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Eisenach unter Druck „Krasse Fehlplanung“: Opel kämpft mit massiven Problemen bei der SUV-Produktion

Statt Kleinwagen fertigt Opel nun SUVs in Eisenach. Doch beim Modellwechsel hakt es. Opel hinkt beim Grandland X dem eigenen Plan deutlich hinterher.
04.10.2019 - 19:27 Uhr Kommentieren
Der Grandland X wird weit unter Plan produziert. Quelle: dpa
Opel in Eisenach

Der Grandland X wird weit unter Plan produziert.

(Foto: dpa)

München Opel-Chef Michael Lohscheller war voll des Lobes. „Was in den letzten zehn Wochen hier passiert ist, ist wirklich bemerkenswert“, beglückwünschte der Manager Ende August seine Mannschaft beim Produktionsstart des Stadtgeländewagens Grandland X.

Dutzende Monteure und Ingenieure hatten sich im Beisein von Ehrengästen wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), entlang der Fertigungslinie im Opel-Werk in Eisenach eingefunden und lauschten den Worten ihres Geschäftsführers.

Der bedankte sich mehrmals bei seiner Truppe. Schließlich hätten die 1400 Beschäftigten die Traditionsfabrik im Eiltempo „umgestellt auf die Zukunft“, so Lohscheller.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten lief im Mai 2019 der letzte Corsa in Eisenach vom Band. Und lediglich einen Sommer Umrüstungszeit später könne man schon den ersten Grandland X „Made in Germany“ bewundern.

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Standort erkennen

    „Das ist eine Weltrekordleistung“, konstatierte Lohscheller. Man müsse sich das einmal vorstellen: weg von Kleinwagen hin zu SUVs. „Wirklich etwas Historisches“, frohlockte der Frontmann der Marke mit dem Blitz: „Wir können so stolz darauf sein“.

    Heute hören die Opel-Fachkräfte in Eisenach dagegen ganz andere Töne. Geht es nach der Werksleitung sollen sie mehr arbeiten, am besten jeden Samstag noch eine Spätschicht fahren.

    Der Grund: Opel hat den Start der Serienproduktion des Grandland X in Thüringen versemmelt. Statt 220 Autos pro Schicht laufen derzeit nur etwa 90 Wagen vom Band, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen.

    Die Folge: Gegenüber der ursprünglich avisierten Anlaufkurve liegt der Grandland X in Eisenach bereits mit mehr als 4000 Einheiten unter Plan. Intern ist von einer „krassen Fehlplanung“ die Rede. Ein Unternehmenssprecher erklärt dazu: „Es gibt keine Schwierigkeiten bei der Produktion des Grandland X, um die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen“. Das stimmt, Kunden dürften von der Misere zunächst nichts merken. Aber nur, weil Opel den Grandland X derzeit noch an zwei Standorten fertigt.

    Alte Maschinen, anfällige IT

    Anfang 2020 dürfte die Produktion des Modells im französischen Sochaux allerdings auslaufen. Spätestens dann müssen die Prozesse in Eisenach stimmen. Der holprige Anlauf des Grandland X in Thüringen lässt aber nichts Gutes erahnen, er ist vielmehr peinlich und alarmierend zugleich. Denn der SUV ist nicht einfach irgendein Modell für Opel, sondern de facto das neue Flaggschiff der Marke. Weil die Verkäufe der Limousine Insignia drastisch einbrechen, muss der Grandland X für die nötigen Stückzahlen und Deckungsbeiträge sorgen.

    Gebaut wird das Modell hierzulande erstmals auf der flexiblen EMP2-Plattform des Opel-Mutterkonzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS). So können auf einer Fertigungslinie sowohl Diesel, Benziner als auch elektrische Varianten wie Plug-in-Hybride produziert werden – je nachdem, welche Antriebsform die Kundschaft gerade ordert. „Hochintelligent“, nennt Lohscheller diesen Ansatz. Zugleich ist die Methode komplex und bedarf modernster Technik.

    Grafik

    „PSA war aber der Meinung, mit ganz wenig Geld, ganz viel produzieren zu können“, heißt es in Opel-Konzernkreisen. Diese Rechnung sei nicht aufgegangen. Man habe den Monteuren teils 20 Jahre alte Maschinen vorgesetzt. Zudem hakt es bei der IT, die im Zuge der neuen Plattform komplett auf ein PSA-System umgestellt werden musste.

    Nun könnten in Eisenach teure Nachbesserungsarbeiten fällig werden. Die Arbeitnehmervertreter drängen das Management dazu, in bessere Maschinen zu investieren, heißt es in Konzernkreisen. Die Werksleitung gibt dagegen den Opel-Anlagenbauern die Schuld. Diese müssten die geforderten Qualitätsansprüche hinbekommen – mit der bestehenden Technik. Ein Insider beschreibt die Stimmung in der Fabrik als „emotional“ – gelinde gesagt.

    Mehr: Opel will noch im Oktober wegen der schwachen Nachfrage an seinem Stammsitz kurzarbeiten lassen. Fast 2600 Mitarbeiter sind betroffen.

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