind im September um 1,4 Prozent gefallen, während der Verkauf bei Fiat um 24 Prozent zunahm. Fiat schickte in der vergangenen Woche eine weitere Mitteilung an die Händler: Darin wurde den Kunden versichert, dass der Autobauer alle Vorschriften erfülle und die Fahrzeuge nicht mit betrügerischen Vorrichtungen ausgestattet seien.

Automotive News Europe hatte zuletzt berichtet, dass der US-Autokonzern Ford ebenfalls einen Bonus für Umsteiger biete. Hier soll der Rabatt bei 750 Euro für alle Modelle liegen und sich auch an VW-Fahrer in Italien richten. Von Ford in Europa war nach den üblichen Geschäftszeiten keine Stellungnahme zu erhalten.

VW und das „Blutbad“
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