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Dieselskandal Wie Audi von der Perle des VW-Konzerns zum Problemfall wurde

Der Dieselskandal hat das Image der Premium-Marke von VW mächtig ramponiert. Doch die Ursachen für den Absturz von Audi reichen weiter zurück.
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Auch 2018 blieb der Autobauer weit hinter seinen Zielen zurück. Quelle: dpa
Audi

Auch 2018 blieb der Autobauer weit hinter seinen Zielen zurück.

(Foto: dpa)

IngolstadtEinst war Audi die Perle im großen Reich des VW-Konzerns. Nur zehn Jahre haben die Ingolstädter gebraucht, um ihren Absatz zu verdoppeln. 2016 knackte man die Marke von zwei Millionen Fahrzeugen – doch seitdem brechen die Absätze ein und die Renditen weg.

Der Dieselskandal hat das Image der Marke ramponiert. Der Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ verfängt nicht mehr, Audi liegt mittlerweile abgeschlagen hinter den Konkurrenten Daimler und BMW.

Die Misere der stolzen Ingenieure aus Ingolstadt ist auf den ersten Blick überraschend. Als Teil des VW-Netzwerks kann Audi theoretisch von den riesigen Synergien des weltgrößten Autokonzerns profitieren, schneller entwickeln, billiger einkaufen und effizienter produzieren. Doch in fast allen Kategorien liegt Audi hinter BMW und Mercedes.

Dabei sind die Ursachen für den Absturz der Edelmarke schon seit Längerem im Unternehmen angelegt. Audi war in der Vergangenheit eine Machtmaschine geprägt von autoritären Granden wie Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn. Es dominierten die Techniker und Entwickler, die für sich eine Sonderrolle im Unternehmen beanspruchten. Gegen deren Willen konnte sich der langjährige Vorstandschef Rupert Stadler nicht durchsetzen.

Mit fatalen Folgen: Über Jahre hinweg manipulierten Ingenieure – ungehindert von der Chefetage – Emissionswerte von Dieselfahrzeugen. Nur auf dem Teststand hielten die Autos die gesetzlichen Richtwerte ein, im Normalbetrieb gingen die Abgase mitunter ungefiltert in die Umwelt. Audi ist die Keimzelle von des als „Dieselgate“ berüchtigten Skandals, der den Mutterkonzern VW bislang 28 Milliarden Euro kostete.

Auch nach dem Herbst 2015 wirkte die Vergangenheit bei Audi weiter fort. Ex-Chef Rupert Stadler vertraute dem Vernehmen nach nur wenigen Menschen, kritische Stimmen soll er über die Jahre immer weniger wahrgenommen haben. „Das Problem von Audi ist die Firmenkultur, die ist zu wenig offen“, berichtet ein Manager.

Stadler scheiterte an der Aufklärung des Skandals und wurde im Juni 2018 sogar in Untersuchungshaft genommen. Seitdem leitete Marketingvorstand Bram Schot das Unternehmen zunächst kommissarisch, seit Dezember ist der Niederländer offiziell Vorstandsvorsitzender.

VW-Topmanager sind tief verärgert

Die Probleme werden nicht kleiner: Die Audi-Ingenieure haben es nicht geschafft, die Modellpalette auf das gesetzliche Testverfahren WLTP auszurichten. Die Behörden gaben Dutzende Modelle nicht frei. Audi musste Ende 2018 seine Produktion massiv drosseln. Folge: Auch 2018 blieb Audi weit hinter seinen Zielen zurück.

So wurde aus der Erfolgstochter Audi für VW ein Sorgenkind. Beim Mutterkonzern sind viele Topmanager tief verärgert über die Audi-Mannschaft. In Wolfsburg hatte man mit den Milliarden der Tochter gerechnet, um die finanziellen Folgen des Dieselskandals abzufedern und die gigantischen Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren stemmen zu können.

Den Wettbewerbern BMW und Daimler haben die Ingolstädter erst einmal wenig entgegenzusetzen. Bram Schot nimmt die Konkurrenten als Vorbild. Die bauen nicht mehr alle Komponenten selbst und haben ihre Logistik und andere Dienstleistungen an Dritte ausgelagert. Darüber müsse man auch bei Audi reden, sagte Schot dem Handelsblatt.

Insgesamt muss er bis zum Jahr 2022 rund 15 Milliarden Euro einsparen. Schot hat immerhin eine Idee, wie er die Lücke zum Wettbewerb schließen kann. Er setzt dabei auf die schnelle Umstellung von Verbrennermotoren auf E-Antriebe. Da sieht er Audi vorne. „Die Elektrifizierung kommt schneller als gedacht, und wir müssen entschlossen diesen Weg gehen“, sagte er. Halbe Sachen gebe es mit ihm nicht.

Mehr: Fast zehn Jahre trickste Audi bei den Abgaswerten seiner Dieselautos. Wie die große Täuschung gelang und welche Rolle Ex-Chef Stadler spielte, haben unsere Autoren in einer Chronik zusammengefasst.

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