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Elektrifizierung Milliarden-Deal im Irak – GE könnte Siemens noch ausstechen

Eigentlich wollte Siemens sich einen Milliardenauftrag im Irak sichern. Doch auf Druck der Trump-Regierung könnte der Deal noch platzen.
Update: 17.10.2018 - 18:20 Uhr Kommentieren
Siemens: Milliarden-Deal im Irak in Gefahr Quelle: AFP
General Electric

Der Konzern hofft mit dem Großauftrag die Flaute im Turbinengeschäft abzuwenden. 

(Foto: AFP)

Düsseldorf, München Es ist ein Wettkampf um mehr als acht Milliarden Euro, den Siemens und US-Rivale General Electric (GE) sich im Irak liefern. Beide Infrastrukturkonzerne streiten um einen Großauftrag zur Elektrifizierung des kriegsgebeutelten Landes.

In ein paar Tagen soll die Entscheidung nun fallen – für GE. Eigentlich hofften die Deutschen, im Werben die Nase vorn zu haben. Doch nach Informationen der „Financial Times“ hatte die US-Regierung unter Donald Trump zuletzt hinter den Kulissen massiv Druck zugunsten von GE gemacht. General Electric wollte die Informationen nicht kommentieren.

Dabei hatte Siemens-Chef Kaeser, unterstützt von der Bundesregierung, persönlich in Bagdad mit der Regierung über das Siemens-Angebot verhandelt. Hinterher hieß es bei der irakischen Regierung, der deutsche Technologiekonzern habe gute Chancen. Allerdings bildet sich im Irak gerade eine neue Regierung. Zudem reiste zuletzt eine hochrangige Delegation von GE nach Bagdad und legte ein Gegenangebot vor.

General Electric steckt in der Krise und könnte das Megageschäft gut gebrauchen. Seit sechs Monaten sondieren die Amerikaner laut Industriekreisen ihre Chancen im Irak. Der US-Konzern ist dort seit mehr als 50 Jahren aktiv und hat 300 Mitarbeiter vor Ort.

Sein Konzern sei bereits seit mehr als 50 Jahren im Irak aktiv, drei Millionen irakische Haushalte würden bereits über GE-Technologie mit Strom versorgt, schrieb der Chef der GE-Kraftwerkssparte Russell Stokes auf dem Netzwerk LinkedIn. So hätten GE-Teams geholfen, das schwer beschädigte Kraftwerk Al Qavara nach der Befreiung von Mossul wieder in Betrieb zu bringen.

General Electric habe zudem Aufträge für die Entwicklung von vier neuen Kraftwerken und von Stromverteilungsstationen erhalten. Und der amerikanische Industrieriese habe dem irakischen Finanzministerium geholfen, Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar von internationalen Finanzinstitutionen zu bekommen. Die Amerikaner werben darüber hinaus mit ihrer Technologie, von fahrbaren Kraftwerken über effiziente Groß-Gasturbinen bis zur Stromübertragung.

Für Siemens wäre eine Entscheidung für GE ein herber Rückschlag. Beide Konzerne leiden unter der weltweiten Flaute bei großen Gasturbinen und haben Stellenabbau angekündigt. GE will den Wert seiner Powersparte sogar nahezu vollständig abschreiben.

„Mit dem Irak-Auftrag hätte Kaeser Zeit gewinnen können, eine Lösung für das Kraftwerksgeschäft zu finden“, sagt ein Branchenkenner. Wie zuvor schon der Ägyptenauftrag hätte eine Großbestellung aus dem Irak die Kapazitäten eine Zeitlang ausgelastet. Ägypten hatte bei Siemens unter anderem 24 riesige Gasturbinen der H-Klasse und Windräder für insgesamt acht Milliarden Euro bestellt. Laut deutschen Regierungskreisen könnte der Irakauftrag sogar ein Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro erreichen.

Nach Informationen des Handelsblatts soll aber Siemens nicht leer ausgehen. „Beide werden einen Teil des Kuchens bekommen“, berichten Industriekreise. Aus dem Regierungsumfeld ist zu hören, die Bundesregierung sei zuversichtlich, dass es noch keine Entscheidung gebe. Vom Bundeswirtschaftsministerium bis ins Kanzleramt hinein gebe es Bemühungen, das Geschäft nach Deutschland zu holen. Vor wenigen Wochen seien erneut deutsche Regierungsvertreter vor Ort gewesen.

Allerdings: Unabhängig davon, ob Siemens oder GE den Zuschlag bekommen, handelt es sich um ein komplexes Geschäft. Der Irak-Deal würde sich über etliche Jahre strecken und auch zahlreiche kleinere Aufträge umfassen. Und durch die Kleinteiligkeit wird auch die Finanzierung schwieriger.

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Diese gilt ohnehin als heikel. Das Siemens-Konzept sieht laut Industriekreisen unter anderem die Absicherung mit Hermes-Bürgschaften vor, wie es in solchen Fällen üblich ist. Allerdings würden diese keinesfalls das gesamte Volumen abdecken. Strittig ist, ob der Irak – selbst bei einer teilweisen Absicherung durch Hermes-Bürgschaften – die Finanzierung stemmen kann. Ein Teil der Öleinnahmen versickert durch Korruption.

„Woher sollen die vielen Milliarden kommen?“, fragt ein deutscher Unternehmer, der im Irak aktiv ist. Die irakische Regierung habe die Offerten von Siemens und GE vor allem benutzt, um die Bevölkerung zu beruhigen. Viel tun werde sich voraussichtlich nicht – wenn GE nicht eine komplette Finanzierung mitbringe.

Andere Beobachter sind da optimistischer. Bei der Geberkonferenz im Februar wurden dem Irak Milliarden versprochen. Der Aufbau der Energieinfrastruktur soll eine zentrale Rolle spielen. 

Sollte GE den Zuschlag bekommen, wäre das ein erster Erfolg für den neuen GE-Chef Lawrence Culp. Er hat gerade erst die Nachfolge von John Flannery angetreten. Der Aktienkurs der Amerikaner war zuletzt so dramatisch gefallen, dass der Traditionskonzern sogar aus dem Dow Jones fiel.

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