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EADS in Indien Alles für 126 Kampfjets

Indien ist Schauplatz einer erbitterten Schlacht um das größte Rüstungsgeschäft außerhalb der Nato. Die Regierung will 126 Kampfjets kaufen. Der Auftrag ist mit den anschließenden Wartungsverträgen bis zu 20 Mrd. Dollar wert. Sechs Rüstungskonzerne buhlen um ein Geschäft, das dem Gewinner volle Orderbücher für Jahrzehnte sichert.
  • Helmut Hauschild
2 Kommentare
Der indische Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Antony lässt sich die Funktionen eines Eurofighters vorführen. Quelle: EADS

Der indische Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Antony lässt sich die Funktionen eines Eurofighters vorführen.

NEU-DELHI. Den Eurofighter zu fliegen ist kinderleicht. Zumindest im Simulator auf dem Stand von EADS in Halle zwölf der indischen Rüstungsmesse Defexpo. Abheben, Loopings drehen, schießen, landen: Nach fünf Minuten Einweisung traut der Ausbilder der britischen Royal Air Force dem Eurofighter-Novizen schon die ersten waghalsigen Manöver zu. "Sie sitzen jetzt im bedienerfreundlichsten Cockpit eines Kampfflugzeugs weltweit." Die neugierigen Spitzen der indischen Luftwaffe geben sich den Steuerknüppel in die Hand. Sogar der sonst so unzugängliche Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Antony startet zum virtuellen Testflug. Die EADS-Leute grinsen zufrieden, denn bei den Konkurrenten Boeing und Lockheed Martin ließ der Minister den Simulator links liegen. Und jeder am Eurofighter-Stand weiß: Es geht hier nicht um ein Spiel.

Indien ist Schauplatz einer erbitterten Schlacht um das größte Rüstungsgeschäft außerhalb der Nato. Die Regierung will 126 Kampfjets kaufen. Der Auftrag ist mit den anschließenden Wartungsverträgen bis zu 20 Mrd. Dollar wert. Er sichert dem Gewinner volle Orderbücher für Jahrzehnte.

Mit allen Mitteln ringen deshalb die sechs Kombattanten, neben dem Eurofighter sind das Boeings F/A-18 und die F-16 von Lockheed Martin, Dassault aus Frankreich mit der Rafale, Schwedens Gripen von Saab und die russische MiG 35, um den kleinsten strategischen Vorteil. Legionen politischer Strippenzieher und Lobbyisten haben die Rüstungskonzerne gen Indien in Bewegung gesetzt, denn allmählich wird es ernst.

Am Montag beginnt die indische Luftwaffe ihre Flugversuche mit dem Eurofighter: erst in der tropisch-feuchten Hitze von Bangalore, dann im trockenheißen Rajasthan und zuletzt in den Höhen des Himalaya. Alle sechs Wettbewerber müssen dieses Testprogramm durchlaufen, danach will Neu-Delhi entscheiden. Zwei Maschinen der Bundeswehr sind eigens vom Stützpunkt Laage bei Rostock nach Indien geflogen. EADS lässt sich die Versuche einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. "Wir sehen Indien als einen unserer wichtigsten Auslandsmärkte", sagt Bernhard Gerwert, Vorstandsmitglied von EADS Defence & Security.

Doch muss das von Deutschland angeführte Eurofighter-Konsortium erst den Zuschlag gewinnen. Ein Herkulesprojekt. Der Eurofighter gilt unter Militärexperten zwar als das modernste Flugzeug, doch er ist teuer. Und mindestens ebenso schwer wiegt, dass EADS nicht das geostrategische Gewicht der Amerikaner und Russen auf die Waagschale bringt. Das aber ist wichtig, denn bei Rüstungsaufträgen dieses Kalibers geht es immer auch um große Politik. So kann Russland die energiehungrige Wirtschaftsmacht Indien mit Öl- und Gasversprechen ködern. Die USA wiederum gelten den Indern als der einzig ernstzunehmende Sicherheitsgarant gegen das als Bedrohung empfundene China.

Gerwert hält mit der Bereitschaft zum Technologietransfer dagegen. Und geht schon mal in Vorleistung: EADS wolle in Indien ein Entwicklungszentrum für Verteidigungstechnik mit rund 200 Ingenieuren aufbauen, kündigt er an. Neu-Delhi hat nämlich zur Auflage gemacht, dass die Hälfte des Kampfflugzeug-Auftrags im Land gefertigt werden muss. Damit stehen vor allem Boeing und Lockheed Martin vor einem Problem,denn die US-Regierung erhebt regelmäßig ihr Veto gegen die Weitergabe von Militärtechnologie. Von der Bundesregierung dagegen gebe es grundsätzlich Grünes Licht für den Eurofighter-Deal, betont Gerwert.

Doch Rückschläge, das musste EADS bitter erfahren, sind in Indien Teil des Geschäfts. So hatte die EADS-Tochter Eurocopter vor zwei Jahren die gesamte Konkurrenz beim Auftrag für 197 leichte Kampfhubschrauber ausgestochen, doch kurz vor dem Abschluss machte die Regierung in Neu-Delhi einen Rückzieher. Vor wenigen Monaten passierte das gleiche bei sechs Airbus-Tankflugzeugen. Die Gründe seien bis heute unklar, sagt Gerwert. Er könne nur vermuten, dass einflussreiche Konkurrenten interveniert hätten. Da mag der Verteidigungsminister am Eurofighter-Simulator noch soviel Spaß haben, für Gerwert ist inzwischen klar: "Der Wettbewerb ist erst zu Ende, wenn wir den Vertrag unterschrieben haben."

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2 Kommentare zu "EADS in Indien: Alles für 126 Kampfjets"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die USA sollten das Wort FAiRNES aus
    ihrem Vocabular nehmen. Es ist nicht
    das erste Mal,dass ähnliches passiert.
    Eventuell braucht ja indien und die
    Russen diese Tanker. Die Russen haben
    schon immer ihre Verträge und Versprechen eingehalten. Die USA nur dann wenn der Vorteil einseitig bei
    ihnen liegt.. Die Welt sollte endlich
    mal aufwachen und z.b. Cuba nicht mehr
    boykottieren. Denn das ist auch so ein US Verbrechen der Firma UNiTED FRUiTS an die befölkerung Cubas.
    Mit fairnes hat so etwas nichts zu tun.

  • wiseo sind schon 2 eurofighter aus laage unterwegs
    wer bezahlt das die eads? wohl nicht
    den gewinn strecihen alle eads länder ein die kosten haben wiedermal die deutschen

    wie blöd kann man noch werden

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