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Dieselskandal Umweltauflagen erfüllt: VW hofft, seinen US-Aufpasser endlich loszuwerden

Seit drei Jahren kontrolliert ein US-Monitor den Volkswagen-Konzern wegen des Dieselskandals. Der Vorstand hofft, dass die Überwachung im Herbst eingestellt wird.
26.05.2020 - 09:30 Uhr 1 Kommentar
Das Abgasrohr eines Volkswagens auf dem Mitarbeiterparkplatz in Wolfsburg: In den nächsten Monaten fällt die Entscheidung, ob der US-Monitor das Unternehmen wieder verlässt. Quelle: dpa
Dieselskandal bei VW nimmt ein langsames Ende

Das Abgasrohr eines Volkswagens auf dem Mitarbeiterparkplatz in Wolfsburg: In den nächsten Monaten fällt die Entscheidung, ob der US-Monitor das Unternehmen wieder verlässt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Knapp fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals arbeitet Volkswagen weiter an der Verbesserung der internen Prozesse, damit der Konzern in Zukunft nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt gerät. „Wir befinden uns auf einem guten Weg“, sagt Hiltrud Werner, im VW-Konzernvorstand für Integrität und Recht verantwortlich. „Aber die nachhaltige Veränderung von Prozessen, daran müssen wir noch sehr lange weiterarbeiten.“ Erfahrungsgemäß dauere es acht bis zehn Jahre, eine Firmenkultur grundlegend zu verändern.

Der VW-Konzern musste im September 2015 auf Druck von US-Umweltbehörden zugeben, die Abgasreinigung von Millionen Dieselfahrzeugen mit einer Software manipuliert zu haben. Die finanziellen Lasten belaufen sich inzwischen auf mehr als 31 Milliarden Euro.

Und die könnten weiter steigen. Denn an diesem Montag hat der Bundesgerichtshof (BGH) geurteilt, dass VW klagenden Dieselkunden Schadensersatz zahlen muss. Käufer manipulierter Dieselautos haben laut BGH grundsätzlich Anspruch auf Schadensersatz. Gemäß dem Urteil des Gerichts können sie ihr Fahrzeug zurückgeben und von VW den Kaufpreis teilweise zurückverlangen.

Andererseits gibt es auch Entlastung: Das Landgericht Braunschweig stellte in der vergangenen Woche ein Strafverfahren gegen den VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen möglicher Marktmanipulation gegen die Zahlung von neun Millionen Euro Geldauflage ein.

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    Der Wolfsburger Autokonzern wird noch bis September von einem Aufseher der US-Justiz überwacht. Der frühere stellvertretende US-Justizminister Larry Thompson soll als Monitor sicherstellen, dass Volkswagen künftig gesetzestreu bleibt.

    Zu den Auflagen gehören auch jährliche Berichte zur Verbesserung des Umweltmanagements nach US-Standards, die von externen Prüfern erstellt wurden. Volkswagen hatte schon frühzeitig nach dem Bekanntwerden des Skandals organisatorische Veränderungen vorgenommen: Fahrzeugentwicklung und -zulassung sind jetzt grundsätzlich voneinander getrennt. Auch das soll neue Manipulationen ausschließen.

    Die Umweltprüfer hatten bei ihrem dritten und letzten Bericht noch kleinere Probleme gefunden. So sei etwa die Dokumentation in der Produktentwicklung noch nicht genau genug, berichtet Werner. Grundsätzlich werde dem Konzern allerdings bescheinigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Volkswagen hatte sich mit seinem Schuldeingeständnis in den USA dazu verpflichtet, die Kontrollsysteme und Prozesse im Unternehmen so zu verschärfen, dass ein systematischer Betrug wie im Dieselskandal nicht mehr vorkommen kann.

    Führungskräfte in Umweltrecht geschult

    „Überall gilt jetzt das Vieraugenprinzip“, hebt das VW-Vorstandsmitglied hervor. Damit sei die Basis für ein „robusteres“ internes Kontrollsystem gelegt worden. Außerdem habe Volkswagen dafür gesorgt, dass Prozesse im Unternehmen viel stärker und umfassender dokumentiert werden. Dadurch könnten Entscheidungsprozesse auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal detailliert nachvollzogen werden. Außerdem seien die Produkt-Compliance und die Fahrzeugzulassung („Homologation“) entscheidend verbessert worden.

    VW muss Schadensersatz für manipulierte Diesel zahlen

    Die Kontrolle durch den Monitor habe dazu geführt, dass der Autokonzern seine Führungskräfte im US-Umweltrecht geschult habe. „Das Umweltbewusstsein von Mitarbeitern und Führungskräften ist deutlich geschärft worden“, betont Hiltrud Werner. Den Entwicklern seien die Anforderungen der Umweltgesetze aller Länder bekannt, in die Volkswagen seine Autos exportiere. Heute falle es schnell auf, wenn emissionsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten würden. „In Summe ist der Konzern so aufgestellt, dass es nicht mehr passieren kann, dass etwas Ungesetzliches neun bis zehn Jahre lang in Fahrzeugen verbaut wird.“

    Genau das war bei der Dieselaffäre von Volkswagen passiert. Schon um das Jahr 2006 herum hatte es in der Entwicklungsabteilung des Konzerns die ersten Ideen für die Software-Manipulationen bei Dieselmotoren gegeben. Es dauerte jedoch bis zum September 2015, bis US-Umweltbehörden den Betrug von Volkswagen aufdecken konnten.

    Wie die US-Seite die Entwicklung von Volkswagen einschätzt, wird sich mit dem Abschlussbericht von Aufseher Larry Thompson herausstellen. Dieser finale Bericht des Monitors wird in den kommenden Wochen in Wolfsburg erwartet. Thompson beleuchtet darin besonders noch einmal die gesamte strafrechtliche Seite der Dieselmanipulation.

    In den USA hatte Volkswagen im Unterschied zu Deutschland und Europa den Betrug recht schnell zugegeben. Hierzulande vertritt der Konzern bis heute unverändert die Rechtsposition, keinen Gesetzesbruch begangen zu haben. Deshalb hat Volkswagen in Deutschland größere Entschädigungszahlungen für Dieselkunden wie in den USA bislang immer abgelehnt.

    Im September läuft die gut dreijährige Amtszeit von Larry Thompson aus. Volkswagen hofft darauf, dass der Monitor dem Konzern eine positive Entwicklung bescheinigt und das Unternehmen danach verlässt. Das Monitorverfahren ist schon einmal um drei Monate verlängert worden. Dieser Prozess ist für Volkswagen auch teuer: Er verschlingt einen dreistelligen Millionenbetrag. Hiltrud Werner bezeichnet Larry Thompson als „guten Lehrer“, der im gesamten Unternehmen „wie ein Katalysator gewirkt“ habe.

    Mehr: Strafverfahren gegen VW-Chef Diess und Aufsichtsratschef Pötsch eingestellt.

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    1 Kommentar zu "Dieselskandal: Umweltauflagen erfüllt: VW hofft, seinen US-Aufpasser endlich loszuwerden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wird auch Zeit, kein Automobilkonzern hat sich so mit offen mit seiner Dieselproblematik auseinandergesetzt wie VW.

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