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Eisenbahn Sorge um Corona-Infektionen: Bahnindustrie setzt auf neue Technologien

Klimaanlagen, Passagierströme, kontaktfreie Türen: Die Bahnindustrie ringt um intelligente digitale Lösungen in der Coronakrise. Branchenverbände sehen großen Handlungsbedarf.
26.08.2020 - 16:23 Uhr Kommentieren
Bahnindustrie: VDB-Chef Rodenbeck sieht akuten Handlungsbedarf wegen Corona Quelle: imago images/Future Image
Coronaschutz und Bahnfahren

Die Bahnindustrie will Gedrängel beim Ein- und Ausstieg durch den Einsatz von Überwachungssystemen verhindern.

(Foto: imago images/Future Image)

Düsseldorf Die Bahnindustrie sieht in der Corona-Pandemie eine Chance, neue Technologien und die Digitalisierung im Bahnverkehr voranzutreiben und damit auch den Schutz vor Infektionen in Zügen zu verbessern. Fahrgastverbände und Politiker streiten dabei mit den Bahnunternehmen um Reservierungspflicht und die Durchsetzung der Maskenverordnung.

Andre Rodenbeck, der neue Präsident des Verbands der deutschen Bahnindustrie (VDB), versichert dagegen: „Es gibt technische Lösungen, die schnell und optimierend eingesetzt werden können.“ Als Beispiel nannte der Siemens-Manager berührungslose Türöffner oder im 3D-Druck hergestellte Aufsätze für Griffe, die ermöglichen, dass Türen auch mit dem Arm geöffnet werden können.

Vor allem Türen seien „neuralgische Punkte“. Wenn es bei Ein- und Ausstieg etwa wegen Störungen zu „Verdichtungen von Passagierströmen“ komme, sei das nicht mit den Covid-19-Schutzmaßnahmen vereinbar, heißt es in einem Positionspapier des Verbands.

Sinnvoll seien eine verstärkte vorausschauende Wartung der Züge und der Einsatz von Sensorik. Diese Technik sei in Erprobung und kurzfristig einsetzbar. Auch berührungsfreie Türöffnung und die Überwachung der Eingangsbereiche hätten einen „schnellen spürbaren Effekt“.

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    Heftig in der Öffentlichkeit diskutiert wird auch die Frage, ob die Klimaanlagen in Zügen das Infektionsrisiko erhöhen. Rodenbeck sagt, darauf gebe es „keine Hinweise“. Aber durch „intelligente Adaption der Klimaanlagenkapazität an die Auslastung im Zug“ könnte die Wirkung von Klimaanlagen noch verbessert werden.

    Vorstellbar seien auch „softwaregestützte Anpassungen, die eine weitere Optimierung der Frischluftrate erlauben“, wodurch die Zeit für einen vollständigen Innenluftaustausch verkürzt werden könnte.

    „Die Verunsicherung ist spürbar“

    Die Branche fürchtet allerdings auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Nach einer Umfrage des Verbands rechnen 77 Prozent der Unternehmen mit Exporteinbußen bis März nächsten Jahres. Die Branche sehe die Auftragsperspektiven mit großer Sorge, heißt es. Bislang berichtete die Bahnindustrie von guter Auftragslage, unter anderem weil der Schienenverkehr als ein Gewinner der Klimadebatte gilt.

    „Die Verunsicherung ist spürbar“, sagte Rodenbeck dem Handelsblatt. „Die Unternehmen fragen sich, wie schnell das Vertrauen der Fahrgäste wieder wächst.“ Zum Glück sei zumindest in Deutschland die „Systemrelevanz“ der Bahn erkannt worden. „In der Coronakrise ist viel getan worden, um das System Bahn am Laufen zu halten“, meint der Manager.

    Rodenbeck übernahm kurzfristig die Präsidentschaft beim VDB, nachdem sein Vorgänger Michael Fohrer im Juli überraschend das Amt aufgegeben hatte. Fohrer war als Chef von Bombardier Deutschland zurückgetreten. Rodenbeck leitet den Bereich Infrastruktur Siemens Mobility und verantwortet damit den Teil der Bahntechnik, der eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung des Schienenverkehrs spielen wird.

    Das größte Effizienzpotenzial wird in der Digitalisierung gesehen. Allein in Deutschland sind nach einem Gutachten für das Bundesverkehrsministerium 28 Milliarden Euro nötig, um das europäische Zugsicherungs- und Zugleitsystem ETCS zu installieren.

    Das soll unter anderem 20 Prozent mehr Kapazitäten etwa durch dichtere Zugfolgen auf dem Netz schaffen, ohne einen Kilometer neues Gleis bauen zu müssen. Das ETCS ist laut Rodenbeck auch für einen reibungslosen grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr wichtig.

    Corona: Bahn-Industrie muss auf Digitalisierung setzen Quelle: VDB
    VDB-Präsident Andre Rodenbeck

    „Alle haben verstanden, dass investiert werden muss.“

    (Foto: VDB)

    Geplant ist eine Umsetzung bis 2040, für die ersten Projekte wie die Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart haben Bahn und Bundesverkehrsministerium am Dienstag einen Finanzierungsvertrag unterschrieben. Für Stuttgart sind Investitionen von 462,5 Millionen Euro veranschlagt.

    Stuttgart ist eines von drei Pilotprojekten aus dem „Starterpaket Digitale Schiene Deutschland“, mit denen Bundesregierung und Bahn die flächendeckende Streckenausrüstung mit digitaler Technik vorantreiben wollen. Die weiteren Projekte sind die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main und der transeuropäische Korridor „Skandinavien-Mittelmeer“.

    „Die Technologie ist da, wir sind bereit zu liefern“, sagte Rodenbeck. Er ist zuversichtlich, dass Bahnbetreiber, Bahnindustrie und auch die Zulassungsbehörden an einem Strang ziehen werden, um das ehrgeizige Digitalisierungsprogramm zu realisieren. Es müssen nicht nur die Strecken umgerüstet werden, sondern auch die Lokomotiven. „Alle haben verstanden, dass investiert werden muss.“ Aber ETCS sei eben kein reines Technologieprogramm.

    Die Bahnbranche beschäftigt in Deutschland 53.000 Mitarbeiter und macht rund zwölf Milliarden Euro Umsatz, 40 Prozent davon mit ausländischen Auftraggebern.

    Mehr: Wie Deutschlands älteste Waggonfabrik den Neustart geschafft hat.

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