Druck auf BMW Kampfansage gegen Zeitarbeit

Im Aufschwung setzen die Autobauer vermehrt auf Leiharbeiter und schlechter bezahlte Werkverträge. Nun bläst die IG Metall zur Attacke auf BMW, um die Zeitarbeit zu begrenzen. Doch in München traut man dem Boom nicht.
18 Kommentare
„Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, kritisiert die IG Metall. Quelle: dpa

„Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, kritisiert die IG Metall.

(Foto: dpa)

MünchenDer nasse Schnee klatscht den Marschierenden frontal ins Gesicht, aber trotz des widrigen Wetters hat die IG Metall 3000 Menschen auf die Straße gebracht. Die Forderungen für die neue Tarifrunde sind bekannt: 6,5 Prozent mehr Lohn, Übernahme der Auszubildenden. Richtig zum Kochen bringt die IG Metall aber ein anderer Punkt: die massive Zunahme von Leiharbeit und Werkverträgen in der Metallindustrie. „Wir wollen, dass in den Betrieben eine Belegschaft arbeitet“, sagt Jürgen Wechsler, Chef der IG Metall in Bayern. Werde dieser Punkt nicht gelöst, „werden wir nicht vom Verhandlungstisch aufstehen“.

Die Kampfansage vor den tollen Tagen gilt vor allem einem Unternehmen: BMW. Denn das Aufsichtsratsmitglied Wechsler und die IG Metall wollen den Autohersteller auf Linie bringen. Es geht um eine Begrenzung der Zeitarbeit. „Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, sagt Horst Lischka, der ebenfalls für die Metallgewerkschaft im Aufsichtsrat des Autobauers sitzt.

Der Konflikt zeichnet sich seit Monaten ab: Statt in der Produktion zusätzliches Personal fest einzustellen, setzen die Autohersteller im Aufschwung vermehrt auf Leiharbeiter und Werkverträge. Nach Angaben der IG Metall in Bayern kommen bei BMW in den deutschen Werken auf gut 70.000 Beschäftigte 11.000 Leiharbeiter und zusätzlich 3000 bis 5000 Werkverträge, die befristet und schlechter bezahlt sind. Konkurrent Audi setzt laut eigenen Aussagen hingegen nur 2500 Leiharbeiter ein und hat nach Schätzungen der Gewerkschaft ebenfalls 3000 bis 5000 Werkverträge.

BMW will auf Anfrage nicht beziffern, wie viele Leiharbeiter derzeit beschäftigt sind. „Zeitarbeit ist ein wichtiges Instrument, um uns die Flexibilität zu erhalten“, sagt ein Firmensprecher. So sei es mit Hilfe der Zeitarbeit gelungen, „in der Krise die Stammbelegschaft zu schützen und neue Arbeit zu schaffen“. Bezahlt werden die Leiharbeiter nach dem Grundtarif der Elektroindustrie, der allerdings meist die unterste Lohnstufe darstellt. Zusatzentgelte, Bonuszahlungen oder hausinterne Sozialleistungen bekommen die Leiharbeiter in der Regel nicht.

Zeit und Ort für die Attacke beim Thema Leiharbeit sind gut gewählt: Nirgendwo sonst in Deutschland ist die IG Metall in einer so guten Verhandlungsposition wie in Bayern. Die Arbeitslosigkeit ist gering, die bayerischen Autowerke laufen gut. BMW und Audi haben das Jahr 2011 mit Rekordzahlen abgeschlossen und laufen weiter unter Volldampf. Mit Umsatzrenditen jenseits der zehn Prozent verdienen die beiden Premiumhersteller so gut wie noch nie.

Leiharbeit schützt die Stammbelegschaft
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Druck auf BMW - Kampfansage gegen Zeitarbeit

18 Kommentare zu "Druck auf BMW: Kampfansage gegen Zeitarbeit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ihch kann meinen Vorrednern nicht zustimmen. Mitlgieder von www.Rekruteam.de legen ihren Mitgliedsausweis zu ihren Bewerbungen und verhandeln das Entgelt direktt mit den Unternehmen. Die Unternehmen können den Zeitarbeiter (m/w)
    ab einem Faktor von 1,94 bis 2,06 direkt bei
    Rekruteam "bestellen" - Also erfolgt hier eine Bezahlun auf der Basis "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"!

    Harald Joerke

  • "Kein Leiharbeiter kann sich BMW leisten!!!" Was für ein toller Vergleich, gerechte Bezahlung äußert sich doch nicht darin, ob ich mir das Produkt, an dessen Herstellung ich beteiligt bin, leisten kann. Oder kennt ihr jemand, der bei Siemens arbeitet, und sich von seinem Gehalt ein Atomkraftwerk kaufen kann!? Ich finde die Entwicklungen bei den Automobilherstellern was die Zahlen von Leiharbeitern einerseits und Bonuszahlungen andererseits (mich würde in diesem Zusammenhang noch interessieren, wieviel die Außertariflichen Angestellten an Boni kassieren. Aber das wird natürlich unter Verschluß gehalten, sonst hätten Audi, Mercedes & Co. ein Image wie Goldman Sachs und Konsorten)auch bedenklich, mindestens genauso bedenklich wie die Grammatik und der Inhalt mancher Kommentare hier. In diesem Sinne...

  • So lange die Leute dort für hunger lohn arbeiten und aber dagegen nix unternehmen. wird dieser Schweinerei auch ewig dauern. Kein Arbeiter, keine Produktion!!! kein Leiharbeiter kann sich BMW leisten!!! Was soll dieses gesülzte über Aufsichtrat, weg damit... Die Arbeit muss korrekt bezahlt werden und.

  • Exil hat völlg recht.
    Genau die Gewerkschaftler und Betriebsräte, die noch dazu im Aufsichtsrat sitzen und jahrelang zugeschaut haben, schreien heute. Die Betriebsräte stecken jedes Monat eine sogenannte Aufwandsentschäfigung ein. Für welchen Aufwand? Nicht einmal um die schwerbehinderten Menschen, die jahrzehnte lange über eine Werkstatt als Werksvertrag*'ler in der IT-Ecke arbeiten haben sie sich gekümmert.
    Wissende

  • 1. Weil BMW genau weiß, daß es kein ewiges Wachstum gibt und mit Leiharbeit das Fixkostenrisiko/Lohnrisiko/Kündigungsrisiko jahrelang (manche arbeiten dort schon seit 10 Jahren) auf miese Zeitarbeitsfirmen auslagert wird. Kommt der große Knall ist BMW fein aus dem Schneider und der Staat muß dem nun arbeitslosen und nicht mehr vermittelbaren Leiharbeiter, staatliche Hilfe leisten (z.B. Hartz IV, miese Rente und Ähnliches), welches die breite Masse, nämlich alle Sie als Bürger, dann abträgt. So unterläuft man zudem mit Deckung der Politik unser staatliches Umlageprinzip und auch die Sozialversicherung (Höhe der Beiträge) seitens BMW, obwohl dort der Reibach gemacht wird. Eine Schande.
    Von Altersvorsorge für den "kleinen Mann" kann BMW und der Staat nicht sprechen (vgl. LV,Riester- und Rürup-Müll), auch nicht von Nachhaltigkeit für die Gesellschaft und Umwelt. Dies gilt übrigens nicht nur für BMW.

    Zu dem 2. Punkt Lohnverzicht. Wäre BMW bereit weniger Dividenden auszuzahlen/oder auf höherer Gewinne zu verzichten, könnten eventuell beide Seite davon profitieren. Bei jahrzehntelangen, negativen REALLOHN-Zuwächsen, sollte der Rotstift nicht bei den kleinen und mittleren Mitarbeitern angesetzt werden. Das "marginale" Plus in manchem Jahr gleicht nicht einmal die Inflation aus. Geschweige denn Steuer- und Abgabenerhöhungen oder Sonstiges.

    Den 3. Punkt "freigestellte Betriebsräte" kann ich nicht beurteilen, jedoch sollte das nach gutem Gewissen entschieden werden. Das ist ungefähr so wie mit dem Ehrensold bei unseren EX-Bundes-Präsidenten. Wer schlecht arbeitet und leistet, verdient keine fortlaufenden Bezüge, in meiner Augen.

    Die Leiharbeit dient nur der Gier der Unternehmer und antlastet nicht den Staat für die Zukunft, sondern schiebt die kommenden Probleme nur geschickt und geschönt hinaus. Die Abrechung der "Nach-mir-die-Sinnflut"-Politik fast aller Parteinen kommt erst später, wenn das "ewige Wachstum" nicht zu halten ist.

  • Weltenbummlerin, Du hast völlig Recht!!

  • Völker hört die Signale... lange nicht mehr solch einen Quatsch gelesen, vom Prinzp hast du ja
    Recht aber unser ganzes System ist so aufgebaut. Fängt bei Elektroartikeln und Haushaltwaren an und
    hört bei Klamotten auf, alles aus anderen Ländern wo nun mal das Kapital für wenig Geld
    schuften lässt und dann als Markenware für teuer Geld in Westeuropa verkauft. Seit der
    Globalisierung sieht die Welt nun mal anders aus. Als Beispiel,warum soll ich einen deutschen Maler
    beschäftigen wenn mir der z.B.Polnische die gleiche Qualität liefert und obendrein noch 30%
    günstiger ist.In Deutschland ist sich doch jeder selbst der nächste hier musst du lange warten eh
    die Leute auf die Strasse gehen.Meiner Meinung nach ist das auch politisch so gewollt, Hauptsache
    die obere Elite hat die Taschen voll und muss Sie natürlich noch voller machen irgendwann bricht aber das
    ganze System zusammen.

  • Völker hört die Signale... lange nicht mehr solch einen Quatsch gelesen, vom Prinzp hast du ja Recht aber unser ganzes System ist so aufgebaut. Fängt bei Elektroartikeln und Haushaltwaren an und hört bei Klamotten auf, alles aus anderen Ländern wo nun mal das Kapital für wenig Geld schuften lässt und dann als Markenware für teuer Geld in Westeuropa verkauft. Seit der Globalisierung sieht die Welt nun mal anders aus. Als Beispiel,warum soll ich einen deutschen Maler beschäftigen wenn mir der z.B.Polnische die gleiche Qualität liefert und obendrein noch 30% günstiger ist.In Deutschland ist sich doch jeder selbst der nächste hier musst du lange warten eh die Leute auf die Strasse gehen.
    Meiner Meinung nach ist das auch politisch so gewollt, Hauptsache die obere Elite hat die Taschen voll und muss Sie natürlich noch voller machen irgendwann bricht aber das ganze System zusammen.

  • Der Dank für dieses menschenverachtende Beschäftigungsmodell gebührt der SPD und den Grünen. Der Boß der Bosse, sein Büttel Clemens und der scheinheilige Fischer haben sich damals kaufen lassen und sitzen heute wie die Made im Speck in ihren Geldspeichern. Der Bürger zahlt die Zeche mit Sozialabbau und dere Rolle der ausgepressten Zitrone. Die gegenwärtige Politbande schneidet sich nochmal ein großes Stück aus dem Fleisch der Bürger, denn den Speck haben sich schon die Vorgänger geholt. Der deutsche Michel ist aber zu blöde um etwas dagegen zu unternehmen. Franzosen und Griechen würden sich das nicht gefallen lassen.

  • Warum wird das Risiko der Festanstellung auf Staat und Bürgertum abgeschoben?? Warum stehen die Leute ohne Absicherung da?? Werden vom Margenkuchen nicht auch freigestellte Betriebsräte (meist Abteilungsleitergehalt) bezahlt?? Jammern auf hohem Niveau

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%