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Ehemaliger VW-Chef Winterkorn-Anwälte „erstaunt“ über Anklage in den USA

US-Staatsanwälte haben Anklage gegen den früheren VW-Boss erhoben. Die Anwälte von Martin Winterkorn zeigen sich von dem Schritt überrascht.
Update: 04.05.2018 - 11:49 Uhr 8 Kommentare

Angeklagt – US-Justiz wirft Winterkorn Betrug und Verschwörung vor

DüsseldorfDie Anwälte des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn wurden von der Anklage im Dieselskandal in den USA überrascht. „Wir sind über die Anklage erstaunt. Die Anklageschrift nehmen wir zur Kenntnis. Das weitere Vorgehen werden wir klären“, sagte Winterkorns Verteidiger Felix Dörr dem Handelsblatt.

Dörr kooperiert mit dem US-Starverteidiger Steven Molo von der New Yorker Kanzlei Molo Lamken. Er vertritt Winterkorns Interessen gegenüber der US-Justiz.

Die Staatsanwaltschaft in Detroit wirft Winterkorn und weiteren ehemaligen VW-Managern Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei der Abgasmanipulation und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vor. Die Strafverfolger gehen davon aus, dass der damalige Konzernchef bereits im Mai 2014 über Unregelmäßigkeiten bei Dieselabgaswerten informiert wurde.

Im Juli 2015 sei bei einem Treffen in der Wolfsburger Konzernzentrale im Beisein von Winterkorn und anderen VW-Managern über mögliche Konsequenzen beraten und schließlich vorgeschlagen worden, die Abschalteinrichtung in VW-Modellen nicht offenzulegen. Winterkorn habe diesem Vorgehen zugestimmt.

Der frühere Vorstandschef hat stets jegliche persönliche Verstrickung in den Abgasskandal bestritten. Dass es eine Software zur Manipulation von Abgaswerten gebe, wisse er selbst erst seit September 2015. Damals war der Abgasskandal auf Druck der US-Umweltbehörden aufgeflogen. Winterkorn trat daraufhin von allen Ämtern in dem Großkonzern zurück.

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In Deutschland ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn wegen Betrugs und Marktmanipulation – also dem Vorwurf, die Anleger zu spät über die Abgasmanipulation informiert zu haben. Diese zeigt sich wenig beeindruckt von der Anklageerhebung ihrer Kollegen in den USA. „Nur weil die Amerikaner Herrn Winterkorn anklagen, ändert das nicht unser Ermittlungskonzept“, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Freitag.

Die Ermittlungen in dem Abgasskandal würden unverändert vorangetrieben. Es sei angedacht, den Anwälten im Sommer Akteneinsicht zu gewähren. Damit sei aber nicht gesagt, dass die Ermittlungen abgeschlossen würden. Denn die Anwälte hätten dann die Möglichkeit zur Stellungnahme, was weitere Untersuchungen nach sich ziehen könnte. Er rechne daher nicht mit einem Abschluss der Betrugsermittlungen in diesem Jahr.

Eine Auslieferung in die USA muss der einstige Konzernchef nicht befürchten, denn Deutschland liefert keine eigenen Staatsangehörige an die USA aus. Allerdings verzichtet Winterkorn laut Medienberichten auf Auslandsreisen. Winterkorn lebt in München.

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8 Kommentare zu "Ehemaliger VW-Chef: Winterkorn-Anwälte „erstaunt“ über Anklage in den USA"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr John Harris,

    sehen Sie doch mal VW gemäß Ihrem Vergleich als Nachahmungstäter. Ich finde, bei soviel Dummheit & Dreistigkeit geht eine drastische Strafe - auch zur Abschreckung weitere Nachahmungstäter - schon in Ordnung.

    Was die EU angeht fragen Sie vielleicht besser Ihre EU-Möchtegerne, die sich bei den kommenden EU-Wahlen für den Run auf die Fleischtöpfe in Brüssel warmlaufen.

  • Die US-Justiz prügelt auf ausländische Firmen und deren Vertreter ein. VW ist um den Faktor 260 schlechter behandelt worden als US-Truck Hersteller mit Abschalteinrichtung im Jahre 1998. Diese haben 20 Mal so viel Schadstoffe erzeugt, aber 13 mal weniger Strafe bezahlt. Gleichzeitig gab es keine strafrechtlichen Konsequenzen:
    https://bit.ly/2FHr00e

    Wann reagiert die EU auf Augenhöhe und klagt die Bankenvertreter an, die die ganze Welt vorsätzlich mit Schrottpapieren wie synthetic CDOs eingedeckt haben? Oder Goldman Sachs, die in Griechenland die Bilanzen vorsätzlich gefälscht haben?

  • Zitat Herr J.-Fr. Pella:
    "Die bundesdeutsche Justiz schützt deutsche Topmanager und Politiker.
    Die amerikanische Justiz schützt amerikanische Topmanager und Politiker.
    Wo ist der Unterschied?"

    Richtig. Es gibt keinen. Es ist überall KORPORATISMUS vom allerübelsten.
    Und was die USA betrifft: dort sitzen z.B. weder Richard "Dick" Fuld (Ex-CEO von Lehman Bros.) lebenslänglich im Knast, noch Henry "Hank" Paulson, noch werden Jamie Dimon oder Lloyd Blankfein jemals im Knast sitzen.
    Und erst recht wäre z.B. nie,nie, nie gegen Nelson Rockefeller wegen Verdacht auf Auftragsmord ermittelt worden:
    "An unnamed informant claimed that there was no gold left in Fort Knox. The sensational nature of the story, and of the newspaper, didn't contribute to the credibility of the account but it was later revealed that the informant, Louise Auchincloss Boyer, secretary to Nelson Rockefeller, had fallen out of the window of her New York apartment and died three days after the publication in the Tattler."
    http://theinternationalforecaster.com/topic/international_forecaster_weekly/Looking_in_Fort_Knox_for_its_Gold
    Das Einzige, was im deutschen Recht hier besser ist als im US-Recht, ist der Artikel 16 im GG.


  • @ Herr Moritz J. Mueller

    Sie täuschen sich: Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Piech hat erklärt, dass er schon seit Anfang 2015 von dem Betrug wusste.

    Er hatte dann bekanntlich versucht, den Vorstandsvorsitzenden Winterkorn zu stürzen "wegen Problemen im US-Geschäft".

    Dies wurde jedoch von den anderen Aufsichtsräten, wie z.B. den beiden SPD-Politikern Weil und ... verhindert.

    Also haben alle Dreck am Stecken, die damit nicht sofort an die Öffentlichkeit gegangen sind und Klartext geredet haben.

    Vermutlich wollten alle mit ihrem Insiderwissen zunächst ihre eigenen VW-Aktien zu damaligen Höchstpreisen noch an ahnungslose Outsider über die Börse verhökern, bevor die Bombe platzt.

    "Erstaunlich" ist nur, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig so überheblich auf die US-Ermittlungen reagiert und nicht zumindest Akteneinsicht von den US-Kollegen erbittet.

    Na ja. SPD-Weil ist schließlich Ministerpräsident in Niedersachsen und damit oberster Dienstherr und wer möchte schon gerne seinen Job riskieren?

  • Prof. Dr. Winterkorn sollte sich der US-Justiz stellen, um die Vorwürfe gegen ihn, über die
    seine Anwälte so „erstaunt“ sind, in einem öffentlichem Verfahren zu entkräften.

    Seltsamerweise hatte VW selbst ursprünglich versprochen, die internen Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen. Doch davon ist jetzt keine Rede mehr.

    Und seltsamerweise sind europäische VW-Kunden im Gegensatz zu US-Kunden von VW mit keinem einzigen Cent entschädigt worden. Ein Konzern, der Winterkorn eine Betriebsrente in Höhe von 3100 Euro am Tag zahlt

    Und seltsamerweise ist bislang noch keine Anklage gegen Prof. Dr. Winterkorn in Deutschland erhoben worden.

    Aber es ist wie in der Vergangenheit: Der buchstäbliche Dreck hinter der schönen VW-Fassade wurde zunächst in den USA ans Tageslicht gekehrt, im Ursprungsland des Übels wollte man diesen Dreck nicht sehen.

    Und jetzt preschen die USA in Sachen Winterkorn vor. Da müssten die Winterkorn-Anwälte
    eigentlich über das, was die deutsche Justiz bislang zu Tage - oder besser gesagt bislang nicht zu Tage - gebracht hat, „erstaunt“ sein.

    Das alles gilt es zu bedenken, wenn der nächste Autokauf ansteht.

  • Nun wird Herr Winterkorn also, zu recht, zur Rechenschaft gezogen. Schliesslich hat er seinen Vertrag und darauf folgend die Weisungen von oben, ja auch gerne unterschrieben und akzeptiert, bei den Vergütungen.... Nun sollte man aber auch noch weiter gehen und auch denjenigen zur Rechenschaft ziehen der die Weisungen ausgegeben hat. Nàhmlich den Controler in Person des Aufsichtsratsvorsitzenden (zu dieser Zeit). Denn eines sollte jedem klar sein. Ein Konzern wie VW ist eine strickte Piramide, wo die unteren Kader (angefangen vom Vorstandsvorsitzenden) nur das tun was den Oberen genehm ist.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Diskutieren erwünscht – aber richtig“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ich bin allenfalls darüber „erstaunt“, dass bislang noch keine Anklage gegen Prof. Dr. Winterkorn in Deutschland erhoben worden ist.

    Aber es ist wie in der Vergangenheit: Der buchstäbliche Dreck hinter der schönen VW-Fassade wurde zunächst in den USA ans Tageslicht gekehrt, im Ursprungsland des Übels wollte man diesen Dreck nicht sehen.

    Und jetzt preschen die USA in Sachen Winterkorn vor. Da müssten die Winterkorn-Anwälte
    eigentlich über das, was die deutsche Justiz bislang zu Tage - oder besser gesagt nicht bislang zu Tage - gebracht hat, „erstaunt“ sein.

    Und „erstaunt“ sollten europäische VW-Kunden auch deshalb sein, dass sie im Gegensatz zu US-Kunden von VW noch keinen einzigen Cent Entschädigung gesehen haben. Ein Konzern, Winterkorn eine Betriebsrente in Höhe von 3100 Euro am Tag zahlt

    Das alles gilt es zu bedenken, wenn der nächste Autokauf ansteht.

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