DMG Mori Ein Porsche aus dem 3D-Drucker

Europas größter Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori glänzt mit einem Rekordergebnis. Doch die Prognose für das laufende Jahr fällt verhalten aus. Hoffnung setzt Konzernchef Rudiger Kapitza auf ein spezielles Verfahren.
Europas größter Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, früher Gildemeister, setzt auf neue Verfahren. Quelle: dpa
DMG Mori

Europas größter Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, früher Gildemeister, setzt auf neue Verfahren.

(Foto: dpa)

FrankfurtSilbrig-grau glänzt das filigran verzweigte Werkstück, zentraler Bestandteil des Lenksystems eines Porsche-Rennwagens 919. Noch wird das gute Stück aus Knet-Aluminium im Druckgussverfahren hergestellt, doch in wenigen Monaten schon soll es aus dem 3D-Drucker kommen. Additive Fertigung heißt das Verfahren, wenn ein Laser unter hohen Temperaturen Granulat auf Eisen-, Aluminium- oder Titanbasis zu einem komplexen Ganzen verschmilzt. Europas größter Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori, früher Gildemeister, setzt noch was drauf, wenn das Werkstück anschließend in der gleichen Maschine gefräst, gebohrt und anderweitig bearbeitet werden kann.

„Früher hat so ein Vorgang von der Idee bis zur Fertigung schon mal sechs Wochen und länger gedauert“, sagte Vorstandschef Rüdiger Kapitza am Donnerstag in Frankfurt. „Heute erstellen Sie die Konstruktion bis mittags am Computer und können das fertige Werkstück abends in die Hand nehmen.“

Der Bereich additive Fertigung ist die am stärksten wachsende Sparte des Maschinenbauers mit Wurzeln im ostwestfälischen Bielefeld. Rund 70 Millionen Euro betrug hier der Umsatz 2015, im laufenden Jahr sollen es schon rund 100 Millionen sein. „Sehr profitabel“, sei der Bereich ohnehin, sagt Kapitza.

Das sind die deutschen Patentkönige
Platz 12: Continental
1 von 12

Insgesamt 14.801 Patente wurden im Jahr 2015 durch das deutsche Patent und Markenamt erteilt. Die zwölftmeisten davon erhielt Continental, 172 Stück. Kein Wunder, die Top 50 der Patentanmelder in Deutschland wird durch Firmen der Automobil-, der Zulieferer-Industrie und durch deutsche Firmen dominiert.

Quelle: Ifi Claims, Patent Services/Fairview Research

Platz 11: Mitsubishi
2 von 12

Auch die Japaner sind prominent vertreten, insgesamt kommen acht Unternehmen unter die Top 50 – und drei unter die Top zwölf. Den Anfang macht der Automobilkonzern Mitsubishi, ihm wurden 2015 in Deutschland 175 Patente bewilligt.

Platz 10: Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung Angewandter Forschung
3 von 12

Den Auftakt in den Top Ten macht die Fraunhofer-Gesellschaft, Europas größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung. 2015 ließ der gemeinnützige Verein sich 220 Entwicklungen patentieren.

Platz 9: Infineon
4 von 12

Im Gesamtranking auf Platz neun führt Infineon eine andere Bestenliste sogar an: Der Chiphersteller erhielt die meisten Patente für Entwicklungen in der Halbleitertechnik – in Deutschland der technische Bereich mit den zweitmeisten Patenten überhaupt. Insgesamt gab es für Infineon 225 neue Patente.

Platz 8: Toyota
5 von 12

Die gewichtige Rolle der Automobilindustrie wird in Deutschland vor allem in der Top Ten der Patente deutlich. Sieben von zehn Unternehmen sind im Sektor Autobau oder -zulieferung tätig. Der japanische Fahrzeug-Gigant Toyota ließ im letzten Jahr 231 Entwicklungen patentieren.

Platz 7: Denso
6 von 12

Mit Denso auf Platz sieben ist denn auch ein Automobilzulieferer der japanische Konzern mit den meisten neuen Patenten in Deutschland 2015. Der Experte für Automobilelektronik und -mechatronik ließ 2015 240 Entwicklungen schützen.

Platz 6: VW
7 von 12

Noch einmal zwei Patente mehr, 242, sicherte sich im letzten Jahr der Volkswagen-Konzern. Eine wichtige Rolle spielt in Deutschland auch der Umweltschutz: „Technologien zur Klimaveränderung im Bereich Transport und Verkehr“ werden am dritthäufigsten zum Patent angemeldet. Die besondere Stellung wird klar beim Blick auf die USA: Hier liegen Technologien zum Klima- und Umweltschutz nur auf Platz 18.

Die Maschinen für 2016 sind bereits ausverkauft. Werkstücke aus dem 3D-Drucker erobern immer mehr Industriebereiche. Die Qualität ist in Teilen sogar schon höher als die aus klassischen Produktionsverfahren. Die Anwendungsbereiche: Überall dort, wo geringes Gewicht bei hoher Festigkeit benötigt wird – und schnell geliefert werden muss, weil sich die Konstruktion immer wieder ändert. Die Kunden kommen aus der Luft- und Raumfahrt – und zunehmend auch aus der Autoindustrie.

Die Sportwagenabteilung von Porsche, die den 919 fit für die Langstrecken-Prüfung in Le Mans macht, ist für die Ingenieure von DMG Mori ein interessanter Sparring-Partner: „Wir lernen unheimlich viel aus der Kooperation“, sagt Kapitza. Selbst sicherheitsrelevante Teile eines Flugzeuges, ist sich Kapitza sicher, werden in fünf Jahren aus dem 3D-Drucker kommen. „Die Lasertechnik entwickelt sich unheimlich schnell.“ Schon jetzt rechne sich eine 3D-Fertigung bis zu einer Größenordnung von bis zu 100 Stück. Das mache das Verfahren mehr und mehr auch für Premiumanbieter aus der Autoindustrie interessant. „Selbst der Bau von Motoren ist irgendwann vorstellbar", sagt der DMG Mori-Chef.

Mit 3D-Druck und dem Ausbau der industriellen Dienstleistungen will sich DMG Mori noch stärker als bisher den konjunkturellen Zyklen der Werkzeugmaschinenbranche entziehen. Schon jetzt gelingt das vorzüglich: Der Konzern, an dem der japanische Partner DMG Mori inzwischen gut 60 Prozent der Anteile hält, legte für 2015 das beste Ergebnis der 147-jährigen Firmengeschichte vor: Der Umsatz erreichte 2,3 Milliarden Euro (plus drei Prozent), das Ergebnis vor Steuern 217 Millionen, ein deutlicher Zuwachs von einem Viertel. Allerdings sind Sondereffekte dafür verantwortlich. Dabei war Kapitza zu Jahresanfang noch skeptisch gewesen, ein weiteres Rekordjahr anschließen zu können.

„Die Chinesen wollen Hightech-Maschinen“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: DMG Mori - Ein Porsche aus dem 3D-Drucker

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%