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E-Mobilität Autoverleiher meiden E-Autos – Experte fordert Quote

Autoverleiher meiden Elektroautos, zeigt eine Untersuchung des Automobilexperten Dudenhöffer. Sixt und Europcar wollen die Elektrifizierung schnell vorantreiben.
Update: 24.07.2019 - 18:20 Uhr 2 Kommentare
Der Anteil von E-Autos an der Flotte von Autovermietern ist noch gering. Quelle: imago/Jochen Tack
E-Smart von Car2Go an der Ladesäule

Der Anteil von E-Autos an der Flotte von Autovermietern ist noch gering.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Berlin Autoverleiher und Car-Sharing-Anbieter zieren sich, Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben in ihre Flotte aufzunehmen. Das geht aus einer Untersuchung des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Der Professor hat die Neuzulassungen von Fahrzeugen in den vergangenen Jahren ausgewertet. Ergebnis: Während der Anteil der für die Vermietung zugelassenen Neufahrzeuge stetig von 10,7 Prozent (2016) auf 11,7 Prozent (2018) gestiegen ist, sinkt der Anteil der batteriebetriebenen Fahrzeuge von 0,5 (2018) auf nunmehr 0,3 Prozent im ersten Halbjahr 2019.

Dudenhöffer beklagt die Zurückhaltung: „Vermieterautos sind auch Testwagen für Kunden.“ Sie könnten einen wesentlichen Beitrag leisten, dass mehr Elektroautos verkauft werden und Deutschland so seine Klimaziele erreicht. Verkehrsexperten verlangen etliche Maßnahmen, um die Emissionen bis 2030 wie geplant um 42 Prozent zu senken. Dazu gehört, dass bis dahin allein sieben bis zehn Millionen E-Autos bis 2030 auf den Straßen fahren sollen.

Dudenhöffer fordert eine E-Auto-Quote für Autovermieter. Deren rund 370.000 Neufahrzeuge im Jahr gingen in der Regel nach einem halben Jahr in den Gebrauchtwagenmarkt. „Eine Elektroauto-Quote bei Vermietern wäre schnell umsetzbar, würde keine Steuermittel verbrauchen, und sie würde einen spürbaren Beitrag für den Klimaschutz bringen.“

Das Verkehrsministerium habe „das wichtigste Segment für die Verbreitung von Elektroautos ignoriert“, kritisierte Dudenhöffer. „Statt über neue Förderungen für Dienstwagen nachzudenken, würde es deutlich mehr Sinn ergeben, sich auf die Autovermittler zu konzentrieren.“

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„In Deutschland haben wir insgesamt rund 500 E-Autos in der Flotte“, bestätigte Stefan Vorndran, Geschäftsführer Europcar Mobility Group Germany, dem Handelsblatt, die geringe Zahl. Dies entspricht einem Anteil von einem Prozent. In der gesamten Europcar Mobility Group sind von den 315.000 Fahrzeugen 4.600 elektrisch.

Da jeden Tag „mehrere Hundert Neufahrzeuge“ hinzukämen, könne sich dies aber „schnell ändern“, sagte Vorndran. Aufgrund der Klimaziele der Bundesregierung würden „zukünftig E-Autos die Innenstädte dominieren“. Die fehlende Ladeinfrastruktur sei derzeit „das größte Hindernis“.

Der größte Autovermieter und Carsharing-Anbieter Sixt wollte keine Zahlen nennen. Bei der klassischen Vermietung, die im Durchschnitt zweieinhalb Tage beträgt, sei die Nachfrage wegen der geringen Reichweite und fehlender Ladeinfrastruktur „bislang relativ gering“. Sixt rechnet aber mit Änderungen. „Wir werden die Elektrifizierung unserer Flotte voraussichtlich ab 2020/21 stark ausweiten“, erklärte eine Sprecherin. Beim Carsharing, wo Autos für kurze Strecken in der Stadt gemietet würden, „machen E-Autos rund 15 Prozent unserer Flotte aus“.

E-Carsharing floppt

Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing hatten E-Mobile Anfang 2019 einen Anteil von 9,1 Prozent. 1.025 der insgesamt 1.827 Fahrzeuge waren in den Free-floating-Flotten der Automobilhersteller angemeldet. Die mittelständischen Anbieter im stationsbasierten Bereich betrieben inzwischen 498 E-Mobile. Bei Betreibern reiner E-Carsharing-Projekte sei die Zahl von 431 auf 304 gesunken.

Grundsätzlich lasse sich mit Carsharing „nur schwer Geld verdienen“, erklärte der Verband. Da E-Mobile teurer seien als konventionelle und die Händler „nur geringe Rabatte“ gewährten, obendrein die Fahrzeuge während des Ladevorgangs „nicht für die Kunden zur Verfügung stehen“, seien E-Autos im Carsharing-Betrieb „weniger“ wirtschaftlich. „Aufgrund dieser geringen Wirtschaftlichkeit sind auch viele reine E-Carsharing-Angebote nach Ablauf der Förderungsphase wieder eingestellt worden.“ Hinzu komme noch, dass stationsgebundene Anbieter „die Ladeinfrastruktur an ihren meist auf privatem Grund befindlichen Carsharing-Stationen selbst finanzieren müssen“.

Laut Dudenhöffer kauften Vermieter im ersten Halbjahr unter anderem 184 BMW i3, 124 Renault Zoe und 72 Jaguar I-Pace. „Der Elektro-Smart, der im letzten Jahr noch dank Car2Go an der Spitze lag, ist deutlich abgerutscht“, sagte er. „Share Now, das neue Mobilitäts-Joint-Venture zwischen BMW und Daimler hat offensichtlich wenig Interesse, die Elektroautos zu forcieren.“  

Share now, der Zusammenschluss von car2go und DriveNow, verwies hingegen darauf, seine Carsharing Flotte in Europa bereits zu 20 Prozent elektrifiziert zu haben. An vier Standorten in Europa würden sogar vollelektrische Flotte betrieben.

„Wir sind einer der größten Anbieter im elektrischen Carsharing und sehen uns als Vorreiter der Elektromobilität“, sagte Geschäftsführer Oliver Reppert. „Sie ist für uns eines der größten Zukunftsthemen und von entscheidender strategischer Bedeutung. Bis zum Jahresende sollen ein Viertel der Flotte elektrisch unterwegs sein. „Wir sind der Überzeugung: Die Zukunft des Carsharings ist elektrisch.“

Mehr: Der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist teuer. Die VW-Tochter Audi testet nun eine Alternative zur fest installierten Säule.

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2 Kommentare zu "E-Mobilität: Autoverleiher meiden E-Autos – Experte fordert Quote"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Den Opportunismus des Herrn Dudenhöfer kennen wir zur Genüge. Wir brauchen keine DDR2.0 auch nicht für E-Autos, die in der aktuellen Form eine komplette Fehlentwicklung darstellen. Das kann jeder halbwegs begabte Techniker der seinen Job kennt nachvollziehen. Das gilt natürlich nicht für Politiker mit Physikabschluß oder auch ohne und Eisverkäufer. Ok die Eisverkäufer können nichts dafür.

  • Mietautos sind auch Testwagen für Kunden.

    Und genau das wird schnell zum Boomerang, wenn Lademöglichkeiten und Supportdienstleistungen nicht in adäquatem Mass vorhanden sind.

    Wer einmal als Mietwagenkunde mit leerer Batterie liegen geblieben ist oder bei Rückgabe einen extra Ladetag bezahlen muss, wird den Kauf eines E-Fahrzeugs eher hinauszögern..

    Es nützt auch nichts, wenn der Kunde schon bei der Anmietung sieht, dass ein vergleichbarer Benziner in der Anmietung nur halb so teuer ist, weil der Kraftstoff nicht im Mietpreis enthalten ist.

    Wer ein E-Fahrzeug Probe fahren möchte, kann dies auch ohne Quote jetzt schon jederzeit tun.

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