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Dieselskandal Anklage gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler erhoben

Im Dieselskandal wird ein weiterer hochrangiger Manager des VW-Konzerns angeklagt: Rupert Stadler und drei weiteren Angeschuldigten wird unter anderem Betrug vorgeworfen.
Update: 31.07.2019 - 10:18 Uhr 3 Kommentare

„Herr Stadler wird vorgeworfen, von den Manipulationen gewusst zu haben“

München Monatelang hatte die Staatsanwaltschaft München II im Ermittlungskomplex um den Dieselskandal beim Autobauer Audi die noch fehlenden Puzzlestücke zusammengetragen und an einer Anklageschrift gebastelt. Jetzt haben die Ermittler um Dominik Kieninger ausreichend Belastungsmaterial zusammen.

Die Strafverfolger haben Anklage gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler sowie zwei weitere ehemalige und einen aktuellen Audi-Manager erhoben, die am Abgasbetrug mit Dieselfahrzeugen und seiner Vertuschung beteiligt gewesen sein sollen. 23 weitere Beschuldigte in dem Verfahren können nur vorübergehend durchatmen – gegen sie ermittelt die Behörde weiter.

Geht es nach den Strafverfolgern, sollen sich neben Stadler auch Ex-Vorstandsmitglied Wolfgang Hatz, der frühere Dieseltechnik-Teamleiter Giovanni Pamio und dessen Mitarbeiter Henning L. wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung verantworten. Die Anklageschrift umfasst 400 Seiten – plus Anlagen.

Den drei anderen Beschuldigten legt die Staatsanwaltschaft zur Last, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei. Dem 56-jährigen Stadler wirft sie vor, „spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst beziehungsweise den Absatz nicht verhindert zu haben“.

Die Anklage umfasst den Angaben der Behörde zufolge 250.712 Fahrzeuge von Audi, 71.577 Fahrzeuge von VW und 112.131 Fahrzeuge von Porsche. „Die Fahrzeuge sind insbesondere auf dem US-amerikanischen und europäischen Markt veräußert worden“, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft.

Audi verwies in einem Statement darauf, dass die Anklage gegen die Beschuldigten getrennt vom Verfahren gegen Audi zu sehen sei, das im Oktober mit einem Bußgeldbescheid von 800 Millionen Euro abgeschlossen wurde. Es liege im Interesse aller, die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben, „juristisch restlos aufzuklären“. „Das gehört in einem Rechtstaat zu den Grundprinzipien“, heißt es in der Erklärung.

Audi kooperiere weiterhin vollumfänglich mit den Behörden. „Diese Aufklärung ist eine Voraussetzung für den erfolgreichen Neustart. Wir haben aus unserer Vergangenheit gelernt und nutzen sie als Chance.“

Stadler beziehungsweise dessen Verteidiger waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, ebenso nicht die Anwälte von Hatz, Pamio und L. Sollte das Landgericht München die Anklage zulassen und sich in einem Prozess die Vorwürfe bestätigen, drohen den Angeschuldigten mehrjährige Haftstrafen.

Drei von ihnen – Pamio, Hatz und Stadler – saßen bereits monatelang in Untersuchungshaft, aus der sie zumindest teilweise nur gegen strenge Auflagen entlassen wurden. Als erster wurde Pamio im Sommer 2017 verhaftet und saß gut vier Monate ein, ab September 2017 dann Hatz für neun Monate und schließlich ab Juni 2018 auch der damalige Audi-Vorstandschef Stadler. Während Hatz und Stadler sich weiter zugeknöpft geben und mehr oder weniger kategorisch sämtliche Vorwürfe zurückweisen, wurden Pamio und L. zu wichtigen Zeugen der Staatsanwälte.

Hochrangige Manager bereits angeklagt

Neben der Staatsanwaltschaft München ermitteln auch die Strafverfolger in Braunschweig im Dieselskandal. Ex-Konzernchef Martin Winterkorn sowie vier weitere Personen wurden im April wegen schweren Betrugs und unlauteren Wettbewerbs angeklagt. Daneben werfen die Ankläger den Führungskräften teilweise auch Untreue, Steuerhinterziehung und mittelbare Falschbeurkundung vor. Gegen weitere Beschuldigte laufen noch Ermittlungen.

Rupert Stadler war im Juni vergangenen Jahres festgenommen worden, nachdem er in einem abgehörten Telefonat über die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters sprach. Danach verbrachte der Manager mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Der VW-Konzern reagierte darauf und beendete im Oktober das Vertragsverhältnis mit Stadler. Der Automanager schied danach aus dem Unternehmen aus. Sein Nachfolger wurde Bram Schot.

Als Audi-Chef war Stadler auch zugleich Mitglied des Konzernvorstandes von Volkswagen. Auf der VW-Hauptversammlung vertagten die Aktionäre Stadlers Entlastung für das Geschäftsjahr 2018.

Zuletzt war Stadler mit einer Verfassungsbeschwerde gegen seinen Haftbefehl gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht teilte im Mai mit, es habe die Beschwerde nicht zur Entscheidung angenommen. Das Oberlandesgericht München hatte den Haftbefehl im Oktober außer Vollzug gesetzt, aber ein strenges Kontaktverbot verhängt.

Ohne Zustimmung der Staatsanwaltschaft darf Stadler weiterhin keinen Kontakt zu Mitbeschuldigten und möglichen Zeugen aufnehmen. Das Kontaktverbot wegen Verdunkelungsgefahr halten die Verfassungsrichter für verhältnismäßig.
Mit Agenturmaterial

Mehr: Revanche von Audi? Wie ein Diesel-Manager vom Zeugen zum Beschuldigten wurde.

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3 Kommentare zu "Dieselskandal: Anklage gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler erhoben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum verklagt eigentlich niemand die ehemaligen Verkehrsminister Dobrindt und den heutigen Verkehrsminister Scheuer auf Beihilfe zum Betrug und Beihilfe zur Falschbeurkundung im Kraftfahrzeug-Bundesamt. Diese Minister kosten den Steuerzahler seit Jahren Milliarden an weniger Steuereinnahmen und hohen Beraterkosten. Sie sind unfähig einen CO2-neutralen Mobilitäts-Masterplan für Fahrzeuge, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr zu entwickeln und zu realisieren. Solche Leute haben in einer Regierung auf Dauer nichts verloren.

  • Da haben Sie irgendwo recht! Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Herr Dobrindt und andere über die halbseidene Abschaltvorrichtung unter realen Bedingungen gewusst und toleriert haben! Ein Problem des modernen Dieselmotors ist, dass er total auf Leistung getrimmt wurde, um ähnliche Leistungen zu liefern wie Benzinmotoren. Ich verfüge über langjährige Erfahrungen mit Dieselmotoren für PKW, Baumaschinen, Bootsmotoren und LKW. Bei den Baumaschinen Bootsmotoren sind natürlich Sparsamkeit, aber besonders Haltbarkeit im Dauereinsatz gefragt: das tuen sie, auch im hohen Alter bei etwas Wartung. Bei den modernen PKW-Motoren sieht das schon etwas differenzierter aus; da gehen die Turbolader flitzen, Kühlprobleme usw. Ich fahre aus Überzeugung einen PKW-Diesel, den ich im mittleren Drehzahlbereich bewege - dann ist er zuverlässig und sparsam.

  • Warum nennt man das Kind nicht beim richtigen Namen. Es gibt nämlich keinen "Dieselskandal"! Es ist ein Betrugsskandal um Abgaswerte. Mit der tendenziösen Bezeichnung "Dieselskandal" schaden wir nicht nur uns, unsere Wirtschaft und damit unsere Gesellschaft als Ganzes, sondern wir verhindern, dass ein grandioses Aggregat für autonome Mobilität in der Diskussion den Stellenwert einnehmen kann, den es tatsächlich verdient. Es gibt in der Tat derzeit keinen ökologischeren Antrieb als der Dieselmotor. Der Batterie-Antrieb ist dagegen ein ökologisches Desaster. Das müsste deutlich differenziert werden!

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