Dieselskandal Verdunklungsgefahr – Audi-Chef Stadler in Untersuchungshaft

Der im Dieselskandal unter Druck stehende Audi-Chef wurde am Montag verhaftet. Der VW-Konzern dürfte noch heute Konsequenzen ziehen.
Update: 18.06.2018 - 17:15 Uhr 3 Kommentare

Tatverdacht Betrug: Was wusste Audi-Chef Stadler vom Diesel-Schummel?

DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft München II hat Audi-Chef Rupert Stadler am Montagmorgen an seinem Wohnsitz vor den Toren von Ingolstadt festgenommen. Grund ist laut Staatsanwaltschaft Verdunklungsgefahr im Dieselskandal. „Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Sprecher von Volkswagen und Audi bestätigten die Festnahme. Für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Bei der Haftrichterin machte Stadler laut Staatsanwaltschaft keine Angaben zur Sache. Seine Vernehmung soll spätestens am Mittwoch beginnen.

Die Ermittler hatten offenbar Hinweise darauf, dass Stadler auf andere Verfahrensbeteiligte einwirken würde. „Wir hatten die Sorge, dass dies unmittelbar bevorstand und mussten deshalb schnell handeln“, so ein Sprecher der Behörde.

Tatverdacht: Betrug

Nach Handelsblatt-Informationen hatten die Ermittler Telefonate abgehört. Ähnlich wie zuvor schon bei dem früheren VW-Topmanager Wolfgang Hatz, der seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt, ging es bei Stadler offenbar um eine Kontaktaufnahme mit Zeugen sowie möglicherweise auch Mitbeschuldigten.

Der Tatverdacht sei weiterhin Betrug an Audi-Kunden und -Händlern in Europa durch den Verkauf von manipulierten Dieselfahrzeugen. Stadlers Verteidiger war für eine Anfrage bisher nicht zu erreichen.

„Die Staatsanwaltschaft in München will den Druck auf das Unternehmen erhöhen“, hieß es in Wolfsburger Konzernkreisen zur Festnahme des Audi-Chefs. Bei Volkswagen und Audi solle die Dieselaffäre zügiger und schneller aufgearbeitet werden. Außerdem steht noch eine weitere Geldbuße gegen den Volkswagen-Konzern im Raum.

VW hatte sich in der vergangenen Woche bereiterklärt, wegen der Dieselaffäre und der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Braunschweig eine Milliarde Euro an das Land Niedersachsen zu zahlen. Ähnliches könnte auch in München passieren, wo die Staatsanwälte wegen der Dieselaffäre gegen Audi ermitteln.

Am vergangenen Montag hatte die Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, dass sie nun auch gegen Stadler und ein weiteres Vorstandsmitglied ermittelt werde. Ihnen werde „Betrug und mittelbare Falschbeurkundung“ vorgeworfen. Bei beiden wurden auch die Privatwohnungen durchsucht.

Nach Recherchen des Handelsblatts liegen den Staatsanwälten schon länger zahlreiche Unterlagen vor, die darauf hindeuten, dass Stadler von den Manipulationsvorgängen gewusst haben müsste – und sie als Unternehmenschef vielleicht sogar billigte. Nun kommt offenbar noch hinzu, dass Stadler trotz Kenntnis der Manipulationen – zumindest in Europa – weiter Pkw verkaufen ließ.

Volkswagen-Aufsichtsrat tagt heute

Stadler, der Audi seit 2007 lenkt, steht seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor mehr als zweieinhalb Jahren massiv unter Druck. Der Fall steht heute auch auf der Agenda des VW-Aufsichtsrats, wie ein Konzernsprecher bestätigte. Aus dem direkten Umfeld des Aufsichtsrats verlautet, dass nun kaum vorstellbar ist, dass die Konzernspitze weiter an Stadler festhält.

Diese Entscheidung könne jetzt auch sehr schnell getroffen werden. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, will Audi noch am Montag einen neuen Interimschef benennen. Wer den Posten übernehmen soll, ist allerdings noch offen. Nach Handelsblatt-Informationen hat sich der Beginn der Sitzung des VW-Aufsichtsrats auf 15 Uhr verschoben.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittsforderungen laut geworden.

Die Festnahme Stadlers hat auch die Aktionäre des Mutterkonzerns Volkswagen beunruhigt. Die Aktien bauten ihre Verluste nach dem Bekanntwerden des Haftbefehls aus und gaben 3,7 Prozent auf 155 Euro nach. Damit waren sie mit Abstand der größte Verlierer im Leitindex Dax.

Mitarbeit: René Bender, Martin Murphy, Lars Ophüls und Julia Rotenberger. Mit Material von Reuters und dpa.

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3 Kommentare zu "Dieselskandal: Verdunklungsgefahr – Audi-Chef Stadler in Untersuchungshaft"

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  • Die Staatsanwaltschaften in Niedersachsen und in Bayer machen es richtig, wenn sie dem Legalitätsprinzip folgen. Denn sie stellen das Vertrauen von durch VW und Audi geschädigten Käufern wieder ein Stück weit her. Vorstandsmitglieder der deutschen Automobilhersteller haben sich mit Wissen und Wollen der Verkehrsminister der Regierung Merkel bedauerlicherweise zu wahren Straftätern mausern können. Vor den Zivilgerichten ist es inzwischen eine ausgemachte Sache, daß Käufer eines PKW mit illegaler Abschalteinrichtung in sittenwidriger Weise geschädigt worden sind und ihnen daher ein Schadensersatzanspruch gemäß § 826 BGB zusteht.

  • Da wird im Text wieder von Schummelsoftware gesprochen.
    Das ist eine Betrugs-Software mit der Kunden betrogen wurden.

  • Da freut sich jetzt aber nicht wirklich irgend jemand darüber.
    Ich jedenfalls hab kein gutes Gefühl im Bezug auf Deutschland,
    ... es fehlt so langsam eine Art Vernunft und Angemessenheit.

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