Einstieg in Brasilien Energieriese Eon steigt in den brasilianischen Strommarkt ein

Deutschland ist für Energiekonzerne spätestens seit der Ankündigung des Atomausstiegs kein Wachstumsmarkt mehr. Deshalb setzt Branchenführer Eon jetzt aufs Ausland - und beteiligt sich an einem brasilianischen Versorger.
Update: 11.01.2012 - 12:45 Uhr 6 Kommentare

DüsseldorfDer größte deutsche Energiekonzern Eon steigt in den stark wachsenden brasilianischen Markt ein. Eon erwerbe zehn Prozent der Anteile an dem brasilianischen Versorger MPX, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Eon zahle für die Beteiligung rund 350 Millionen Euro. Die Konzerne kündigten an, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, das in Brasilien und Chile Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 20.000 Megawatt betreiben will. Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2012 über die Bühne gebracht werden.

Eon war seit über einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Auslandsmarkt, da die Wachstumschancen in Europa begrenzt sind. Mit dem Einstieg in Brasilien kann Eon-Chef Johannes Teyssen bei der angestrebten Expansion in neue Märkte einen ersten Erfolg melden.

Die beiden Partner wollten aber Milliardenbeträge in gemeinsame Kohle- und Gaskraftwerke investieren.

MPX gehört dem Milliardär Eike Batista. In der Forbes-Liste der reichsten Menschen steht er mit einem Vermögen von 30 Milliarden Dollar an achter Stelle. Seine Holding EPX kontrolliert neben Öl-, Bergbau- und Logistikkonzernen auch den Strom- und Gasversorger MPX. Dieser ist in Brasilien, Chile und Kolumbien aktiv - und vor allem wegen seiner vielen Investitionsprojekte begehrt.

Teyssen hatte schon im Herbst 2010, also noch vor dem Atomausstieg, angekündigt, dass sich Eon erstmals in Märkten außerhalb Europas engagieren wolle. Der Energiemanager verspricht sich dort höhere Wachstumschancen als in Europa.

Während in Europa der Stromverbrauch stagniert, wächst er in den Schwellenländern. Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2035 für die Europäische Union mit einem jährlichen Wachstum der Stromproduktion um lediglich 0,5 Prozent, für Brasilien dagegen mit 3,1 Prozent. Neben Brasilien hat Teyssen unter anderem auch die Türkei und Indien im Visier. Vermutlich dürfte MPX auch nicht das einzige Engagement bleiben.

Der Eon-Chef kann einen Erfolg gut gebrauchen. Vor Weihnachten musste Teyssen sich im Bieterkampf um eine Beteiligung an dem portugiesischen Versorger EDP einem chinesischen Konkurrenten geschlagen geben. Auch über einen Einstieg bei EDP hatte er sich Zugang zum brasilianischen Markt erhofft.

  • juf
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6 Kommentare zu "Einstieg in Brasilien: Energieriese Eon steigt in den brasilianischen Strommarkt ein"

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  • Was siund reelle Leistungen?
    Wieso sind die 350 Mio., in ein lukratives Unternehmen investiert weg? Was hat das Investment mit dem Thyssen-Desaster zu tun?
    Wieso sollte man in Deutschland, dem Wirtschaftsstärksten Standort in Europa nicht investieren?

    Was für qualifizierte Kommentare! Da möchte ich gerne mal auf Dieter Nuhr verweisen: "Wer keine Ahnung hat..."

  • Der eigentliche zukunftsreiche Wachstumsmarkt sind erneuerbare Energien, und da haben einige Stromkonzerne geschlafen.

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    Aber nicht wegen den Politikern, sie sind nur der Spiegel der Gesellschaft.
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    Einer der einen klaren Kopf hat inwestiert hier keinen Cent.
    .

  • Weggejagt ist schon richtig. Bedauerlich, denn deren Leistung war immer gut und reell.

    Die 350 Millionen Euro sind allerdings auch futsch. Oder glaubt hier jemand, daß die Brasilianer jemals Eon dort Gewinn erzielen lassen? Die lachen doch schon jetzt über das dumme Deutsche Geld, das sie für Schrottanteile bekommen. Siehe Thyssen mit seinem Stahlwerk dort.

    So kommt Eon letztlich als Pleitier wieder beim Steuerzahler an und muß gerettet werden.

  • Tja, sozusagen ausser Landes gejagt - die deutschen Politiker werden immer unfähiger. Anstatt die Industrie im Land zu halten, werfen sie den Firmen ständig neue Knüppel zwischen die Beine.
    Anschliessend wundern sich dann warum Arbeitspätze abgebaut werden.
    Wirklich erschreckend ist jedoch, dass diese Verwunderung nicht einmal gespielt ist, sondern aus einem tiefen Mangel an wirtschaftlichem Verständnis herrührt.

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