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Dirk Abendroth Continental-CTO: „Wir werden im Bereich der Betriebssysteme eine große Rolle spielen“

Dirk Abendroth erklärt, warum Autohersteller bei Betriebssystemen mit Zulieferern zusammenarbeiten sollten – und warum Tech-Konzerne Konkurrenten und Partner zugleich sind.
17.06.2020 - 10:06 Uhr Kommentieren
Der Manager ist CTO bei Continental Automotive. Quelle: Continental
Dirk Abendroth

Der Manager ist CTO bei Continental Automotive.

(Foto: Continental)

Herr Abendroth, Tech-Konzerne drängen immer stärker ins Auto. Macht Ihnen das Angst?
Lange Zeit fanden die Verbraucherelektronik und das Autogeschäft in zwei getrennten Welten statt. Mittlerweile sehen wir, dass in einer vernetzten Welt diese beiden Bereiche verschmelzen. Unsere Aufgabe als Zulieferer ist es nun, die Kompatibilität herzustellen zwischen der Verbraucherelektronik und der Autoindustrie. Gerade in der Systemintegration dieser Aspekte besteht eine unserer Stärken.

Wie viele Software-Ingenieure bei Continental und der Software-Tochter Elektrobit beschäftigen sich mit dem Thema Autobetriebssysteme?
Bei Continental sind mehrere Tausend Software-Ingenieure mit dem Thema Betriebssystem und dem gesamten Software-Framework drumherum beschäftigt. Allein die Firma Elektrobit beschäftigt in diesem Bereich rund 3000 Mitarbeiter.

Google, Amazon und Co. sind reine Softwarekonzerne, haben mehr Software-Experten und verfügen darüber hinaus über riesige finanzielle Reserven. Glauben Sie wirklich, dass Zulieferer wie Continental beim Thema Autobetriebssysteme eine Rolle spielen können?
Ich bin mir sicher, dass Continental im Bereich der Betriebssysteme eine große Rolle spielen kann. Sie müssen sich nur vergegenwärtigen, wie groß und komplex das Thema allein schon aufseiten der Software ist. Wenn Sie das noch mal multiplizieren mit den Faktoren Datensicherheit und Verkehrssicherheit, bei der es um Leben und Tod gehen kann, dann können Sie sich vorstellen, dass die Autoindustrie beim Thema Software auf Kooperationen angewiesen ist.

Was macht Sie da so sicher?
Ein großer Teil der Autoindustrie kommt aus dem Mechanischen und Mechatronischen. Software-Architekturen und Software für ein Betriebssystem professionell zu entwickeln, ist ein ungleich komplexeres Thema. Man benötigt ein spezifiziertes Wissen über ganz bestimmte Software-Bausteine. Ein paar von diesen Bausteinen sind nicht differenzierend. Genau die können wir als Zulieferer in größerer Stückzahl und für einen besseren Preis herstellen. Auch die Integration der verschiedenen Software-Bausteine, die als Gesamtheit ein Betriebssystem bilden, ist ein Geschäftsbereich der Zulieferer. Und diesen Bereich werden wir da wo es passt, auch für uns beanspruchen.

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    Wie stehen Sie zu Kooperationen mit Tech-Konzernen?
    Die Verbraucherelektronik steckt nun im Auto und die Autoindustrie kann diese Verschmelzung nicht vermeiden oder rückgängig machen. Wir müssen uns mit den Stärken und Schwächen von diesen Playern auseinandersetzen und überlegen, wo unsere Möglichkeiten liegen mit diesen Unternehmen in den Wettbewerb zu treten und gleichzeitig Bereiche auszumachen, wo sich eine Zusammenarbeit mit ihnen lohnt. Sonst haben wir gar keine Chance, auf dem Markt zu bestehen.

    Gilt das auch für Sprachassistenten im Auto?
    Die Interpretation von Sprache kann ein wesentlicher Baustein der zukünftigen User Experience sein. Entscheidend für den Erfolg sind neben der Technologie selbst vor allem die Integration in das Gesamtsystem. Die großen Verkaufsplattformen verfügen über enorme Datenmengen und können daraus erhebliche Lernerfolge für die Algorithmen erzielen. Sie haben jahrelange Erfahrungen mit guter Cloud-Infrastruktur und verfügen über sehr große Ressourcen und konnten in der aktuellen Krise im Unterschied zur Automobilindustrie ihre Position sogar noch stärken.

    Herr Abendroth, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Amazon und Google drängen ins Auto

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