E10-Kommentar Biosprit hat große Zukunft

Die Politik hält an E10 fest. Das erregt Kritik. Doch langfristig geht es nicht ohne Biosprit. Deswegen brauchen Konzerne Druck, stärker in die Technik zu investieren. Ein Kommentar von Thorsten Giersch..
10 Kommentare

Der Streit um den neuen Biosprit E10 belegt, wie hart der Kampf gegen den Klimawandel in der praktischen Umsetzung ist. Die Einführung des Bio-Sprit E10 geriet zum Desaster. Die Fehler liegen bei der Politik genauso wie bei der Mineralölindustrie: Autofahrer meiden E10, weil sie nicht rechtzeitig informiert wurden und das Image des Bio-Sprits miserabel ist.

Das Kernproblem: Die deutschen Politiker wollen E10 durchsetzen, obwohl der Nutzen für die Umwelt gegen Null geht. Das ist gründlich misslungen. Doch das Spiel ist an dieser Stelle nicht zuende, es beginnt gerade erst. Denn so falsch es derzeit wirkt, so sinnvoll ist das Festhalten am Bioethanol auf lange Sicht. Statt jetzt stur E10 durchzudrücken, müssen Politik und Unternehmen weiter denken und wirklich umweltfreundliche Techniken entwickeln.

Keine Frage: Aus Lebensmitteln wie Mais Benzin zu produzieren, so dass der Hunger auf der Welt genauso verstärkt wird wie die Brandrohdung der Urwaldes, ist Wahnsinn. Aber die Hoffnung liegt ja in den Biotreibstoffen der zweiten Generation. Die werden nicht aus Lebensmitteln, sondern aus Algen und Gräsern gewonnen.

Zwar wird an der Technik längst geforscht, doch das Engagement von Politik und Unternehmen ist eher halbherzig: Die Internationale Energie-Agentur geht davon aus, dass in den nächsten 25 Jahren rund 335 Milliarden Dollar in den Ausbau der Biotreibstoff-Industrie gesteckt werden. Das hört sich viel an, 13,5 Milliarden pro Jahr sind aber zu wenig, um sich rasch genug vom Öl unabhängig zu machen.

Vor allem die Konzerne sind viel zu zurückhaltend. Beispiel Exxon Mobil: Der Ölmulti hat sein Entwicklungsbudget für Bio-Treibstoffe gerade auf 600 Millionen Dollar angehoben. Angesichts der Unsummen, die der Konzern zum Beispiel für die Tiefseebohrungen nach Öl ausgibt, ist diese Summe eher läppisch.

Die Konzerne brauchen Druck Sie investieren nur in Projekte nur dann hinreichend große Summen, wenn sie sich einen finanziellen Vorteil davon versprechen. Vor diesem Hintergrund wäre es ein fatales Signal, wenn die Politik jetzt von den Strafzahlungen abrückt, die Mineralölbetriebe zahlen müssen, wenn sie zu wenig Biosprit verkaufen.

Viel besser wäre es, Biosprit langfristig im Verhältnis zum klassischen Benzin attraktiver zu machen. Das kann nur über den Preis gelingen. Deshalb müssen die Steuern auf Öl steigen. Denn noch ist Biosprit verhältnismäßig teuer und Benzin verhältnismäßig billig - so dass der Preis an der Tankstelle derzeit praktisch gleich ist. Je teurer Benzin wird, desto mehr investieren Ölkonzerne in Biosprit - und umso umweltfreundlicher und billiger wird er damit langfristig.

Ein höherer Ölpreis hätte einen weiteren Vorteil: Der Zwang zur Effizienz würde steigen. Auch wir Deutschen verbrauchen zu viel Öl. Nicht zuletzt die Autos könnten deutlich effizienter sein. E10 sollte für Autofahrer und für die Hersteller zum Feigenblatt werden. Das ging schief. Die Politik muss daraus lernen.

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10 Kommentare zu "E10-Kommentar: Biosprit hat große Zukunft"

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  • E10-Wahnsinn: In einer Tankfüllung stecken 15 kg Getreide!!!! Hallo!
    Wir werden aus Prinzip KEIN E10 tanken, obwohl es unsere Fahrzeuge "vertragen" würden!
    Getreide ist Lebensmittel und soll es auch bleiben.

  • Es kann nicht sein das Auto fahren für den einfachen Bürger immer unererschwinglicher wird. Unter dem Deckmantel der ÖKOLOGIE wird uns ein Benzin verkauft, welches die Fahrzeuge schädigt und auch keinen ökologischen Nutzen hat. Wenn Ackerland zur Energiegewinnung dienen soll hat das nichts mit Ökologie zu tun. Auch bringt es keine Unabhängigkeit, da wir soviel Anbaugebiete in Deutschland gar nicht haben. Dadurch werden Lebensmittel verteuert und Entwicklungsländer ausgebeutet. Schafft diese Politik samt dem Umweltminister ganz schnell ab. Deutschland lässt sich nicht für dumm verkaufen.

  • E10 der ersten Generation (Agrarsprit aus Lebensmitteln) ist ein hochsubventionierter Lobbysprit!

    GEWINNER:
    ->Erster Gewinner und Hauptprofiteur ist die hochsubventionierte Landwirtschaft sowie Unternehmen der Bioethanolherstellung beispielsweise die Zuckerindustrie.
    ->Zweiter Gewinner ist die Autoindustrie, die keine umweltverträglichen Fahrzeuge vom Band rollen lassen muss.

    VERLIERER:
    ->Erster Verlierer ist die globale (Natur-)Umwelt.
    ->Zweiter Verlierer sind wir Menschen.

    FAZIT:
    ->E10-Boykott um jeden Preis.

    Die Politik muss sich endlich den Anforderungen, die nachfolgende Generationen von ihr schon heute erwarten stellen.

  • In Japan gab es gerade eine Wasserstoffexplosion!

  • Fortsetzung

    Die aus der Zersiedelung resultieren lange Verkehrswege bewirken einen erhöhten Bedarf an Treibstoffen, denn grundsätzlich fehlt es an ausreichenden Arbeitsplätzen und Versorgung. Zwangsläufig führt der Weg wieder zurück in die Stadt der Parkraumnot oder zu einem entsprechenden Anbieter auf dem Land. Der Aufbau neuer Strukturen kostet Jahr für Jahr über 110 Mrd. Euro, die in den Städten dringend gebraucht werden.
    Die Folgen sind der tägliche Stau, Stress, Produktionsausfälle, verödende Innenstädte, Verwahrlosung der Kinder, mangelhafte Schulleistungen, Zivilisationskrankheiten...immer wieder neue Gesetze und mehr Bürokratie. Nachteile über Nachteile!

    Wie sehr die beliebten Wohnformen in der Stadt umgesetzt werden können, habe ich rein proportional auf meiner HP dargestellt. Die Gestaltung ist offen. Da man sich Nachbarn kaum aussuchen kann, steht im Angebot das Einfamilienhaus ohne Zaunnachbar. Auf dem Land hat man das nicht. Aber: Viele Menschen erfüllen sich den Wunsch nach einer Wohnform für 3 Generationen und hier liegt der Schlüssel gegen den demografischen Wandel. Wohnen im Grünen ist in den Städte besser zu verwirklichen als im Speckgürtel.

    http://www.bps-niedenstein.de/

    Aus aktuellem Anlass will ich noch Tokio erwähnen. Diese Mega-Stadt ist das reinste Chaos. Denn die Bürotürme verursachen einen starken, aber vermeidbaren, Zu- und Abgangsverkehr. Wogegen im Speckgürtel so eng gebaut wurde, dass es regelrechte Menschenfallen sind. Hier Muss mit einer Pontonbauweise ausgeglichen werden.

  • Der Artikel ist gut, doch unsere Politiker sind absolut lernresistent. Sie hüpfen wie die Flöhe von einer Veranstaltung zur nächsten, gaukeln uns vor Einfluss zu haben, doch sind sie nur wegen ihrer Beeinflussbarkeit dabei. Was sie verarbeiten sind unterschiedlichste Interessen. Was sie von sich geben, ist gequirlte ... ja was denn wohl!?

    Kein Mensch würde es merken, wenn sich ein Politiker einmal für zwei Wochen in eine Kemenate zurückzieht und im Internet methodisch nach Lösungen sucht.

    Die Eingangsfrage ist: Weshalb ist der Bedarf an fossilen Brennstoffen so hoch und weshalb werden Tag für Tag weit über 100 ha landwirtschaftliche Fläche in Bauland umgewandelt, wo doch genau hier nachwachsende Rohstoffe hingehören? Lassen sich die begehrten Wohnformen, Einfamilienhaus, Reihenhaus und Eigentumswohnung nicht in den Städten herstellen? Weshalb müssen diese Energiefresser auf dem Land entstehen, wenn sie gleichzeitig als Null-Energiehaus in der Stadt möglich sind und eine dezentrale Wärme-Kraft-Koppelung beflügeln? Hier geht es mit Biokraftstoffen:

    http://www.demtech.ch/de_nfe.html

    Ein Freund hat eine größere Anlage mit einem herkömmlichen Motor gebaut. Nach drei Tagen rauchte der Motor und war hin!
    Fortsetzung

  • ...Die deutschen Politiker wollen E10 durchsetzen, obwohl der Nutzen für die Umwelt gegen Null geht....

    Solangsam sollten unsere Politiker aufhören Lobbyarbeit zu betreiben um sich (vielleicht) auch selber dabei zu bereichern. Wann zählt den der Bürger und Steuerzahler wieder? Muss es erst zu großen katastrophen kommen um ein Umdenken zu starten. Wenn es soweit ist, will aber wieder keiner Fehler gemacht haben.

  • Ja, wenn Biosprit aus Gras und Algen produziert würden. Aber wir müssen noch einen draufsetzen: wenn diese in Deutschland produziert werden. Denn nur so können wir sicherstellen, dass durch unseren Mobilitätshunger keine Wälder in fremden Ländern gerodet werden.

  • Ja, wenn Biosprit nur aus Gras und Algen produziert würde. Aber wir sollten noch einen drauf setzen. Und wenn dieses Gras und die Algen nur in Deutschland produziert werden. Denn nur so können wir gewährleisten, dass in anderen Ländern keine Wälder für unseren Biosprit gerodet werden!

  • Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Wasser sowie Sonnenenergie sind, solange es Leben auf dieser Erde gibt, in uneingeschränkter Menge verfügbar.

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