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E-Modell vorgestellt „Tesla ist für uns keine Benchmark“ – Etron soll Audis Elektro-Ära einläuten

Es ist eine Zäsur für Audi: Das erste vollelektrische Serienfahrzeug. Es gibt kein Zurück mehr, sagt der Chef Bram Schot. Aber geht es auch voran?
1 Kommentar
VW-Tochter: Audi zeigt seinen ersten elektrischen Serienwagen Quelle: Bloomberg
Audi Etron

Interims-Chef Bram Schot präsentiert in San Francisco Audis ersten Serien-Elektrowagen.

(Foto: Bloomberg)

San FranciscoHunderte kleine Drohnen zeichnen vier blaue Ringe in den kalifornischen Nachthimmel über einer ehemaligen Fabrikhalle. 1000 Gäste aus aller Welt verfolgen die Drohnenakrobatik von einem Partyschiff aus, das nach einer feucht-fröhlichen Fahrt gerade am Kai festmacht. Gefeiert wird eine automobile Zäsur.

Audi stellt in San Francisco seinen Etron vor – das erste rein elektrisch betriebene Auto der Ingolstädter. „Das ist ein historischer Moment für Audi“, sagt Interims-Chef Bram Schot in der Halle. Der Autobauer betreibt einen enormen Aufwand, um der Veranstaltung die gebührende Bedeutung zu verleihen. Und der Aufwand scheint auf den ersten Blick auch nötig.

Denn unter dröhnender Musik rollt ein Auto vor, das bei schnellem Hinschauen gar nicht so neu aussieht, wie von Audi angepriesen. Die Gäste fühlen sich an die Verbrenner-Modelle Q7 oder Q8 erinnert. Ein Neuanfang sieht anders aus.

Nur die beiden schlanken Kameras, die die Rückspiegel ersetzen, vermitteln einen leicht futuristischen Eindruck – einer, der 1500 Euro Aufpreis kostet.

Die gewohnte Audi-Optik ist kein Zufall: Denn die Basis des Luxus-SUVs bilden vorhandene Komponenten aus dem Audi-Baukasten. Es sei ein Auto „mit einem Bein in der Gegenwart und einem in der Zukunft“, wie Schot es ausdrückt. Das, glaubt der Audi-Chef, wollen die Käufer.

Bei näherem Hinsehen fallen auch die tiefere Gürtellinie und die muskulösen Schweller auf. Sie sind dem Akku-Pack im Boden der Karosse geschuldet. Eigentlich unnötig aber omnipräsent: Der überdimensionierte Kühlergrill, hinter dem es nichts mehr zu kühlen gibt.

Dazu gibt es bewährte Audi-Merkmale wie ein Allradantrieb, jetzt ohne die aufwändige und schwere Technik der Benzinmodelle, da die Motoren an den Achsen sitzen. Neu ist ein innovatives und leistungsstarkes Energierückgewinnungssystem in der Bremsanlage. Die alleine kann in der Maximaleinstellung bis zu 30 Prozent der Fahrzeug-Reichweite ausmachen.

„Sind Tesla dankbar – jetzt greifen wir an“

Der Etron wird allerdings keine eleganten, versenkbare Türgriffe haben wie das Modell X von Tesla. Das liege aber nicht daran, dass man so was nicht könne oder sparen wolle, heißt es bei der Vorstellung: es sind schlicht Sicherheitsaspekte. Im Falle eines Unfalls kann es nötig werden, dass Retter Türen mit Gewalt aufziehen müssen. Dafür braucht man einen massiven Griff mit einer Stahl-Verschraubung, an dem man reißen kann.

Überhaupt: „Tesla ist als Benchmark für uns nicht relevant, und zwar weder in Europa, noch in China oder Amerika“, tönt Schot selbstbewusst. „Wir haben eine andere Kundenbasis, eine starke Händlerorganisation. Wir sind Tesla dankbar für das, was sie für den Markt getan haben. Aber jetzt werden wir sie angreifen.“

Das steckt im ersten Elektro-SUV von Audi
Audi Etron
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Da SUV, das in der Nacht zu Dienstag präsentiert wurde, soll ein direkter Konkurrent zum kürzlich vorgestellten Mercedes EQC und zu Teslas Model X sein. Das Design des Luxus-SUVs ist weitestgehend bekannt, schließlich besteht die Basis aus Komponenten des Audi-Baukastens – kombiniert mit futuristischen Elementen. Interims-Chef Bram Schot meint, dass die Kunden genau das wollen: „Mit einem Bein in der Gegenwart und einem in der Zukunft“.

(Foto: Bloomberg)
Bekanntes Auftreten
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Die Seitenansicht erinnert an die aktuellen Luxus-SUVs Q7 und Q8. Allerdings fallen die tiefere Gürtellinie und die muskulösen Schweller auf, die der Batterie geschuldet sind: Sie besteht aus 36 einzelnen Zellen und liefert 95 Kilowattstunden. Damit bietet der Stromer eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern und eine Geschwindigkeit bis 200 Kilometer pro Stunde. Mit der höchsten Ladegeschwindigkeit von 150 Kilowatt ist der Akku nach 30 Minuten zu 80 Prozent voll.

(Foto: Bloomberg)
Großer Kühlergrill
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Der besonders groß gehaltene Kühlergrill ist noch ein Mitbringsel aus der Vergangenheit: Schließlich gibt es keinen Motor mehr, der gekühlt werden muss. Gleichzeitig soll der Etron damit aber auch seine Sportlichkeit ausdrücken: Immerhin hat er das klassische Audi-Merkmal Allradantrieb und schafft am Heck-Elektromotor eine Spitzenleistung von 140 Kilowatt.

(Foto: Bloomberg)
Rückleuchten
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Auch das durchgehende Lichtband am Heck des Etron kennt man bereits von aktuellen Audi-Modellen der Oberklasse, etwa den großen Brüdern A8 und Q8. Der vor zwei Wochen vorgestellte Konkurrent Mercedes-Benz EQC setzt ebenso auf dieses Stilelement.

(Foto: Bloomberg)
Auffällige Seitenlinie
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Die Seitenlinie kennzeichnen vor allem die futuristisch anmutenden Felgen. Auch die blauen Akzentuierungen fallen auf. Im Gegensatz zum direkten Konkurrenten Tesla Model X verzichtet der Audi allerdings auf versenkbare Türgriffe. Die Ingolstädter begründen das mit Sicherheitsaspekten: Im Falle eines Unfalls könnte es sein, dass die Türen aufgerissen werden müssten, wofür man schließlich einen massiven Griff benötige.

(Foto: Reuters)
Das Etron-Konzeptauto von 2015
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Viel geändert hat sich seit der ersten Vorstellung 2015 nicht: Die deutlich aggressivere Front hat Audi dem Zeitgeist angepasst. Bei dem Showcar fehlten noch die Rückspiegel, die beim finalen Etron ein Novum sind.

(Foto: dpa)
Rückspiegelkamera
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Statt klassischer Rückspiegel gibt es beim Etron auch neuartige Rückspiegelkameras. Diese sitzen an der gleichen Stelle wie ihre bekannten Gegenstücke. Die Kameras senden ihre Bilder an kleine Bildschirme in der Türinnenverkleidung und sollen dabei nicht nur die Sicht aus dem Seitenfenster verbessern, sondern auch die Geräuschentwicklung bei höheren Geschwindigkeiten reduzieren. Diese futuristische Variante der Rückspiegel kostet allerdings 1500 Euro Aufpreis.

(Foto: Bloomberg)

Schot ließ bei einem Gespräch in kleiner Runde keinen Zweifel daran, dass Audi trotz der Führungsquerelen nicht paralysiert ist, sondern den Wandel zum Elektroanbieter ohne Verzug angehen will. Schot ist aktuell Interimschef bei Audi für den inhaftierten Rupert Stadler. Der Niederländer klingt an diesem Tag gar nicht wie eine Notlösung. Er habe „alle Freiheiten, die nötig sind“, um Audi ins Elekto-Zeitalter zu führen, da rede ihm keiner rein.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess habe klargestellt, das Audi die Technologieführerschaft im Konzern haben solle, und er werde das verwirklichen. Bis 2025 werden zwölf reine Elektroautos bei Audi in Serie gehen. Eine Kooperation mit Porsche ist angestoßen. Fragen nach seinem Nachfolger bürstet er kurz mit „Spekulationen sind Spekulationen“ ab.

Audi tritt mit seinem Etron derzeit in einen Markt, in dem sich der Wettbewerb dramatisch verschärft. Zuvor fuhr eine Parade von 20 I-Pace von Jaguar unter Polizeischutz durch die Innenstadt, BMW flog hastig für einen Nachmittag den Prototypen eines Elektro-SUVs ein, der aber noch weit von der Serienfertigung entfernt ist, falls er überhaupt jemals so wie gezeigt kommen wird.

„Wir produzieren bereits“, betont dagegen Schot. In Brüssel laufen seit wenigen Tagen in einer eigens umgerüsteten Fabrik die Bänder für den Etron. 250 Testfahrzeuge sind unterwegs. Ab Herbst werden Vorbestellungen für den 5-Sitzer angenommen.

Ende 2018, spätestens im ersten Quartal 2019 wird ausgeliefert, zunächst in Europa, nur wenig später, so die Ansage, in den USA und China. Der Einstiegspreis liegt knapp unter 80.000 Euro.

400 Kilometer Reichweite, 200 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit

Der Akku ist das Kernstück moderner Elektroautos. Audi wird einen selbstentwickelten Stromspeicher im Fahrzeugboden verbauen. 36 einzelne Zellen liefern 95 Kilowattstunden und belasten im Gegenzug das Fahrzeuggewicht mit 699 Kilogramm.

Audi legt Wert auf eine „100-prozentige Reparaturtiefe“. Bei einem Defekt kann das elektrische Zentralaggregat bis zur letzten Schraube gewartet werden. Mit höchster Ladegeschwindigkeit von 150 Kilowatt ist der Akku nach 30 Minuten zu 80 Prozent voll. In der heimischen Garage dürfte das allerdings erheblich länger dauern.

Der Motor an der Hinterachse entwickelt eine Spitzenleistung von 140 Kilowatt, die er für 60 Sekunden halten kann, an der Vorderachse zerrt ein Elektromotor mit einer kurzfristigen Spitzenleistung von 125 Kilowatt.

Doch solche Daten sind im Alltag nicht relevant, erklärt ein Audi-Techniker in San Francisco. Die konstante Systemleistung beider Motoren beträgt 100 Kilowatt und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 400 km und eine Reisegeschwindigkeit von bis 200 Kilometer pro Stunde, je nach Straßenbedingungen und Fahrweise.

Besonders stolz ist Audi auf seine digitalen Kameras, die die Rückspiegel ersetzen und ihre Bilder auf kleine Bildschirme in der Türinnenverkleidung werfen. Die Sonderausstattung wird es aber zuerst nur in Europa geben. In den USA und China muss noch die Zulassung erfolgen. Die stromlinienförmigen „Kamera-Rückspiegel“ haben mehrere Vorteile. Sie verbessern die Sicht aus dem Seitenfenster und verringern die Geräuschentwicklung bei höheren Geschwindigkeiten.

Mit den Rückspiegeln will sich Audi von Tesla absetzen. In Videos im Internet von Tesla-X-Fahrern sind infernalische Windgeräusche bei schnellen Autobahnfahrten zu hören, wo eigentlich die Stille des Elektromotors und ein wenig Gerumpel von den Reifen herrschen sollte. Im Etron kann man sich „bei Höchstgeschwindigkeit normal mit dem Fahrer unterhalten“, lobt dagegen Audi.

Die Vorstellung des Etron in San Francisco war der Startschuss für die Ingolstädter. Der nächste Etron soll zügig vorgestellt werden und wieder in den USA: das Coupe Etron GT Concept. Das Fahrzeug wird in Zusammenarbeit mit Porsche gebaut und noch 2018 auf der LA Auto Show in Los Angeles gezeigt.

Die Frage aber wird sein, ob Audis Elektro-Strategie aufgehen wird und die Kunden den Spagat aus Tradition und Moderne goutieren werden. Viele Gäste blicken skeptisch auf Audis Etron, der neu ist aber nicht neu aussieht. Bei Tesla einem Tesla X mit Flügeltüren ist das anders. Der ist einfach „Zukunft“.

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1 Kommentar zu "E-Modell vorgestellt: „Tesla ist für uns keine Benchmark“ – Etron soll Audis Elektro-Ära einläuten"

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  • 'Tesla ist keine Benchmark für uns' - 'aber jetzt werden wir sie angreifen'. Klingt wie Pfeifen im Keller oder 'Keine Angst, wir bleiben die Größten & Schönsten im Spieglein an der Wand'. Eine gewisse Arroganz gehört scheinbar immer noch trotz aller Krisen zum guten Ton. Die Rückspiegel z.B. hätte Tesla wohl als erster schon längst abgeschafft, wenn es denn nur erlaubt wäre... Was da präsentiert wird, sieht aus wie die anderen Audi (DB fährt eine ähnliche langweilige DesignStrategie mit 'Rücksicht auf die Kunden' - was will mir das als Kunde sagen?) Die Kenndaten reichen in allen Belangen nicht an denen von Tesla. Was aber keiner ausspricht ist, dass Tesla nicht irgendein E-Auto allein ist, sondern ein komplettes System - inkl. einer HochleistungsLadeInfrastruktur ist. Wir freuen uns, dass unsere altvorderen Automobilisten wachgeworden und 'angreifen' wollen. Hatten sie doch mit Vollgas in vollem Bewusstsein ihre Glaubwürdigkeit und sogar den gesamten Standort Deutschland diskreditiert. Etwas mehr realitätsnahe Demut würde ihnen gut anstehen und die höchst frustrierten Dieselfahrer etwas besänftigen….

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