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Elektroauto-Pionier Höherer Verlust trotz Absatzrekord für Tesla – Aktie stürzt ab

Tesla-Chef Elon Musk hat sich den Absatzrekord teuer erkauft. Der Verlust fällt höher aus als erwartet. Die Aktie verliert nachbörslich deutlich.
Update: 25.07.2019 - 06:15 Uhr Kommentieren
Tesla: Höherer Verlust trotz Absatzrekord – Aktie stürzt ab Quelle: Reuters
Tesla-Chef Elon Musk

Der Elektroautopionier will im zweiten Halbjahr wieder Gewinne schreiben.

(Foto: Reuters)

San Francisco Elon Musk hat die Anleger verschreckt. Binnen Minuten verlor die Tesla-Aktie zehn Prozent an Wert. Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwoch wurde schnell klar, wie weit die Erwartungen von Analysten und Tesla-Fans von der Realität entfernt waren.

Analysten waren laut Research-Haus FactSet zuvor von einem bereinigten Verlust von 35 Cent pro Aktie und einem Umsatz von 6,47 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) ausgegangen. Tatsächlich fiel das Ergebnis des zweiten Quartals mit einem bereinigten Verlust von 1,12 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 6,35 Milliarden Dollar aber deutlich schlechter aus.

Das ist zwar immer noch eine Verbesserung zum Vorjahresquartal, als der bereinigte Verlust pro Aktie bei 3,06 Dollar gelegen hatte, aber angesichts der angespannten Finanzlage nicht genug. So beträgt auch der Nettoverlust im Quartal 408 Millionen Dollar.

Die Zahlen scheinen zu belegen, was Analysten seit Wochen befürchtet haben: Elon Musk muss sich den neuen Auslieferungsrekord von 95.200 Fahrzeugen im Quartal mit Rabatten und höheren Kosten pro Fahrzeug teuer erkaufen. Denn Medienberichten zufolge gibt es kräftige Absatzrückgänge für Fahrzeuge der teuersten und margenstärksten Modellreihen S und X in Kalifornien.

Laut dem Marktanalysten Dominion Enterprises brachen die Zulassungen des Model S im zweiten Quartal um 54 Prozent ein, beim Model X gab es 40 Prozent weniger Zulassungen. Die Analysten führen dies laut dem „Wall Street Journal“ auf die Anstrengungen Teslas zurück, die Auslieferungen von Model 3-Fahrzeugen um jeden Preis zu beschleunigen, um die ehrgeizigen Auslieferungsziele für alle Modelle zu erfüllen.

„Das war ein Desaster“

Tatsächlich wurden insgesamt 95.200 Tesla-Fahrzeuge ausgeliefert, nach zuvor enttäuschenden 63.000 im ersten Quartal 2019. Nur dieser Kraftakt ermöglicht es Elon Musk, die selbstgesteckten Ziele für das Gesamtjahr noch erreichen zu können.

Ziele, die im Aktionärsbrief am Mittwoch noch einmal ausdrücklich bestätigt wurden (Lesen Sie hier den ganzen Brief). Ebenso wie das Vorhaben, trotz des höheren Quartalsverlusts in der zweiten Jahreshälfte in die Gewinnzone zurückzukehren.

Daniel Ives, Analyst bei Wedbush Securities, brachte beim Börsensender CNBC zum Ausdruck, was viele Anleger mit ihren Verkäufen am Mittwochnachmittag signalisierten: „Das war ein Desaster“. Analyst Garrett Nelson von CFRA fügte hinzu: „Das ist wirklich demoralisierend für Tesla.“ Denn für beide Analysten stellt sich die Frage: Was bringen Rekordabsätze, wenn das Unternehmen die Autos nicht profitabel herstellen kann?

Tesla will sich dieser Frage stellen, die auch die Anleger bewegt. Die Produktion soll in allen Werken effizienter und kostengünstiger werden, versichert Musk im Investorenbrief. Die Ziele: Weniger Arbeitsstunden pro Fahrzeug, geringere Logistikkosten, günstigere Materialbeschaffung. Die Produktion des Model 3 im neuen chinesischen Werk soll Ende des Jahres anlaufen. Dort sollen die Kosten bereits deutlich niedriger sein.

Trotzdem wird es eine Mammutaufgabe, wie ein Blick auf die Margen zeigt. Tesla verdient bei den Modellen S und X mehr, als beim kleineren Modell 3. Jede weitere Schwächung beim Absatz der Top-Modelle erhöht den Druck, die Auslieferungen des Model 3 weiter zu beschleunigen.

Citi-Analyst Itay Michaeli weist darauf hin, dass der Aktienkurs von Tesla auch von den Margen beeinflusst wird. Bruttomargen von 21 bis 23 Prozent hält er für solide. Tatsächlich ausgewiesen wurden im Automobilbereich aber nur 18,9 Prozent.

Musk steht vor einem Problem

Musk steht vor einem großen Problem: Er muss höhere Margen mit immer billigeren Modellen liefern. Zusätzlich werde das Update der Auslieferungszahlen für das Gesamtjahr entscheidend sein, sagte Analyst Michaeli auf CNBC. „Es gibt große Zweifel, ob Tesla mehr als die untere Grenze seiner Prognosen erreichen wird.“ Analysten gehen von 360.000 bis 400.000 Tesla-Fahrzeugen für das Gesamtjahr aus. Zahlen unter diesem Wert wären ein Alarmsignal. Tesla bestätigte den Zielkorridor am Mittwoch.

Positiv ist der Bestand an liquiden Mitteln am Ende des Quartals mit fünf Milliarden Dollar – so viel wie nie zuvor. Allerdings half hier eine Kapitalmarktmaßnahme kräftig nach, mit der Tesla 2,4 Milliarden Dollar mit Wertpapieren und Wandelanleihen eingenommen hat.

Viel beachtet wird auch der Free Cash Flow, der operative Cash Flow minus Ausgaben für Investitionen. Das Plus von 614 Millionen Dollar ist ein dramatischer Umschwung, verglichen mit dem Minus von 920 Millionen im ersten Quartal des Jahres. Die Finanzlage wird besonders aufmerksam beobachtet, um zu sehen, ob Tesla kurzfristig erneut an den Kapitalmarkt muss. Das scheint aktuell nicht der Fall zu sein, wenn die strikte Ausgabendisziplin eingehalten wird.

Es sind allerdings Zweifel angebracht, ob Musk gleichzeitig die Kosten bremsen und seine ambitionierten Modellpläne umsetzen kann. Spätestens Mitte bis Ende 2020 soll ein sportliches SUV, das Model Y, auf Basis der Model-3-Technologie vom Band laufen. Und der bereits angekündigte Elektro-Lkw „Semi“ muss auch noch finanziert werden genauso wie der neue Roadster.

Die Investitionen dafür werden wieder ein großes unternehmerisches Wagnis. Und Elon Musk ist dafür bekannt, nur ungern Kompromisse zu machen. Bis dahin muss das Problem der Bruttomarge nachhaltig gelöst sein, sonst müssen Tesla-Aktionäre vielleicht noch einmal tief in die Taschen greifen.

Darüber hinaus überraschte der Tesla-Chef die Analysten mit einer Personalie: Musk gab den Abschied eines seiner längsten Weggefährten bei Tesla bekannt. Jeffrey Straubel, Mitarbeiter der ersten Stunde, gibt nach gut 15 Jahren Betriebszugehörigkeit den Posten als Technologiechef auf. Seine Aufgaben als Technikvorstand soll Drew Baglino übernehmen, derzeit Vice President Technology. Ob er auch formell Technologievorstand werden wird, war noch nicht klar.

Straubel war vor allem in der Batterietechnologie Teslas involviert, eine Schlüsselkomponente der Fahrzeuge. Er betonte in einer Erklärung, dass es sich nicht um einen Misstrauensbeweis oder ähnliches gegen das Unternehmen handele. Er werde als Berater weiter tätig sein.

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