Dieselskandal Von den ersten Vorwürfen bis zur Verhaftung Stadlers – die Chronik des Audi-Krimis

Es ist der vorläufige Höhepunkt im Dieselskandal: Audi-Chef Rupert Stadler sitzt in Untersuchungshaft. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.
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Tatverdacht Betrug: Was wusste Audi-Chef Stadler vom Diesel-Schummel?

DüsseldorfMit Rupert Stadler ist im Dieselskandal erstmals ein aktiver Vorstandschef verhaftet worden. Stadler hat bislang jede Beteiligung an den Abgas-Manipulationen bestritten. Doch bereits in den vergangenen Tagen haben die Ermittler den Druck auf den seit 2007 amtierenden Audi-Chef erhöht. Eine Rekonstruktion.

18. September 2015: Die US-Umweltbehörde EPA informiert Volkswagen erstmals, dass sie dem deutschen Konzern illegale Abgasmanipulation und Verstöße gegen den Clean Air Act vorwirft. Demnach hat VW eine Abschalteinrichtung in der Motorensteuerung von 11 Millionen Diesel-Autos verwendet, um die US-Abgasnormen zu umgehen.

2. November 2015: Die Vorwürfe erreichen Audi: Die Ermittler haben die Abschalteinrichtung auch bei Drei-Liter-Dieselmotoren nachgewiesen, die bei Audi entwickelt wurden. Wenige Wochen später muss der damalige Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg gehen. Einige Audi-Führungskräfte, die im Zuge des Dieselskandals gehen mussten, belasten Stadler schwer. Die VW-Tochter gilt seither als Keimzelle des Dieselskandals.

22. Januar 2018: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet den Rückruf von weltweit 127.000 Autos an.

18. April 2018: 200 Ermittler und Staatsanwälte durchsuchen den Porsche-Firmensitz, das Entwicklungszentrum in Weissach sowie zwei Audi-Standorte. Der Verdacht: Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner soll eine Präsentation für die US-Umweltbehörde EPA manipuliert haben – zusammen mit Stadler. Der Audi-Chef rückt weiter in den Fokus, doch noch halten sich die Behörden zurück.

8. Mai 2018: Audi muss Produktion und Auslieferung von zehntausenden A6- und A7-Modellen stoppen.

9. Mai 2018: Stadler muss sich auf der Audi-Hauptversammlung den Aktionären stellen – und räumt schwere Fehler ein. Es sei versäumt worden, einen Software-Baustein für die Motorsteuerung bei jetzt auslaufenden A6- und A7-Modellen zu entfernen. Ein Rückschlag, „wo man sich fragt, warum wird dieser Fehler erst jetzt entdeckt“, sagt Stadler – und bekräftigt: „Die Dieselkrise ist für uns noch nicht abgeschlossen“.

6. Juni 2018: Das KBA ordnet den Rückruf von weiteren weltweit jenen 60.000 Audi-Modellen an, deren Auslieferung die VW-Tochter bereits im Mai gestoppt hatte.

11. Juni 2018: Die Schlinge zieht sich immer enger: Die Staatsanwaltschaft München gibt bekannt, dass sie nun auch Stadler selbst als Beschuldigten im Dieselskandal führt. Die Ermittlungen werden ausgeweitet, auch Stadlers Privatwohnung wird durchsucht. Der Vorwurf: Stadler soll daran mitgewirkt haben, dass Händlern und Kunden in Europa wissentlich manipulierte Fahrzeuge verkauft wurden – auch nach Bekanntwerden des Dieselskandals. Audi betont, man kooperiere „vollumfänglich“ mit den Behörden.

14. Juni 2018: Die Ermittlungen gegen Stadler beschäftigen den VW-Aufsichtsrat. Eigentlich wurde die Sitzung des Kontrollgremiums anberaumt, um das Milliarden-Bußgeld gegen VW zu diskutieren. Doch man beriet auch die Personalie des Audi-Chefs. Das Ergebnis: Stadler soll bleiben. „Die Familie mit Wolfgang Porsche an der Spitze hat sich hinter ihn gestellt“, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrates.

17. Juni 2018: Weitere Rückrufe drohen: Das KBA untersucht das neueste Modell der Oberklasse-Limousine A8 auf illegale Abschalteinrichtungen. Mittlerweile hat die Behörde für weltweit mehr als 200.000 Audi-Fahrzeuge Rückrufe angeordnet.

18. Juni 2018: Es ist der vorläufige Höhepunkt im Dieselskandal bei Audi: Die Münchner Staatsanwaltschaft lässt Stadler an seinem Wohnsitz bei Ingolstadt festnehmen. Die Ermittler fürchten Verdunklungsgefahr – es gebe Hinweise darauf, dass Stadler auf versuchen könnte, Beteiligte im Dieselskandal in seinem Sinne zu beeinflussen.

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