Elektroauto Inext So stellt sich BMW die Zukunft vor

Elektrisch, autonom und sehr stylish: Mit der Designstudie iNext will BMW Maßstäbe setzen. Doch das Auto hat einen Haken.
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Das Zukunftsauto von BMW: ein vollelektrisch und hochautonom fahrendes Luxus-SUV. Quelle: BMW
iNext

Das Zukunftsauto von BMW: ein vollelektrisch und hochautonom fahrendes Luxus-SUV.

(Foto: BMW)

MünchenNein, abheben wollen sie bei BMW nicht. Behaupten sie jedenfalls. Aber ein eigenes Flugzeug muss es für den PR-Zirkus schon sein, wenn die Münchener ihr nächstes großes Ding vorstellen. Denn das soll der iNext sein.

Eine Woche lang tourte die Designstudie im Bauch einer eigens gecharterten Boeing 777 um die Welt und machte Station in München, New York, Los Angeles und Schanghai. „Schließlich hat man so ein Auto von BMW noch nicht gesehen“, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich vor dem Elektro-SUV im Bauch der Frachtmaschine.

Tatsächlich geht man bei BMW sehr weit mit dem neuen Auto. Elektroantrieb ist für Fröhlich in Zukunft das „new normal“, also gesetzt. Der iNext soll zusätzlich das automatisierte Fahren sicher beherrschen. Auf Routinestrecken wie Autobahnen soll der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen dürfen.

Das ermöglicht ein radikal neues Innenraumdesign: Knöpfe und Hebel verschwinden, aus Sitzen werden Möbel- und Designstücke. „Wir haben uns bei der Gestaltung an dem Interieur von Boutique-Hotels orientiert“, sagt Innenraumexperte Matthias Junghanns. Ob die zum Kristalltisch mutierte Mittelkonsole und die filigranen Sitze die rauen Anforderungen eines europäischen Crashtests überstehen, bleibt offen.

Sie müssen es aber auch noch nicht, denn der neue BMW im Flugzeugrumpf ist eine Flaschenpost aus der Zukunft. Das gilt auch für nette Spielereien wie die berührungsempfindliche Außenhaut, die künftig die Türklinke ersetzt.

Auch die Polsterung ist sensitiv, durch das Berühren der Textilien lässt sich die Musikanlage steuern. „Shy Technology“ nennen das die Designer, die den iNext offensichtlich als Spielwiese nutzen dürfen.

Blick auf Fahrersitz, Lenkrad und Bordcomputer. Quelle: BMW
Innen

Blick auf Fahrersitz, Lenkrad und Bordcomputer.

(Foto: BMW)

Anders als die Konkurrenten Mercedes und Audi, die in diesen Tagen mit ihren Elektro-SUVs EQC und e-tron die Schlagzeilen beherrschen, kommt der iNext aber erst 2021. Vorher baut BMW seinen X3 um und setzt den Mini unter Strom.

Richtig glücklich sind die Ingenieure damit aber noch nicht. Denn die meisten der jetzt vorgestellten Elektroautos haben aus Sicht von BMW zwei Nachteile: Zum einen setzen sie auf technische Plattformen, die für Verbrennungsmotoren entwickelt wurden. Damit unterscheidet sich das Design der Innenräume von heutigen Autos nur kaum.

„Wir wollen keine fahrenden Batterien“

Auch die Reichweiten überzeugen immer noch nicht. Maximal 400 bis 500 Kilometer schaffen die heutigen E-SUVs mit der jetzigen Batteriegeneration. „Wir wollen keine fahrenden Batterien“, ätzt Fröhlich. Dank einer mit dem chinesischen Konzern CATL entwickelten neuen Batterietechnik soll der iNext 700 Kilometer schaffen und im Innenraum „Platz wie im Wohnzimmer“ ermöglichen.

Da sich das Auto auf Touren von München nach Norddeutschland bis zu vier Stunden selbst steuern könne, werde man das Autofahren neu definieren: Wer sich heute noch verkrampft durch die Baustellen kämpft, kann morgen einfach abschalten und den Sitz zurückklappen, lautet das BMW-Versprechen. Der Computer übernimmt das Lenkrad.

11 Konkurrenten für den neuen Elektro-Mercedes
Mercedes EQC
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Preis: Gerüchten zufolge ab 70.000 Euro
Leistung: 408 PS
Reichweite: 450 Kilometer

Das ist er, der Mercedes EQC, den Konzernchef Dieter Zetsche am Dienstag bei der „Me Convention“ in Stockholm enthüllte. Hybride gibt es bei Daimler einige, doch lediglich die Modelle der Marke Smart werden bisher mit reinem Elektroantrieb angeboten. Jetzt zieht Mercedes mit dem Elektro-SUV nach.

Mercedes EQC
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Gebaut wird der EQC im größten deutschen Daimler-Werk in Bremen. Wegen eines Engpasses bei den Batteriezellen verzögert sich der Verkaufsstart aber noch. Im Sommer 2019 soll der EQC dann serienmäßig vom Band rollen.

Tesla Model X
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Preis: ab 94.850 Euro
Leistung: je nach Version 328 bis 773 PS
Reichweite: je nach Version 322 bis 465 Kilometer

Daimlers ärgster Konkurrent ist wohl Tesla. Das kalifornische Unternehmen ist auch unter den Elektro-SUVs Pionier. Bereits seit September 2015 ist das Model X auf dem Markt.

Tesla Model X
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Serienmäßig mit Allradantrieb ausgerüstet bietet das Fahrzeug, das in sechs verschiedenen Versionen erhältlich ist, Platz für sieben Erwachsene. Mit einer Beschleunigung von null auf hundert Stundenkilometer in 3,1 Sekunden zählt der SUV zu den echten Supersportlern unter den Elektro-Geländewagen.

Tesla Model Y
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Preis: unbekannt
Leistung: unbekannt
Reichweite: Gerüchten zufolge 320 Kilometer

Und Tesla hat weiter viel vor im SUV-Segment: Im Rahmen einer Aktionärsversammlung hatte Tesla im Juni eine Slideshow mit zukünftigen Modellen gezeigt. Auf einem Bild war eindeutig die Silhouette der Front des kommenden Tesla Model Y zu erkennen: Es handelt sich um einen SUV. Im Frühjahr 2019 soll die offizielle Vorstellung folgen.

Audi e-tron
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Preis: ab 80.000 Euro
Leistung: 385 PS
Reichweite: 500 Kilometer

Bram Schot setzt auf Angriff: Der kommissarische Audi-Vorsitzende will im Gegensatz zu seinem Vorgänger den e-tron nicht in Brüssel, sondern noch im September in San Francisco vorstellen. Mit dem Auftritt vor der Haustür von Tesla will man ein Signal neuer Stärke setzen, heißt es in Ingolstadt.

Audi e-tron
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Technisch kommt der e-tron für Audi eigentlich zu früh, denn die für Elektroautos gedachten Fahrzeugplattformen sind noch in der Entwicklung. Um trotzdem schnell an den Markt gehen zu können, verwenden die Audi-Ingenieure für den Geländewagen eine vorhandene SUV-Architektur. Die beiden Stammwerke in Ingolstadt und Neckarsulm werden erst nach 2020 auf Elektroautos umgerüstet. Die Serienproduktion des e-tron startet aber schon jetzt.

Bis dahin hat BMW aber noch einen weiten Weg vor sich. Die Fabrik für die neuen Superbatteriezellen in Erfurt ist noch nicht gebaut, die Prozessoren für den Autopiloten sind noch nicht schnell genug. 1.400 Ingenieure tüfteln auf einem Campus nördlich von München an der Intelligenz des Autos, die Systeme müssen vorher 240 Millionen Testkilometer absolviert haben.

Dabei soll nicht weniger als der „Industriestandard“ für das autonome Fahren entwickelt werden. Steht die Technik, soll sie nach und nach auf die gesamte Modellpalette ausgerollt werden.

Man hat gelernt in München. Schon einmal, 2013, wollte BMW mit einem Elektroauto die Autoindustrie revolutionieren. Doch so visionär der i3 damals war, mangels Reichweite und Ladestationen fristet das Stromauto bis heute ein Nischendasein. Beim iNext überlässt BMW erst einmal anderen die Bühne, um im zweiten Schritt mit einem besseren Produkt den Markt aufzurollen.

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