Donald Trumps Handelspolitik Deutsche Autobauer warnen US-Präsident vor Protektionismus

Die deutsche Automobilindustrie hat die USA erneut vor Handelsbeschränkungen gewarnt. Mit dem Aufbau von Zöllen oder Importsteuern würde sich das Land langfristig ins eigene Fleisch schneiden.
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Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) warnt Donald Trump vor Handelsbeschränkungen. Quelle: dpa
Matthias Wissmann

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) warnt Donald Trump vor Handelsbeschränkungen.

(Foto: dpa)

HamburgDie deutsche Automobilindustrie hat die USA erneut vor Handelsbeschränkungen gewarnt. „Sollte es zu Einschränkungen des Nafta-Raumes kommen, so würden sie zunächst der US-Wirtschaft einen deutlichen Dämpfer geben“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Mittwoch in Berlin nach entsprechende Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Aber auch der internationale Handel wäre betroffen. Wissmann hob die Bedeutung der deutschen Autobauer und ihrer Zulieferer für die amerikanische Wirtschaft hervor. Mehr als die Hälfte der von ihnen in den USA produzierten 850.000 Fahrzeuge werde exportiert. Mit dem Aufbau von Zöllen oder Importsteuern würden sich die USA langfristig ins eigene Fleisch schneiden.

„Wer nur auf die automobile Handelsbilanz schaut, sieht nicht das gesamte Bild“, betonte Wissmann. Aussagekräftiger sei der Blick auf die Marktanteile. So hätten die deutschen Hersteller in den USA einen Marktanteil von 7,6 (Vorjahr 8,0) Prozent. Umgekehrt seien die Tochterunternehmen von Ford und der Opel-Mutter General Motors seit vielen Jahrzehnten in Deutschland mit eigener Produktion präsent, ihr gemeinsamer Marktanteil sei hierzulande deutlich zweistellig. Gute Handelsbeziehungen seien von entscheidender Bedeutung für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze, betonte Wissmann. „Protektionismus hat noch nie dauerhaft ein wirtschaftliches Problem auf der Welt gelöst.“

GM-Chefin und Autobosse bei Trump
Autochefs zu Besuch im Weißen Haus
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Den zweiten Tag in Folge hat US-Präsident Donald Trump Konzernchefs ins Weiße Haus geladen. Am Dienstagvormittag traf er die Lenker von Autokonzernen – hier hilft Trump BM-Chefin Mary Barra in den Stuhl.

Mary Barra
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Die GM-Chefin steht wie andere Firmenchefs unter Druck, Produktionsstandorte im Land zu lassen. Trump hat zuletzt regelmäßig Unternehmen mit Strafzöllen gedroht, sollten sie Arbeitsplätze aus den USA verlagern und die im Ausland gefertigten Produkte dann importieren zu wollen.

Ford-Chef Mark Fields (r.)
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Den zweiten Tag in Folge kam Ford-Chef Mark Fields (r.) ins Weiße Haus. Er hatte bereits am Montag zu einer Runde von Vorstandschefs der fertigenden Industrie gehört, die bei Trump vorsprechen durften.

Treffen der Autochefs
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Im Vorfeld der Sitzung hatte Trump angekündigt, dass er neue Fabriken im Land wolle – um Autos zu bauen, die in den USA verkauft würden.

Sergio Marchionne
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Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne (rechts) gehörte ebenfalls zu den Gästen.

Mary Barra
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Die Gäste empfing Trump im Roosevelt Room in unmittelbarer Nähe zum „Oval Office“. In einem Interview hatte sich Trump vor wenigen Tagen gefragt, warum in den USA viele Mercedes verkauft würden, in Deutschland aber wenige Chevrolet aus dem GM-Konzern von Mary Barra (r.). Ein Grund: In Deutschland hat GM die Marke zugunsten von Opel weitgehend verschwinden lassen.

Donald Trump
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Trump erneuerte sein Versprechen, Regulierungsvorschriften zu reduzieren und sagte, dass Umweltschutz außer Kontrolle geraten sei.

US-Präsident Trump hatte die Autohersteller wegen ihrer Fabriken in Mexiko scharf angegriffen und mit einem Importzoll von 35 Prozent gedroht. Die drei großen US-Konzerne General-Motors, Ford und Fiat-Chrysler haben in den vergangenen Wochen die Schaffung von Arbeitsplätzen und Investitionen in den USA angekündigt. Zuletzt hatte Trump auch die deutschen Hersteller ins Visier genommen.

Mit Blick auf den von Großbritannien geplanten Austritt aus der Europäischen Union (EU) sagte der VDA-Chef, es müsse alles getan werden, um den ungehinderten Waren- und Dienstleistungsverkehr auch künftig zu ermöglichen. Zugleich müsse die EU die richtigen Schlüsse aus dem Votum der Briten ziehen. „Das gemeinsame Europa muss für seine Mitglieder attraktiver werden. Weniger EU-Regulierung ist jetzt mehr Europa"“ sagte Wissmann. Großbritannien ist das wichtigste Exportland für die deutsche Automobilindustrie.

  • rtr
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  • Trump ist ein Weckruf für die EU, endlich gemeinsame Antworten auf die weltpolitischen Veränderungen zu finden und schleunigst die Hausaufgaben zu erledigen! Nach dem Brexit drohen der EU weitere Spaltungen. Das wäre der endgültige Abgang von der internationalen Bühne. Nichts darf jetzt daher unversucht bleiben, um den Kontinent nachhaltig zu einen. Wenn Trump nur ein Drittel seiner Ankündigungen verwirklichen würde, wäre die Gefahr groß, dass er nicht nur Amerika wirtschaftlich schwächt, sondern auch eine global so vernetzte Wirtschaft wie die unsere gehörig durcheinander bringt. Die EU sollte mit einer Stimme sprechen und deutlich machen, welche Erwartungen sie an Amerika hat und welche Folterinstrumente sie selbst einsetzen könnte. Trump muss wissen, was für ihn auf dem Spiel steht. Je früher, desto besser. Trump braucht Gegenwind!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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