Dieselskandal US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange

Volkswagen wollte 2017 eigentlich den Dieselskandal hinter sich lassen. Nun stört ein verhafteter VW-Manager das Comeback. Die US-Behörden erhöhen damit den Druck auch auf die Wolfsburger Konzernspitze.
Update: 10.01.2017 - 08:30 Uhr 9 Kommentare

Überraschende Aktion – FBI klagt erstmals VW-Manager an

Detroit/DüsseldorfEs ist wie verhext. Gerade, wenn Volkswagen in den USA den Dieselskandal hinter sich lassen und sich der Zukunft und neuen Modellen zuwenden will, funken die US-Behörden dazwischen. Im vergangenen Jahr reichte das US-Justizministerium kurz vor der Autoshow in Detroit eine zivilrechtliche Klage gegen den Wolfsburger Autobauer ein. Jetzt, wo VW-Markenchef Herbert Diess die Amerikaner mit einem neuen SUV wieder für sich gewinnen will, wird ein VW-Manager in Florida verhaftet.

Die US-Justiz wirft dabei auch der Konzernspitze von Volkswagen Vertuschungen im Dieselskandal vor. Noch wenige Monate vor dem Auffliegen der Affäre hätten Manager des Wolfsburger Autobauers bei Mitarbeitern die Verheimlichung der Abgas-Manipulationen abgesegnet, heißt es in einer am Montag vom zuständigen US-Gericht in Detroit veröffentlichten Strafanzeige gegen den Manager.

Der Mann habe zu einer Gruppe von Mitarbeitern gehört, die das Management bei einem Treffen am 27. Juli 2015 über die Risiken des Betrugs informierten. Statt die Aufklärung des Falls gegenüber den bereits unter Hochdruck gegen VW ermittelnden US-Behörden anzuordnen, habe die Konzernführung autorisiert, die Tricksereien weiter unter den Teppich zu kehren. Ähnliche Verdächtigungen hatte es schon zuvor gegeben.

Die Ermittler stützen sich nun aber auf die eidesstattliche Erklärung eines FBI-Agenten und Aussagen mehrerer VW-Insider, die als Zeugen mit der US-Bundespolizei FBI kooperieren. Am 18. September 2015 war der Skandal aufgeflogen, nachdem die US-Umweltbehörden ihre Vorwürfe gegen VW öffentlich gemacht hatten. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern.

Der Volkswagen-Manager, der am Montag dem Haftrichter vorgeführt wurde und am Donnerstag bei einer Anhörung aussagen wird, leitete bis März 2015 das Büro für die Fahrzeugzulassungen in den USA, in Auburn Hills, Michigan. Danach wurde er zurück nach Deutschland berufen.

So wird der Bus zum Buzz
Der Kleinbus ist das zweite Mitglied der Familie, mit der VW ab 2020 im Elektro-Zeitalter ankommen will
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Die Detroit Motor Show, wird von einem Überangebot an dicken SUV, Pickups und kraftstrotzenden Sportwagen dominiert. Doch ein futuristisches Unikum für acht Insassen, mit reinem Elektroantrieb, ohne richtiges Armaturenbrett und mit einem Spitzentempo von gerademal 160 km/h hat das Zeug zum Messehit.

Der VW I.D. Buzz soll die nostalgischen Gefühle der inzwischen ergrauten Vertreter der Flower-Power-Generation erwärmen und gleichzeitig die Trendsetter unter den heutigen Autokäufern überzeugen...

Zurück in die Zukunft
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Der immerhin 4,92 Meter lange Kleinbus mit dem üppigen Radstand von 3,30 Metern ist das zweite Mitglied der Familie, mit der VW ab 2020 im Elektro-Zeitalter ankommen will. Zuerst wird die Steilheck-Limousine an den Start gehen, danach folgt ein noch unbekannter SUV.

Dann aber schon könnte sich der jetzt enthüllte Bus einreihen. „Wir machen die Elektromobilität zum neuen Markenzeichen von VW“, kündigt VW-Chef Herbert Diess an.

Vieles am I.D. Buzz erinnert an die Ikone der 60er-Jahre
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Die technisch jetzt unnötigen Luftschlitze an der letzten Dachsäule, die leicht gewölbte Front ohne Motorhaube oder auch die umlaufende Linie, die am Bug ein übergroßes VW-Logo in die Mitte nimmt. In Summe kommt der Neue trotz der deutlichen Anleihen beim Urgroßvater betont futuristisch daher.

Das Zusammenspiel zwischen Morgen und Vorgestern ist den Designern um Klaus Bischoff gelungen. „Dabei haben wir kein Retro-Design auf 22-Zoll-Räder gestellt, sondern das erfolgreichste Van-Design der Welt logisch weiterentwickelt“, heißt es.

Motto „Lebensfreude durch Vielseitigkeit“
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Die je nach Version dreireihig angeordneten Sitze lassen sich drehen oder auf Gleitschienen verschieben, in der Mitte findet sich auf Wunsch ein ausklappbarer Tisch.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, den I.D. Buzz in ein rollendes Schlafzimmer mit einer Liegewiese zu verwandeln. Diese Möglichkeit liebten schon die Fans des Veteranen auf den Open-Air-Festivals von Woodstock und anderswo.

Der Innenraum bietet Lounge-Atmosphäre, die durch verschiedene Lichtinstallationen der Stimmung angepasst wird
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Tagsüber passt dank eines Panoramadachs und großer seitlicher Fensterflächen der Lieblingsbegriff aus vielen Immobilienanzeigen - lichtdurchflutet. Der flache Boden besteht wie bei einer Yacht aus edlem Birkenholz.

Die seitlichen verschiebbaren Sonnenblenden sind so weich gepolstert, dass Fondpassagiere sich auf langen Fahrten kuschelig an die Fenster lehnen können. Natürlich ist der VW der nahen Zukunft immer online und stets mit der Außenwelt vernetzt.

Da der I.D. Buzz ein sogenanntes Konzeptfahrzeug ist, bleibt die Frage, was von alledem mal in der Serie landen wird
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Weil bei einem Elektroauto nun mal viele Komponenten eines klassischen Fahrzeugs wegfallen, ist im Neuling noch mehr Platz als es die Außenmaße vermuten lassen.

Bischoff rechnet vor: „Der I.D. Buzz steht auf der Grundfläche eines T 6, bietet innen aber die Dimensionen des gleichen Modells mit langem Radstand“. Alles kommt dabei den Insassen zu Gute. Oder auch einem künftigen Transporter für den Einsatz als Nutzfahrzeug.

Nutzer des künftigen Kult-Mobils müssen aber auch Verzicht üben. Das vertraute Cockpit ist Vergangenheit.
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Der I.D. Buzz kommt mit einem rechteckigen Touchscreen-Monitor im Zentrum vor den Frontsitzen aus, über den fast alles gesteuert werden kann. Er kann abgenommen werden, und wird so zum Tablet, um zum Beispiel schon zu Hause die geplante Route zu programmieren oder sich die Lieblingsmusik aufzuspielen.

Auch die gewohnten Instrumente fallen weg. Alle Informationen werden in die Windschutzscheibe projiziert. Für den Fahrer erscheinen die Zahlen von Tacho oder die Anweisungen des Navigationssystems aber so, als wären sie weit vor dem Auto auf die Straße gemalt.

In seiner Zeit in den USA und danach soll er wiederholt die US-Behörden getäuscht haben, wie aus der Strafanzeige hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurde und dem Handelsblatt vorliegt. Oliver S. soll Handschellen und Gefängnis-Uniform getragen haben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bis zur Anhörung am Donnerstag soll er in Haft bleiben.

Oliver S. soll sich in Florida im Urlaub aufgehalten haben und an der Ausreise gehindert worden sein, hieß es. Zwar hat S. von den Untersuchungen gegen ihn gewusst. Er habe sich laut Reuters im vergangenen Jahr mit FBI-Agenten in London getroffen. Warum er trotzdem in die USA reiste, ist unklar.

FBI arbeitet mit Kronzeugen zusammen
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9 Kommentare zu "Dieselskandal: US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange"

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  • @ Herr Härtel: Was wollen Sie eigentlich genau? Entschädigung? Wieviel?

    Ich nehme an, Sie können rechnen? Bei 11 Mio. betroffenen Autos machen je 1.000 Euro Entschädigung insgesamt 11 Mrd. Euro aus. Mal abgesehen davon, dass der Vergleich in den USA ungleich mehr kostet, wieviel Entschädigung sollte VW denn nun Ihrer Meinung nach an jeden betroffenen Kunden zahlen? Und von dem soll sich VW das Geld zurückholen? Von den wirklich verantwortlichen Betrügern vielleicht? Wohl kaum! Verschwenden Sie dann einen Gedanken daran, dass wegen Ihrer kleinen persönlichen Entschädigung evtl.die Existenz tausender Arbeitnehmer und ihrer Familien auf de Spiel steht? Hauptsache Sie bekommen Ihre zwei-, dreitausend Euro, richtig...?

  • Was macht Deutschlands Justiz außer nichts? Warum geht unsere Politik nicht gegen den Wahnsinn Boni usw. weitere vergünstigungen vor? Ist VW ein Vorbild, dann muß jeder Deutsche die Rentenhöhe des Herrn Winterkorn erhalten (Gleichberechtigung), zumal die meisten nicht den Schaden des Hr. Winterkorn vollziehen.

  • Die Amerikaner holen sich einfach die Kohle, die Deutschland durch den Exportüberschuss erwirtschaftet, zurück. Zum einen durch riesige Strafzahlungen der Banken bzw. auch die großen deutschen Konzerne sind betroffen.
    So kann man immer mehr Geld von dem deutschen Michel herauspressen und hackeln darf er immer mehr. Nur bleibt immer weniger über. Nicht nur die Pleitestaaten der Eu zocken D ab sondern auch die über dem großen Dümpel bzw. will England, sich auch ein Scheibchen von dem deutschen Sklavenarbeiter erwirtschafteten Überschusses, abschneiden.
    "SCREW" the best ghost

  • Als mündiger Verbraucher habe ich bereits Klage gegen den Händler / VW eingereicht. Durch den vorsätzlichen Betrug in Kombination mit dem arroganten Verhalten von VW gegenüber europäischen Kunden werde ich nie wieder einen Pkw aus dem VW-Konzern kaufen. Hoffentlich folgen noch viele geprellte Käufer diesem Beispiel!

  • Bei uns bekommen Betrüger eine Mega-Pension und die Plitik schaut einfach weg; geprellte PKW-Käufer werden sich ihrem Schicksal überlassen, wenn verlogene Autofirmen die Schrottwagen einfach nicht zurücknehmen.

    Es bleibt zu hoffen, dass in den USA die Strafe für VW noch höher ausfällt.

    Wenn wundert es dann noch, dass die Bürger politikverdrossen sind.

  • Bei uns bekommen Betrüger eine Mega-Pension und die Plitik schaut einfach weg; geprellte PKW-Käufer werden sich ihrem Schicksal überlassen, wenn verlogene Autofirmen die Schrottwagen einfach nicht zurücknehmen.

    Es bleibt zu hoffen, dass in den USA die Strafe für VW noch höher ausfällt.

    Wenn wundert es dann noch, dass die Bürger politikverdrossen sind.

  • Betrüger gehören ins Gefängnis. Zum Glück gibt es die USA und die freien Gerichte dort. In der EU ist es nicht üblich Straftäter zu bestrafen, kann es sein, daß man deshalb erstaunt ist ?

  • @ Herr Berger: Protektionismus funktioniert grundsätzlich in beide Richtungen, was dann im Zweifelsfall eben auch die Exporte der USA erschweren wird. Deutschland mit seinem beständigen Exportüberschuss wird immer ein Verlierer derartiger Szenarien sein. An dieser Stelle dann auch schönen Gruß an die AfD. Letztlich werden natülich alle verlieren, internationale Arbeitsteilung und internationaler Handel eingeschränkt werden. Die USA werden als "first mover" vielleicht kurzfristig profitieren, auf Dauer wird es aber auch dort abwärts gehen.

  • "US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange" ------ konnte den Vorstand von VW jedoch leider nicht verhaften, weil er -- vorsichtshalber --- an der letzten US-Autoschau nicht teilgenommen hat.
    Im übrigen wird sich ALLES schnell klären, wenn VW verstanden hat, dass unter Mr. Trump - entsprechend dem "America first" -- Autos, die in den USA verkauft werden, auch in den USA gebaut werden müssen. Leider ist damit auch der Verlust von Arbeitsplätzen in D verbunden.
    Linde wird D in Richtung USA verlassen und einige andere DAXE werden sicherlich demnächst auch den neuen "Zeitläufen" folgen.
    Wie sagte es Heinrich Heine : "Denk ich an D usw.usw......"
    Frage ? Wird unsere "Werteverteidigerin" an der Regierungsspitze in Berlin demnächst - in Zusammenhang mit Russland - auch in die "Trumpkurve" einfädeln oder lieber noch zusätzlich auf Syriensanktionen drängen, was dann der Wirtschaft in D natürlich sehr gefallen dürfte ??

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