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Siemens-Kraftwerk in Ägypten

In Rekordzeit baute der Konzern drei große Gaskraftwerke in der ägyptischen Wüste. Insgesamt betrug das Auftragsvolumen einschließlich Windkraft etwa acht Milliarden Euro. Im Irak geht es laut Industriekreisen um eine ähnliche Summe.

(Foto: Siemens)

Elektrifizierung GE will Siemens den Milliardenauftrag im Irak nicht kampflos überlassen

Siemens macht sich große Hoffnungen auf einen Milliardenauftrag im Irak. Aber Rivale GE will noch in dieser Woche ein Konkurrenzangebot vorlegen.
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München General Electric will den Milliardenauftrag zur Elektrifizierung des Iraks nicht kampflos dem Erzrivalen Siemens überlassen. In diesen Tagen reist nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen eine hochrangige Delegation der Amerikaner nach Bagdad, um ein Konkurrenzangebot abzugeben.

Am Sonntag hatte Siemens-Chef Joe Kaeser beim irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi vorgesprochen. Der Münchener Dax-Konzern macht sich große Hoffnungen auf den Zuschlag.

Die beiden Infrastrukturkonzerne liefern sich damit ein Wettbieten auf der politischen Weltbühne. Der Auftrag verspricht Milliardenumsätze und Prestige. „Der Kraftwerksmarkt ist für alle Anbieter schwierig“, sagt ein Brancheninsider. „Da ist so ein Großauftrag für jeden Hersteller ein Segen.“

General Electric steckt in der Krise und könnte das Megageschäft gut gebrauchen. Seit sechs Monaten sondieren die Amerikaner laut Industriekreisen ihre Chancen im Irak. Der US-Konzern ist dort seit mehr als 50 Jahren aktiv und hat 300 Mitarbeiter vor Ort.

In den Verhandlungen mit der irakischen Regierung sieht GE aber vor allem ein gewichtiges Argument auf seiner Seite: 60 Prozent der installierten Kraftwerksbasis des Landes basieren Insidern zufolge auf GE-Technologie. Wer könne da besser modernisieren als der Hersteller selbst, so die Argumentation dahinter. Zudem sieht auch das GE-Angebot zusätzliche Kapazitäten, eine Modernisierung der Netze und weitere Maßnahmen vor.

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Siemens-Chef Kaeser gab sich am Montag trotz des Bemühens der Amerikaner zuversichtlich. Entscheidend sei: „Wir haben es schon einmal gemacht“, sagte er dem Nachrichtensender CNBC. Wer will, konnte das durchaus als Seitenhieb auf General Electric verstehen.

Denn die Blaupause für das Siemens-Angebot ist ein vergleichbarer Deal in Ägypten. Dort hatten die Münchener in den Verhandlungen GE ausgestochen. In Rekordzeit bauten sie drei große Gaskraftwerke in der ägyptischen Wüste. Insgesamt betrug das Auftragsvolumen einschließlich Windkraft etwa acht Milliarden Euro. Im Irak geht es laut Industriekreisen um eine ähnliche Summe.

„Schlafende Hunde in Boston geweckt“

Auch in dem kriegsgebeutelten Land will Siemens dabei ein ganzheitliches Konzept umsetzen. „Es geht nicht darum, einfach ein paar Turbinen hinzustellen und sich wieder zu verabschieden“, hieß es in Industriekreisen. Ziel ist es, mithilfe von Siemens-Technologie 23 Millionen Iraker rund um die Uhr zuverlässig mit Strom zu versorgen. Konkret geht es um elf Gigawatt. Damit würde der Irak seine Stromerzeugungskapazitäten um 50 Prozent erhöhen.

Die Bemühungen von Siemens blieben allerdings nicht unbemerkt. „Da wurden schlafende Hunde in Boston geweckt“, meinte ein Branchenkenner. Im GE-Hauptquartier sei man natürlich an dem Großauftrag interessiert. Durch die teure Alstom-Übernahme hatten die Amerikaner ihre Aktivitäten bei großen Gasturbinen sogar noch verstärkt – kurz bevor der Weltmarkt einbrach. Daher hat die Kraftwerkssparte wie bei Siemens mit Umsatz- und Gewinnrückgängen zu kämpfen.

Kaeser wertete seine Verhandlung mit der irakischen Regierung als Erfolg. Das Treffen sei „sehr konstruktiv“ gewesen. Der Siemens-Chef verkündete zugleich unter anderem, sein Konzern werde im Irak eine Klinik stiften, eine Schule gründen und Universitäten kostenlos Siemens-Software zur Verfügung stellen.

Vom eigenen Konzept ist Siemens überzeugt. Dass die Amerikaner womöglich eine größere installierte Basis haben, schreckt Kaesers Konzern nicht. In Industriekreisen hieß es, es gehe weniger darum, die Schaufeln an einer Turbine auszutauschen, sondern zum Beispiel hinter eine Gasturbine eine neue Dampfturbine zu installieren. Und das sei herstellerunabhängig möglich.

Die Frage ist aber, ob der Auftrag am Ende auf politischer Ebene entschieden wird. Es sei gut vorstellbar, dass die US-Regierung Druck mache, hieß es in Industriekreisen. Auch die deutsche Bundesregierung hatte sich eingeschaltet. Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß (CDU) reiste nach Bagdad, um Kaeser bei den Gesprächen zu unterstützen.

Als das GE-Interesse durchsickerte rief nach Handelsblatt-Informationen aus Regierungskreisen die Bundeskanzlerin den irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi an. Das Siemens-Geschäft soll zudem durch Hermes-Bürgschaften abgesichert werden.

Deutschland will beim Wiederaufbau des Iraks eine Schlüsselrolle spielen und die Handelsbeziehungen wieder ausbauen. Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und dem Irak belief sich im vergangenen Jahr auf gut 1,6 Milliarden Euro. Knapp eine Milliarde Euro davon entfiel auf Importe aus dem Irak, überwiegend Öl.

Während die Importe im Vergleich zu 2016 um fast 64 Prozent zulegten, ging das deutsche Exportgeschäft in den Irak leicht zurück. Sollte Siemens den Zuschlag bekommen, würde das die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder enorm beflügeln.

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