Dieselskandal Wie Daimlers Abschaltvorrichtungen Abgase sauber tricksen

Daimler soll Software genutzt haben, um Abgaswerte zu schönen. Rechtlich ist das eine Grauzone. Was der Konzern gemacht hat – und was ihn erwartet.
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Autobauer Daimler hat nach Ansicht des Kraftfahrt-Bundesamtes beim Transporter-Modell Vito eine illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung verwendet. Quelle: dpa
Transporter Mercedes Vito

Autobauer Daimler hat nach Ansicht des Kraftfahrt-Bundesamtes beim Transporter-Modell Vito eine illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung verwendet.

(Foto: dpa)

MünchenWas ist eine Abschalteinrichtung, und wann ist sie illegal? Seit Beginn der Abgasaffäre streiten Behörden und Autohersteller, Juristen und Techniker über diese Frage. Die Antwort entscheidet über milliardenschwere Bußgelder und über das Schicksal von Karrieren – vom Ingenieur bis zum Vorstandsvorsitzenden.

Eine Abschalteinrichtung ist eine Softwarefunktion in der Motorsteuerung, die das Aussetzen der Abgasreinigung ermöglicht. In den USA und in der EU sind solche Programme grundsätzlich illegal. Aus Erfahrungen mit der Lkw-Industrie wissen die Behörden schon seit Jahren: Wenn es irgendwie geht, versuchen die Hersteller, die teure Filterung insbesondere von Stickoxiden zu umgehen.

Während die US-Behörden keine Ausnahmen zuließen, war man in der EU großzügig. Zwar sah die EU-Verordnung strenge Grenzwerte vor, doch sie hatte große Hintertüren. Drohte der Motor Schaden zu nehmen oder ließen ungünstige Außentemperaturen eine Filterung nicht zu, durfte die Industrie nach ihrer Lesart die Filterung drosseln. Eindeutig verboten war der Weg von VW: Die von den Wolfsburgern und ihren Töchtern verwendete Prüfstandserkennung sorgte dafür, dass die Abgaswerte nur im Labor, aber nie auf der Straße stimmten.

Alle anderen Hersteller, auch Daimler, haben in Europa die rechtlichen Grauzonen von „Bauteilschutz“ und „Thermofenster“ genutzt. Kaum eine Behörde prüfte die Angaben der Industrie nach. Um ganz sicherzugehen, ließen einige Hersteller ihre Autos in Malta zertifizieren. Im fernen Valetta stellte man offenbar besonders wenige Fragen.

Doch mit Bekanntwerden des VW-Skandals hat sich der Wind gedreht, auch Staatsanwälte ermitteln und wittern Betrug. Zudem setzen die hohen Stickoxidwerte in den Städten die Politik unter Druck Fahrverbote zu verhängen. Die Politik hatte immer gehofft, dass mit jedem neuen Diesel, der auf dem Papier sauber ist, auch die Stickoxidwerte an den Messstationen sinken. Doch sie wurde enttäuscht: Wegen der oben geschilderten Ausnahmen muss ein neuer Diesel nach Euro-6-Norm nicht sauberer sein als ein Euro 5 oder 4.

Nun wird auch in Berlin genauer hingeschaut, und es trifft Daimler besonders hart. Per amtlich verordnetem Rückruf muss der Konzern jetzt aus fast 800.000 Autos die Abschalteinrichtungen entfernen. Betroffen sind der Transporter „Vito“, der Geländewagen GLC und die populäre C-Klasse.

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