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Eisenbahntechnik Vossloh hofft auf den Deal mit CRRC

Ex-Bahn-Chef Rüdiger Grube soll Chefaufseher des Schienentechnikkonzerns werden – und könnte dem chinesischen Hersteller CRRC zum Durchbruch verhelfen.
07.01.2020 - 16:49 Uhr Kommentieren
Ein Mitarbeiter montiert eine Weiche bei Vossloh Cogifer im Werk Reichshoffen in Frankreich. Quelle: Vossloh
Vossloh

Ein Mitarbeiter montiert eine Weiche bei Vossloh Cogifer im Werk Reichshoffen in Frankreich.

(Foto: Vossloh)

Düsseldorf An der Börse hat der Schienentechnikkonzern Vossloh schon bessere Zeiten gesehen. Zuletzt dümpelte die Notierung zwischen 32 und 37 Euro. In guten Zeiten war der Spezialist für Schienenbefestigungstechnik doppelt so viel wert. Das ist einige Jahre her.

Umso wichtiger sind gute Nachrichten. An diesem Mittwoch kehrt Vossloh in den SDax zurück. Und am Montag gab das Unternehmen aus Werdohl im Sauerland bekannt, dass der Aufsichtsrat prominenten Zugang verzeichnet. Rüdiger Grube, von 2009 bis 2017 Chef der Deutschen Bahn, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Eine von Grubes ersten großen Aufgaben wird es sein, den Verkauf der Vossloh-Lokfabrik Kiel an den chinesischen Großkonzern CRRC unter Dach und Fach zu bringen – und so den Weg für die Chinesen in Europa frei zu machen. Der Deal hängt noch an den Genehmigungen durch Kartellamt und Bundeswirtschaftsministerium.

Laut Vossloh laufen die Verfahren. In Regierungskreisen wurde der Fall in der Vergangenheit allerdings kritisch gesehen. Grube ist nicht der erste Manager des Staatskonzerns, der bei Vossloh anheuert. Noch gar nicht lange ist es her, dass Volker Kefer, ehemaliger Technik- und Infrastrukturchef der Bahn, den Aufsichtsratsvorsitz führte.

Grube wird im Kontrollgremium zudem auf Sigrid Nikutta treffen, seit dem 1. Januar Vorständin für den Güterverkehr der Deutschen Bahn. Bei Vossloh steht Nikutta allerdings noch mit ihrer vormaligen Aufgabe auf der Website: Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe. Bis September wäre Grube auf einen weiteren Ex-Staatseisenbahner getroffen.

Andreas Busemann war bis dahin Vossloh-Vorstandschef und zuvor in verschiedenen Managementfunktionen bei der Deutschen Bahn. Grube ging 2017 nach acht Jahren als Bahn-Chef im Streit mit dem Aufsichtsrat um seine Vertragsverlängerung.

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Später handelte er sich heftige Kritik ein, weil er 2,2 Millionen Euro als Abfindung ausbezahlt bekam, obwohl er sein Amt selbst zur Verfügung gestellt hatte. Zuletzt bekräftigte der Bundesrechnungshof, die Zahlung sei nicht rechtmäßig gewesen.

Nur noch zwei Vorstandsmitglieder

Das Personaltableau von Vossloh ist mit dem Einstieg des Knorr-Bremse-Großaktionärs Heinz Hermann Thiele in Bewegung geraten. Thiele war 2013 neben der Familie Vossloh zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen, 2015 übernahm er die Kontrolle. Derzeit hält der Münchener Unternehmer gut 50 Prozent der Anteile.

Busemann war wie sein Vorgänger nur etwa drei Jahre im Amt. CEO des Unternehmens ist seit dem Herbst Oliver Schuster, zuvor Finanzchef des Unternehmens. Der Vorstand war 2019 von drei auf nur noch zwei Mitglieder reduziert worden. Begründung: Diese Verschlankung der obersten Führungsebene trage der Konzentration auf das Kerngeschäft Bahninfrastruktur Rechnung.

Tatsächlich schrumpft Vossloh seit einigen Jahren. Das Unternehmen konzentriert sich auf Weichen, Schienenbefestigungssysteme und Gleisbearbeitungsmaschinen. Elektrische Fahrzeugausrüstung und andere Randaktivitäten hat Vossloh abgegeben, darunter auch die Lokomotivfabrik im spanischen Valencia.

Spektakulär aber ist ein Deal der jüngeren Vergangenheit: der Verkauf von Vossloh Locomotives an CRRC im August. Die Tochter besteht im Wesentlichen aus der Lokfabrik in Kiel. Gefertigt werden dieselelektrische und -hydraulische Lokomotiven, die unter anderem im Rangierdienst eingesetzt werden.

Wegen der kleinen Stückzahlen war das Geschäft nicht profitabel. Bezogen auf den Konzerngewinn hat Vossloh Locomotives vielmehr über zehn Jahre Verluste von rund 100 Millionen Euro eingefahren. Darüber hinaus hat Vossloh einen eigenen Lokpool mit rund 70 Fahrzeugen zur Vermietung aufgebaut. Dadurch konnte zwar die Produktion ausgelastet werden. Das Bewertungsrisiko lag allerdings in der Vossloh-Bilanz.

Chinesen dringen vor

Für den Käufer CRRC wäre die Übernahme der Lokfabrikation vor allem der Markteintritt in Europa – ein sensibles Thema. Die Bahntechnikkonzerne Siemens und Alstom hatten ihren von der EU untersagten Zusammenschluss auch mit dem Vordringen der Chinesen begründet.

Die Wettbewerbskommission sah diese Gefahr nicht. Vossloh beherrscht etwa die komplizierten Zulassungsverfahren für Eisenbahnfahrzeuge, was wichtig für die Chinesen ist. Ironie der Geschichte: Grube war es, der als Bahn-Chef seine Fühler auch gen China ausstreckte, um CRRC als weitere Einkaufsquelle für Züge und Bahnmaterial zu akquirieren.

Damals waren Alstom, Bombardier und Siemens die Hoflieferanten des Staatskonzerns. Wenn unter Grubes Regie als Vossloh-Chefaufseher der Vertrag mit CRRC nun abgeschlossen werden kann, wird sein Plan aufgehen – wenn auch anders und mit Verspätung.

Mehr: Viele Ex-Bahn-Manager zieht es zum Bahntechnikkonzern Vossloh: Rüdiger Grube kann als neuer Chefkontrolleur dem chinesischen Großkonzern CRRC helfen, in Europa Fuß zu fassen.

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