Elektroauto-Hersteller Tesla baut in China Fabrik für 500.000 Fahrzeuge pro Jahr

Ab 2020 will Tesla in China eine halbe Million Fahrzeuge herstellen. Die Kosten: bis zu fünf Milliarden Dollar. Europa soll der nächste Standort werden.
Update: 10.07.2018 - 18:51 Uhr Kommentieren
Tesla: Fabrik in China soll 500.000 Autos pro Jahr produzieren Quelle: AFP
Tesla-Showroom in Peking

China ist für Elektroautobauer ein hart umkämpfter Markt.

(Foto: AFP)

New YorkWirbeltour durch Asien: Erst besuchte Elon Musk vor wenigen Tagen in Thailand die Rettungsarbeiten für die in einer unterirdischen Höhle gefangenen Jungen. Danach reiste er nach Schanghai weiter, um sich um die seit 2017 geplante Fabrik in China zu kümmern. Der erste Teil der Reise verlief wenig erfolgreich – die thailändische Regierung lehnte „höflichst“ die von Musk vorgeschlagene Rettung durch ein Mini-U-Boot ab.

Der zweite Teil ist aber ein voller Erfolg. Tesla wird in Schanghai eine Fabrik mit einer Jahresproduktion von bis zu 500.000 Fahrzeugen bauen. Die Fabrik in Schanghai soll spätestens 2020 die Produktion voll aufnehmen. Es wurden keine Angaben über die Investitionshöhe gemacht, die sich aber nach Schätzung von Goldman Sachs auf vier bis fünf Milliarden Dollar belaufen soll.

Ein wichtiger Schritt für den von Musk geführten Elektroautohersteller. Bislang besitzt Tesla im kalifornischen Fremont nur eine einzige Fabrik, in der es in der ersten Jahreshälfte 2018 insgesamt 88.000 Fahrzeuge herstellte. Das Unternehmen steht unter großem Druck, kommt mit der Produktion kaum hinter der Nachfrage nach dem neuen Model 3 hinterher. Die Aktie von Tesla reagierte auf die Ankündigung mit einem Kurssprung von fast drei Prozent.

Die Fabrik in Schanghai ist der erste Schritt von Tesla, sich von einem rein amerikanischen Hersteller in einen globalen Konzern zu wandeln. Bis zum Ende des Jahres will Musk den Standort einer Fabrik in Europa bekanntgeben, auch Deutschland ist im Gespräch. Weltweit möchte er zehn bis zwölf Fabriken nach dem Vorbild der Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada bauen.

Globale Expansion ist teuer – und Tesla schreibt tiefrote Zahlen

Die globale Expansion kostet viel Geld. Tesla benötigt nach Schätzung von Goldman Sachs bis 2020 insgesamt zehn Milliarden Dollar an externem Kapital zur Schuldenrefinanzierung. Das Geld braucht Tesla, um die neue Fabrik in China zu bauen und für die baldige Markteinführung des neuen Model Y – ein Crossover. Nicht enthalten in der Summe wären neue Fabriken wie in Europa.

Bislang schreibt Tesla tiefrote Zahlen, will aber ab dem dritten Quartal 2018 einen Gewinn ausweisen. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs kann das Unternehmen den Kapitalbedarf nicht über den Cashflow oder Aktienausgaben abdecken. Entweder muss Tesla bis zum Jahr 2020 Anleihen ausgeben oder sich Geld bei einem Großinvestor besorgen – so wie im März 2017, als die Firma einen Anteil von fünf Prozent für 1,8 Milliarden Dollar an die chinesische Tencent Holdings verkaufte.

Schon seit zwei Jahren spricht Musk über eine Fabrik in China, zuletzt im vergangenen November. Doch herrschte seitdem Funkstille. China ist der für Tesla wichtigste Markt in der Welt: Nach Schätzung von JP Morgan werden dort im Jahr 2020 rund 60 Prozent aller globalen Elektroautos verkauft.

Die Investitionsentscheidung kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Präsident Donald Trump zettelt einen Handelskrieg an, führte diverse Zölle auf chinesische Produkte ein. Das Reich der Mitte reagierte vor wenigen Tagen mit einem Einfuhrtarif von 40 Prozent auf Premiumfahrzeuge aus den USA. Tesla musste die Preise für Model S und Model X um bis zu 30.000 Dollar erhöhen.

Bislang reagierte Trump nicht auf die Ankündigung von Tesla. Allerdings kritisierte er Motorradhersteller Harley-Davidson scharf, als dieser eine Fabrik in Europa ankündigte – um neu eingeführte Zölle der EU zu umgehen.

China ist für Tesla schon vor den Zöllen ein nicht einfacher Markt gewesen. Die Umsätze schnellten von rund 120 Millionen Dollar im ersten Quartal 2016 auf 504 Millionen Dollar hoch, um im vierten Quartal 2017 gar auf 913 Millionen Dollar zu klettern. Allerdings brach der Erlös im ersten Quartal 2018 auf 509 Millionen Dollar ein.

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