Tesla-Werk in Fremont

Auf ihr Model 3 müssen manche Kunden monatelang warten.

(Foto: JUSTIN KANEPS/The New York Times)

E-Autobauer Elon Musks Farbenlehre – So will Tesla seine Produktion vereinfachen

Tesla schränkt die Farbvarianten für seine Fahrzeuge ein. Obsidian-Schwarz und Metallic-Silber bekommt nur, wer draufzahlt. Es ist ein Versuch, den vielen Bestellungen nachzukommen.
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DüsseldorfWenn Tesla mit der Produktion nicht hinterherkommt, muss halt der Lack dran glauben. Das scheint offenbar das Kalkül von CEO Elon Musk zu sein. Über Twitter verkündete der Chef des E-Autobauers aus dem Silicon Valley an diesem Mittwoch, dass Tesla zwei von sieben Farbvarianten nicht mehr speziell anbieten werde, um die Produktion zu vereinfachen. „Obsidian-Schwarz und Metallic-Silber werden auf Sonderwunsch weiterhin erhältlich sein, allerdings zu einem höheren Preis“, schrieb Musk in dem Kurznachrichtendienst. Die Einschränkung der Farbauswahl gilt fürs Model S, Model X und fürs Model 3.

Der Tech-Milliardär hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: In einem Blog-Eintrag verkündete der 47-Jährige Ende vergangener Woche, dass Tesla im laufenden Quartal doppelt so viele Model 3 bauen und ausliefern werde wie im vergangenen Quartal – ohne Anhaltspunkte dafür zu liefern, wie dies dem E-Autobauer gelingen soll.

Von April bis Juni produzierte Tesla laut der Nachrichtenagentur Bloomberg mehr als 53.000 Autos und lieferte fast 41.000 aus. Ursprünglich hatte sich Tesla für das dritte Quartal zwischen 50.000 und 55.000 neue Model-3-Fahrzeuge zum Ziel gesetzt, nun sollen es also fast doppelt so viele sein.

Das Interesse der Kunden ist schließlich groß. Fürs Model 3 liegen Tesla mehr als eine halbe Million Vorbestellungen vor – gesichert mit einer Anzahlung von 1000 Dollar. Die Kunden warten monatelang, sie könnten ihren Anzahlungen zurückfordern, sollte ihnen die Wartezeit zu lange dauern.

Manchen Kunden liefert Tesla ein Model 3 laut dem Fachportal „Electrek“ seit einigen Tagen direkt: Das Unternehmen hat wohl einige Fahrzeuge produziert, die auf keine speziellen Kundenwünsche zugeschnitten sind – und die es jetzt gilt, loszuwerden.

Model 3 macht Tesla Probleme

Die reduzierten Farbvarianten ist nur eines von vielen Indizien, dass es dem E-Autobauer schwerfallen dürfte, auch tatsächlich so viele Autos zu produzieren wie jüngst ausgegeben. Denn Tesla hatte immer wieder Probleme wegen des Model 3.

Zwar erreichte das US-Unternehmen im Juni sein Produktionsziel. Doch der E-Autobauer steht seitdem wegen Extraschichten und Wutausbrüchen in der Kritik.

Und mittlerweile ermittelt die US-Börsenaufsicht gegen Tesla, um zu prüfen, ob das Unternehmen seine Investoren wegen Verzögerungen in der Produktion im vergangenen Jahr getäuscht hat. Angeblich wollte Musk 2017 etwa 200.000 Model-3-Fahrzeuge bauen, stattdessen rollten in dem Jahr aber nur 27.000 Autos vom Band, wie das „Wall Street Journal“ berichtet.

Ob Tesla das Model 3 in hoher Stückzahl ausliefern kann, entscheidet über die Zukunft des US-Unternehmens. Um neues Geld von Investoren zu bekommen, muss Musk beweisen, dass Tesla nicht nur Geld verbrennen, sondern auch verdienen kann.

In drei Jahren hat der E-Autobauer zehn Milliarden Dollar Schulden gemacht. Damit die Investoren im wohlgesonnen bleiben, bemüht sich Musk, positive Fakten zu schaffen – und versucht nun die Produktion zu erhöhen, indem er beispielsweise die Farbauswahl einschränkt.

Doch die Investoren scheinen zunehmend das Vertrauen in Musk und sein Unternehmen zu verlieren. Die Aktie des E-Autobauers brach Ende der vergangenen Woche zeitweise um mehr als neun Prozent ein, nachdem Musk erst vor laufender Kamera kiffte und nur wenige Stunden später bekannt wurde, dass nicht nur sein seit einem Monat angestellter Chefbuchhalter Dave Morton, sondern auch Personalchefin Gabrielle Toledano zurücktreten.

Und auch in den Wochen zuvor sackte das Papier zeitweise sogar zweistellig ab – zum Beispiel, als Musk in einem Interview mit der „New York Times“ der Öffentlichkeit offenbarte, kein Privatleben mehr zu haben, unter Schlafstörungen zu leiden und deshalb Schlafmittel zu nehmen.

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