Dreistellige Millionenstrafe Das Badewannen-Kartell

Erneut greift die EU-Kommission beim Wettbewerbsrecht durch: Führende Anbieter von Badezimmer-Ausstattungen in Europa müssen für ein jahrelanges Kartell büßen. Auch deutsche Hersteller sind betroffen.
  • T. Ludwig, W. Gillmann, C. Weissenborn
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Auch Villeroy & Boch ist von der Kartellstrage betroffen. Quelle: dpa

Auch Villeroy & Boch ist von der Kartellstrage betroffen.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Bauunternehmen, Installateure und Familien - sie alle sind geschädigt worden, weil deutsche und internationale Sanitärfirmen ihre Kunden zwölf Jahre lang hinters Licht geführt haben. Zwischen 1992 und 2004 haben sie laut EU-Kommission untereinander die Preise für Kloschüsseln, Waschbecken, Armaturen und andere Badezimmerartikel abgesprochen. Heute verhängte die Behörde dafür Geldbußen von 622 Mio. Euro. Insgesamt hatten die Wettbewerbshüter gegen 17 Firmen ermittelt und bereits im November 2004 Geschäftsräume in ganz Europa durchsucht.

Unter ihnen sind die sechs deutschen Unternehmen Villeroy & Boch, Grohe, Duravit, Kludi sowie Dornbracht und Hansa. Die höchste Strafe brummte die Kommission mit 326 Mio. Euro dem amerikanischen Hersteller Ideal Standard auf. Villeroy & Boch steht mit 71,5 Mio. Euro an zweiter Stelle.

In Deutschland bedeutet der Bußgeldbescheid vor allem für den saarländischen Keramikhersteller Villeroy & Boch einen empfindlichen Schlag ins Kontor. Rückstellungen gebildet hat das Traditionsunternehmen nach eigenen Angaben noch nicht. Man wolle aber "eine angemessene Rückstellung im Halbjahresabschluss bilden", sagte eine Sprecherin. "Wir sind in der Lage ein Bußgeld in dieser Höhe zu finanzieren." Die Strafe entspricht mit 71,5 Mio. Euro einem Zehntel des Umsatzes und damit dem Höchstsatz, den die Wettbewerbshüter verhängen können. Der Aktienkurs des Traditionsunternehmens stürzte heute um bis zu 30 Prozent ab, die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei rund 72 Mio. Euro.

"Zutiefst entsetzt"

Man sei "zutiefst entsetzt" über die Tatsache und die Höhe des Bußgeldbescheids, sagte die Sprecherin. "Für die Sanitärkeramikmärkte sind der Kommission unzureichende Ermittlungen vorzuwerfen. Die behauptete Preiskoordinierung hat es nicht gegeben." Darüber, ob die Strafe in Raten abgestottert werden kann, wird entschieden, sobald dem Unternehmen die Begründung für den Bußgeldbescheid vorliegt.

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