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Einkaufsmanagerindex Die deutsche Industrie boomt trotz steigender Infektionszahlen

Die Industrie schiebt aktuell die Gesamtwirtschaft an. Doch das Dienstleistungsgewerbe wird durch die Coronakrise ausgebremst – und könnte auch die Industrie anstecken.
23.10.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen hat jüngst seine Gewinnprognose erhöht. Quelle: dpa
Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich

Das Unternehmen hat jüngst seine Gewinnprognose erhöht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die zweite Welle der Corona-Pandemie, die Europa seit Anfang Oktober erfasst, hat offenbar bislang noch keinen Einfluss auf das verarbeitende Gewerbe in Deutschland. Laut Zahlen der britischen Marktforschungsfirma IHS Markit, die in Deutschland gemeinsam mit dem Einkäuferverband BME erhoben werden, stieg die Industrieproduktion im Oktober kräftig – auf einen Indexwert von 64,9.

Damit liegt dieser deutlich über dem Durchschnittswert von 50 – und sogar 2,5 Punkte höher als im September. „Wir markieren damit den Höchstwert seit 116 Monaten“, erklärte BME-Sprecher Frank Rösch.

An der Börse hatte sich dieser Trend bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Am Donnerstag hatte der Autohersteller Daimler seine Gewinnprognose erhöht, einen Tag zuvor der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich. Auch Industriedienstleister wie die Deutsche Post oder Hapag-Lloyd, die beide im abgelaufenen Quartal höhere Erträge als im Vorjahr erzielten, schraubten ihre Erwartungen zuletzt nach oben.

Nicht nur die Industrieproduktion stieg im Oktober weiter deutlich. Auch der Auftragseingang, die Beschäftigtensituation, die Preiserwartung und der Jahresausblick verbesserten sich. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex (EMI), der insgesamt zwölf dieser Einzelbewertungen umfasst, stieg auf den Wert von 58. Im September lag er noch bei 56,4.

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    Dass es für die deutsche Gesamtwirtschaft nur für ein Plus von 0,2 Punkten und den Indexwert von 54,5 reichte, liegt am wieder schwächer werdenden Servicesektor. Die neuen Schutzmaßnahmen, die in deutschen Corona-Risikogebieten zur Pandemiebekämpfung ausgerufen wurden, treffen insbesondere Hotellerie, Gastronomie und den Tourismussektor erheblich.

    Für Lieferketten zeichnen sich Risiken ab

    Schon für September hatte der BME einen „signifikanten Anstieg beim Auftragseingang“ gemeldet. Der Zuwachs gehörte laut Einkäuferverband zu den größten seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1996. Unterstützend habe das „kräftigste Plus im Export seit Dezember 2017“ gewirkt. Die 500 interviewten Unternehmen hatten dabei über eine gestiegene Nachfrage vor allem in Europa, China und der Türkei berichtet.

    Zwar setzte sich laut Einkaufsmanagerindex der Stellenabbau in der Industrie am Ende des dritten Quartals fort. Die vielerorts höhere Auslastung trage aber dazu bei, dass sich der Rückgang zum zweiten Mal hintereinander abschwächte.


    Für die Festigkeit der Lieferketten zeichnen sich Risiken ab: Die eigenen Läger für Vormaterial, so offenbarte die Umfrage, sind vergleichsweise leer. Der Abbau sollte bei den Firmen angesichts der drohenden Krise die Liquidität stärken, macht sie nun aber anfälliger gegenüber Engpässen bei Vorlieferanten.

    Völlig anders sorgte dagegen in den vergangenen Wochen der Einzelhandel vor: Schon seit Sommer füllen sich dort wieder die Läger, beobachten Analysten der Ratingagentur Fitch. Waren es zunächst asiatische Schutzmaterialen zur Virusbekämpfung, die einen wahren Strom von Schiffscontainern Richtung Europa auslösten, richtet sich Deutschlands Importnachfrage inzwischen auf Konsumgüter rund um den privaten Haushalt.

    So bestellten deutsche Handelshäuser in den vergangenen Wochen verstärkt Möbel, Küchen- und Badartikel sowie Haushaltsgeräte. „Auch Spielwaren und Sportbekleidung werden aktuell in großen Mengen eingeführt“, berichtet ein Sprecher der Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd.

    Fitch-Analyst Raman Singla glaubt, den Grund zu kennen. „Getrieben werden die Händler von der Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen im Weihnachtsgeschäft“, schrieb er jetzt in einer Studie.

    Brauwirtschaft fürchtet zweiten Lockdown

    Für Deutschland halten Fachleute wie Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, diese Gefahr allerdings für gering. Die Infektionszahlen stiegen zwar, sagt sie, allerdings seien diese nicht entscheidend für die wirtschaftliche Aktivität.

    Großkonzerne wie Siemens bestätigen dies auf Anfrage. Die Hygiene- und Schutzkonzepte seien auf mehrere Phasen einer Pandemie ausgelegt und griffen gut, heißt es in der Münchener Zentrale. Wenn alle Kollegen sich an die Vorgaben hielten, sei die Gefahr gering, sich anzustecken – selbst wenn es infizierte Kollegen am Arbeitsplatz gebe.

    Alle relevanten News zur Coronakrise finden Sie in unserem Corona-Briefing. Hier anmelden.

    Infizieren könnten sich allerdings Teile der verarbeitenden Industrie am Ende selbst – und zwar an der stärker von Corona getroffenen Dienstleistungswirtschaft. Diese Schwäche könne in den kommenden Monaten auch auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen, warnt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. 

    Eines der ersten Opfer ist bereits jetzt die Brauwirtschaft. Der leichte Anstieg beim heimischen Bierkonsum konnte die Einbußen im Gastgewerbe bislang kaum ausgleichen. Der erste Lockdown bescherte den deutschen Brauern ein Absatzminus von fast 20 Prozent. „Ein zweiter Lockdown zu Beginn der kälteren Jahreszeit hätte für die Brauwirtschaft verheerende Folgen“, sagte Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, dem Handelsblatt. 

    Nicht das Virus selbst bedrohe die deutsche Wirtschaft, stellt deshalb Helaba-Ökonomin Traud fest, „sondern die Einschränkungen durch die Politik“.
    Mitarbeit: Axel Höpner

    Mehr: Die Angst vor dem zweiten Lockdown: Was bleibt von unserer Freiheit?

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