Elektroauto-Hersteller Musk will Tesla von der Börse nehmen – Aktie zeitweise vom Handel ausgesetzt

Elon Musk überrascht auf Twitter mit Plänen, Tesla zu einem Privatunternehmen zu machen. Zuvor war der Einstieg des saudi-arabischen Staatsfonds bekanntgeworden.
Update: 07.08.2018 - 22:26 Uhr Kommentieren

420 Dollar je Aktie – Tesla-Chef Musk erwägt Börsenrückzug

DüsseldorfElon Musk versetzt die Anleger in Wallung: In einer Reihe von Tweets legt der Tesla-Firmengründer und -chef seine Pläne dar, den Elektroautobauer zu einem Privatunternehmen zu machen. Er erwäge, Tesla zu einem Preis von 420 Dollar je Aktie von der Börse zu nehmen, schrieb Musk zunächst. „Die Finanzierung ist gesichert.“

Bei dem Tweet war zunächst nicht klar, ob Musk die Erklärung ernst meint. Schließlich ist er für eher launische Tweets bekannt. Vierzig Minuten nach dem Tweet schrieb Musk: „Guten Morgen“ – und setzte ein Smiley dahinter. Das Unternehmen selbst reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Dann legte Musk nach: Auf einen Twitter-Kommentar, was das denn für die Tesla-Aktionäre bedeute, die doch von künftigen Zuwächsen profitieren wollten, antwortete er: „Meine Hoffnung ist, dass alle aktuellen Aktionäre bei Tesla bleiben, auch wenn wir privat sind.“ Ein ähnliches Modell habe er bei seinem nicht an der Börse notierten Raumfahrtunternehmen Space X bereits etabliert, schrieb Musk.

Damit sieht es zumindest so aus, als sei der Tweet nicht nur ironisch gemeint und als habe sich Musk doch schon konkretere Gedanken gemacht. Bei Space X haben die Aktionäre allerdings kein Mitspracherecht.

Am Dienstagmittag kalifornischer Zeit schickte Musk auch eine E-Mail an die Mitarbeiter heraus, in der er sich zu seinen Tweets äußerte. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen. „Aber der Grund dafür ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem Tesla am besten operieren kann“, schreibt Musk darin.

„Als börsennotiertes Unternehmen sind wir wilden Schwankungen unseres Aktienpreises ausgesetzt und das kann eine große Ablenkung für alle sein, die bei Tesla arbeiten, die auch alle Aktionäre sind.“ Außerdem sei der Druck wegen der Quartalsergebnisse enorm und führe nicht immer zu den besten Entscheidungen auf lange Sicht.

Das Raumfahrtunternehmen Space X sei ein „perfektes Beispiel: Es ist operativ viel effizienter und das liegt vor allem daran, dass es in privater Hand ist“, schreibt er.

Musk legte sich nicht darauf fest, dass er Tesla für immer in privater Hand halten will. „In der Zukunft, wenn Tesla in die Phase eines langsameren, besser vorhersehbaren Wachstums eintritt, wird es wahrscheinlich wieder sinnvoll sein, an die Börse zurückzukehren“, schreibt er.

Die Mitarbeiter sollten weiterhin Aktionäre bleiben. Sie hätten dann alle sechs Monate die Chance, ihre Beteiligungen zu liquidieren oder neue hinzuzukaufen. Das gleiche gilt für Aktionäre, die dabeibleiben wollen, wenn Tesla die Aktien von der Börse nimmt. Musk weist sowohl in seinem Schreiben an die Mitarbeiter als auch per Tweet darauf hin, dass der Abschied von der Börse erst noch von den Aktionären genehmigt werden muss.

Sollte das tatsächlich geschehen, müsste sich Musk auch nicht mehr gegenüber kritischen Analysten rechtfertigen. Die kann er ohnehin nicht besonders gut ausstehen. Das haben seine Ausfälle in der Tesla-Telefonkonferenz nach dem ersten Quartal gezeigt. Dort hatte er Analystenfragen als langweilig und hohlköpfig bezeichnet und lieber einen ihm freundlich gesinnten Blogger zu Wort kommen lassen.

Tesla ist an der Börse mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertet. Das Kursziel von Musk von 420 Dollar entspräche einer Bewertung von 71 Milliarden Dollar.

Musk hält 20 Prozent an dem Unternehmen. Die Tesla-Aktie notierte zeitweise mit bis zu sieben Prozent im Plus. Zuletzt lag der Kurs mit 5,5 Prozent im Plus bei gut 361 Dollar, bevor die Papiere wegen Musks Tweets vom Handel ausgesetzt wurden. Der startete dann später am Nachmittag, um 15.45 Uhr, wieder. Der Aktienkurs lag daraufhin zwischenzeitlich um 11 Prozent im Plus.

Möglicherweise ist ein Grund für Musks Pläne der saudi-arabische Staatsfonds PIF. Der Staatsfonds hat Tesla-Anteile in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar erworben. Das berichtete die „Financial Times“ kurz vor dem ersten Musk-Tweet und beruft sich dabei auf Insider.

In diesem Jahr habe der Fonds des Emirats Anteile am US-Elektrofahrzeughersteller in Höhe von drei bis fünf Prozent gekauft. Das entspricht beim aktuellen Aktienkurs einem Wert zwischen 1,7 und 2,9 Milliarden US-Dollar.

Den Staatsfonds steuert niemand Geringeres als der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich. Da die Beteiligung unter der Fünf-Prozent-Schwelle liegt, musste sie nicht öffentlich bekanntgegeben werden. Trotzdem reicht der Anteil, um zu einem der acht größten Aktionäre von Tesla zu gehören, zeigen Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes Bloomberg.

Der saudi-arabische Staatsfonds habe sich zuerst an Tesla-Chef Musk gewandt, um neu ausgegebene Aktien des Unternehmens zu kaufen. Tesla habe nicht auf das Interesse reagiert, berichtet ein Insider in der „Financial Times“, wisse aber von der Beteiligung. Stattdessen habe der Staatsfonds die Anteile dann über den Sekundärmarkt mithilfe von JP Morgan erworben.

Tesla geht derzeit ein hohes Risiko mit seinem Hoffnungsträger Model 3 ein, und an den Finanzmärkten laufen sehr viele Wetten auf Kursverluste der Aktien. Die Produktion des ersten günstigeren Teslas für die breite Masse verschlingt enorm viel Geld, kam aber noch nicht wie erhofft in die Gänge. Zuletzt gab es allerdings schon deutliche Fortschritte.

Einige Analysten gehen angesichts des Model-3-Aufwands und Teslas ambitionierter Expansionspläne – es sollen beispielsweise große Fabriken in China und Europa gebaut werden – davon aus, dass bald eine Kapitalerhöhung nötig wird. Musk wies dies stets zurück und versprach Anlegern sogar, dass die bislang verlustreiche Firma bald profitabel werde.

Mit Material von Reuters und dpa.

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