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Digitale Fabrik Siemens macht bei 5G in den eigenen Fabriken Tempo: „Wir wollen Vorreiter sein“

Der Technologiekonzern beantragt Lizenzen für die eigenen Fabriken – und eröffnet mit Qualcomm das erste private 5G-Netz in einer Industrieumgebung.
Update: 26.11.2019 - 16:15 Uhr Kommentieren
Siemens macht mit Qualcomm bei 5G-Netz in den Fabriken Tempo Quelle: Imago
Siemens-Zentrale in München

Die Digitalen Industrien sind neben der Industriellen Infrastruktur und der Bahntechnik das Kerngeschäft der künftigen Siemens AG.

(Foto: Imago)

München Der Siemens-Konzern will möglichst rasch die Mobilfunktechnik 5G in seinen eigenen Fabriken und bei Kunden installieren. „Wir wollen als Vorreiter in unseren eigenen Fabriken in Leuchtturmprojekten zeigen, was technologisch möglich ist“, sagte Industrie-Vorstand Klaus Helmrich dem Handelsblatt.

Man sei gerade dabei, bei der Netzagentur den Antrag für 5G-Lizenzen für alle sechs Siemens-Fabriken des Bereichs Digitale Industrien in Deutschland zu beantragen. Bei den Kunden werde man 2020 die ersten Pilotprojekte sehen.

Am Dienstag startete Siemens gemeinsam mit dem Kooperationspartner Qualcomm in Nürnberg das laut Firmenangaben „erste eigenständige private 5G-Netz in einer realen industriellen Umgebung“. Das 5G-Netz ist in einem Automotive Showroom und Testcenter installiert. Hier werden fahrerlose Transportsysteme gezeigt, die vor allem in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen.

„5G ermöglicht die nächste Stufe der Flexibilisierung und der Effizienzsteigerung in den Fabriken“, sagte Helmrich. Mit dem neuen Mobilfunkstandard sollen Anlagen und Maschinen in den Fabriken vernetzt und gesteuert werden. Dabei soll es sogenannte Campus-Netze auf den Firmengeländen geben.

Auch andere deutsche Konzerne positionieren sich für das 5G-Zeitalter. So stellte Bosch am Dienstag eine 5G-fähige Automatisierungsplattform vor. Mit der ctrlX Automation von Bosch Rexroth sollen viele Geräte in der Industrie mit dem neuen Kommunikationsstandard verbunden werden. „5G ist eine Revolution und ein wichtiger Baustein für die Fabrik der Zukunft“ sagte Bosch-Geschäftsführer Rolf Najork.

Betriebssystem und Software der neuen Steuerung seien von Beginn an 5G-kompatibel. Damit könnten auch ältere Maschinen im Bestand mit Retrofit-Lösungen nachgerüstet werden.

Bosch testet die neue Technologien ähnlich wie Siemens zunächst in den eigenen Werken. Dafür wurden ebenfalls 5G-Lizenzen bei der Bundesnetzagentur beantragt. Auf der Hannover Messe hatte der Konzern mit ActiveShuttle ein erstes 5G-fähiges autonomes Transportsystem vorgestellt.

In Deutschland hat die Bundesnetzagentur insgesamt 100 Megahertz Bandbreite für die lokale Nutzung, vor allem in Industrieumgebungen, reserviert. Die Industriefirmen können eigene Lizenzen beantragen oder mit einem Provider wie der Deutschen Telekom zusammenarbeiten.

Für die eigenen Werke beantragte Siemens Lizenzen. „Die Preissetzung macht das Thema 5G hochattraktiv“, sagte Helmrich. So seien für 10.000 Quadratmeter und eine Bandbreite von 60 Megahertz bei einem langfristigen Vertrag nur 120 Euro im Jahr fällig. Bei den Kunden werde man aber nicht als Provider auftreten, betonte Helmrich.

Kooperation mit der Telekom

Vor wenigen Tagen hatte Nokia angekündigt, Campus-Netze für deutsche Mittelständler anzubieten. Dabei beschränke sich das Angebot nicht nur auf die Netzplanung. Nokia könne auch den Betrieb von Netzen bei Unternehmen in Deutschland übernehmen. In Deutschland gebe es bereits Anfragen von rund zehn Unternehmen, sagte Nokia-Manager Martin Beltrop dem Handelsblatt. „Wir gehen auf die Wünsche unserer Kunden ein.“

Die Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica hatten sich klar gegen firmeneigene 5G-Netze ausgesprochen. Für sie ist das Geschäft mit Firmenkunden ein wichtiges Element, um die großen Ausgaben für den Netzausbau wieder einzuspielen. Sie haben Sorge, dass ihnen ein lukratives Geschäft verloren geht, wenn Firmen im großen Stil ihre eigenen Netze errichten.

Siemens hatte kürzlich eine Kooperation mit der Deutschen Telekom in Sachen 5G verkündet. Laut Industriekreisen geht es aber nicht um eine exklusive Partnerschaft – die Kunden von Siemens können also frei wählen, mit welchem Provider sie zusammenarbeiten.

Auch die nun verkündete Kooperation ist eine Technologiepartnerschaft, wie sie heute zwischen vielen Unternehmen in der Branche geschlossen wird. Qualcomm installierte in Nürnberg in weniger als drei Wochen das 5G-Testsystem. Siemens steuerte unter anderem die Simatic-Steuerungen und Software bei. Ziel sei es, die neue Technologie unter realen Bedingungen zu testen und Lösungsansätze zu erarbeiten.

„Dieses Projekt erschließt uns wichtige Erkenntnisse aus der realen Welt, die beide Unternehmen in zukünftigen Anwendungen einsetzen können, und ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der 5G-Technik in die Industrieautomatisierung“, sagte Qualcomm-Manager Enrico Salvatori. Siemens sieht sich bei der weiteren Digitalisierung der Fabriken in einer guten Ausgangslage.

Die Münchener sind Weltmarktführer bei Industrieautomatisierung und bei Industriesoftware. Helmrich ist zuversichtlich, dass die Kunden auch im Konjunkturabschwung in neue Technologien investieren werden: „Natürlich werden manche Kunden weniger in Kapazitätserweiterungen investieren. Doch es wird weiter in das investiert, was die Fertigung flexibler und effizienter macht.“

Die Digitalen Industrien, die Helmrich führt, sind neben der Industriellen Infrastruktur und der Bahntechnik das industrielle Kerngeschäft der künftigen Siemens AG. Der Konzern spaltet im nächsten Jahr die Energiesparte ab, die bislang etwa 40 Prozent der Umsätze beisteuerte. Die Digitalen Industrien waren lange die Vorzeigesparte des Konzerns von Vorstandschef Joe Kaeser.

Allerdings reagiert die Sparte sensibel auf konjunkturelle Schwankungen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 (30. September) sanken die Auftragseingänge vergleichbar um vier Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite sank von 18,6 auf 17,9 Prozent.

5G-Start in Deutschland: Das kann der neue Mobilfunk

Mehr: Wenn sich Siemens 2020 aufspaltet, entsteht ein neuer Energie-Konzern. Der steht vor Herausforderungen – die Kraftwerkssparte kriselt seit Jahren.

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