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Einzelhandel Chipmangel trifft jetzt auch Computerbranche: Laptops und PCs werden knapp

Fehlende Computerchips und Engpässe im Frachtverkehr machen Elektronikgeräte zur Mangelware. Bitter für Kunden: Auch die Preise steigen deutlich.
19.07.2021 - 15:29 Uhr Kommentieren
Händler machen sich Sorgen wegen des drohenden Laptopmangels.
Laptops

Händler machen sich Sorgen wegen des drohenden Laptopmangels.

Düsseldorf, München Der Chef des Elektronikhändlers Notebooksbilliger.de macht sich große Sorgen um sein Geschäft. Denn genau für seine wichtigsten Produkte – die Notebooks – fehlen zentrale Vorprodukte. „Wichtige Komponenten wie Chips und Panels werden für mindestens die nächsten zwölf bis 18 Monate Mangelware bleiben“, warnt Oliver Hellmold.

Und das wird Folgen für sein Sortiment haben – und für die Kunden. „Verbunden mit den weiterhin steigenden Frachtraten im See-, Luft- und Schienenverkehr wird das unserer Meinung nach zu massiven Preiserhöhungen bei Notebooks, PCs und Monitoren führen“, prognostiziert Hellmold.

Für die Elektronikhändler ist das der größte anzunehmende Unfall – ist doch die zweite Jahreshälfte mit dem Höhepunkt Black Friday für sie die wichtigste Zeit. Denn es werden wohl nicht nur die Preise steigen, sondern auch viele Produkte nicht verfügbar sein.

Schon jetzt bekommen die PC-Hersteller den Chipmangel zu spüren. Im zweiten Quartal stieg der Absatz zwar noch um rund fünf Prozent auf 72 Millionen Stück, wie der Marktforscher Gartner erhoben hat. Das sei allerdings eine deutliche Verlangsamung des Wachstums gegenüber dem Jahresanfang – auch wegen Lieferengpässen bei wichtigen Komponenten.

Das hat nach Einschätzung der Marktforscher jetzt schon deutliche Auswirkungen. Die Vorlaufzeit für die Lieferung bestimmter Laptop-Modelle hätte sich auf bis zu 120 Tage verlängert, so Gartner.

Lenovo und Dell fürchten längeren Chipmangel

Die PC-Hersteller machen dem Handel auch keine Hoffnung, dass sich diese Situation bald wieder entspannen könnte. Im Gegenteil: Sie stellen sich darauf ein, dass der Chipmangel länger anhält.

Gianfranco Lanci, Topmanager des chinesischen Weltmarktführers Lenovo, beispielsweise spricht davon, dass die Probleme zwölf bis 18 Monaten dauern dürften. Dell-Technologies-Gründer und Chef Michael Dell spricht sogar von mehreren Jahren: „Auch wenn überall in der Welt Chipfabriken gebaut werden, das braucht Zeit“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt.

Und genau das macht sich auf den Preisschildern im Elektronikhandel bemerkbar: Die Hersteller reichen die höheren Kosten an die Kunden weiter, was dank der hohen Nachfrage derzeit gut möglich ist. Dafür sind nicht zuletzt die Folgen der Pandemie verantwortlich. Denn viele Menschen, die plötzlich aus dem Homeoffice arbeiten sollten, brauchten neue Geräte. Und auch viele Behörden und Schulen haben im großen Stil Laptops bestellt und damit die Nachfrage angeheizt.

Die Hersteller umschreiben die Preiserhöhungen eher vornehm. „Die Gesetze von Angebot und Nachfrage“ hätten HP im abgelaufenen Quartal „mit einer besseren Preisgestaltung geholfen“, sagte kürzlich Finanzchefin Marie Myers. Und bei Marktführer Lenovo ist davon die Rede, dass man „die notwendige Rentabilität erhalten“ wolle.

Preise für DRAM-Chips steigen stark

Auch von den Chipherstellern kommen keine Entspannungssignale. „Ich gehe nicht davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage in der Chipindustrie vor 2023 wieder in Einklang befinden“, sagte jüngst Intel-Chef Pat Gelsinger. Im Gegenteil: „Für eine Vielzahl von Branchen wird es eher noch schlimmer, bevor es sich bessert“, warnte der Chef des größten Halbleiterherstellers der Erde. Intel stattet den größten Teil aller PCs und Notebooks weltweit mit seinen Prozessoren aus. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners.

Das Angebot an Speicherchips werde bis ins nächste Jahr hinein knapp bleiben, warnte auch Micron-Chef Sanjay Mehrotra Anfang des Monats. Die Nachfrage steige und damit auch die Preise, so der CEO des drittgrößten Speicherchipherstellers der Welt. Im jüngsten Quartal ist der Umsatz des US-Konzerns um gut ein Drittel in die Höhe geschossen.

Grafik

IBK Securities zufolge ist der durchschnittliche Preis für sogenannte DRAM-Chips im zweiten Quartal um 15 Prozent geklettert, der für NAND-Speicher um drei Prozent. NAND-Chips speichern Daten, auch wenn das Gerät ausgeschaltet ist, wohingegen DRAM ein reiner Arbeitsspeicher ist.

Damit nicht genug: Die Kunden der Halbleiterhersteller mussten im Mai im Schnitt viereinhalb Monate warten, bis sie nach der Bestellung beliefert wurden. Das waren noch einmal sieben Tage mehr als im April, so die Susquehanna Financial Group. Es sei die längste Lieferfrist, seit der Experten 2017 damit begonnen haben, die Daten zu erfassen.

Vor allem Leistungshalbleiter seien knapp. Wer Chips für die Stromversorgung zum Beispiel von Computern oder Smartphones braucht, müsse sich inzwischen mehr als ein halbes Jahr gedulden.

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Notebooksbilliger plant mit erneutem Lockdown

Und der Handel fürchtet nicht nur den Chipmangel. Denn bald droht auch eine Rückkehr der Coronakrise die Situation zusätzlich zu verschärfen. „Sollte es dann eine vierte oder eventuell sogar fünfte Corona-Welle mit Lockdowns geben – egal ob in asiatischen Produktionsländern oder europäischen Abnehmerländern –, wird dieser Effekt sicher noch verstärkt“, ahnt Notebooksbilliger-Chef Hellmold.

Und auch eine erneute Zuspitzung der Pandemie hat der Händler schon einkalkuliert. „Wir planen aktuell mit einem Lockdown in Deutschland ab Oktober“, sagt Hellmold.

Marktführer Media-Markt-Saturn ist noch vorsichtig in seinen Prognosen. „Derzeit haben wir keinen Engpass“, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Noch sei in den Märkten und Lagern ausreichend Ware vorhanden.

Doch auch Media-Markt-Saturn sieht natürlich, dass die Situation sich zuspitzt. „Selbstverständlich beobachten wir die aktuelle Lage sehr genau und analysieren permanent den internationalen Markt“, erklärt der Sprecher. „Wir stehen mit unseren Lieferanten und Logistikdienstleistern in einem engen Austausch, um auch in diesen Zeiten unseren Kunden die besten Produkte und Services anbieten zu können.“

Experten erwarten Rückgang der Nachfrage

Das bedeutet dann in der Praxis wohl, dass es auch beim Marktführer Lücken im Regal geben wird. Doch hofft der Händler, dass er den Kunden immerhin eine Alternative bieten kann, wenn ein Produkt vergriffen ist. „Dank unseres breiten Sortiments können wir weiterhin zu jedem Kundenwunsch jeweils ein passendes Produkt oder den entsprechenden Service bereitstellen“, heißt es dazu etwas vage von Media-Markt-Saturn.

Entspannung könnte dabei aus einer ganz anderen Richtung kommen – nämlich durch eine zurückgehende Nachfrage. Denn der größte Boom seit zehn Jahren, den die PC-Branche zurzeit erlebt, dürfte nach Einschätzung der Marktforscher nicht anhalten, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Es gebe „gemischte Signale“ bei der Nachfrage, sagt Neha Mahajan, Analystin bei IDC.

Durch das Wiederanlaufen der Wirtschaft nach der Coronakrise sei die Nachfrage aus den Unternehmen zwar vielversprechend. Es zeichne sich jedoch ab, dass sich die Prioritäten der Verbraucher mit dem Ende der Pandemie wieder verschöben.

Und auch die höheren Kosten dürften Folgen haben. „Die steigenden Preise könnten die PC-Nachfrage in den nächsten sechs bis zwölf Monaten weiter bremsen“, warnt Gartner-Analyst Mikako Kitagawa. Doch das dürfte dann weder die Händler trösten noch ihre Kunden.

Mehr: Weitere Preissteigerung um 30 Prozent bis Jahresende: Wie Holz und andere Rohstoffe immer teurer werden.

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