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Elektroauto-Pionier Überraschung für die Investoren: Tesla kehrt in die Gewinnzone zurück

Der E-Auto-Hersteller legt ein Rekordquartal vor. Die Tesla-Aktie schießt in die Höhe – obwohl eine wichtige Kennzahl schlechter aussieht als zuvor. Doch Elon Musk hat eine Erklärung.
24.10.2019 - 03:48 Uhr Kommentieren
Tesla-Chef Elon Musk Quelle: AP
Elon Musk

Tesla-Chef Elon Musk

(Foto: AP)

Palo Alto Es war der Tag, auf den Tesla-Investoren und -Fans lange und mit Spannung gewartet haben. Der kalifornische Autobauer mit eingebautem Kult-Faktor legte am Mittwoch die Zahlen für das abgelaufene Quartal vor und übertraf alle Erwartungen. Die Aktie schoss im nachbörslichen Handel um mehr als 20 Prozent in die Höhe – auf über 300 Dollar. Viele Anleger wollten auf den wieder anfahrenden Zug aufspringen.

Es war vor allem der ausgewiesene Nettogewinn, der die Anleger elektrisierte. Er wird mit 143 Millionen Dollar angegeben. Das ist zwar 54 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber Analysten hatten durchgängig mit Verlusten gerechnet. Auch im zweiten Quartal hatte Tesla ein Minus von 408 Millionen Dollar verzeichnet. Der Elektroauto-Pionier macht das überraschend positive Ergebnis und die Rückkehr in die Gewinnzone zum großen Teil an Einsparungen, Effektivitätssteigerungen bei Produktion und Einkauf sowie an geringeren Fixkosten fest.

Bereinigt um Einmalereignisse nennt Tesla für das Quartal sogar einen Nettogewinn von 342 Millionen Dollar, was 1,91 Dollar pro Aktie entspricht. Analysten bei FactSet hatten im Schnitt mit Minus 0,46 Dollar pro Aktie gerechnet.

Anteil der verleasten Fahrzeuge wird zum Problem

Am Ende des Quartals konnte Elon Musk zudem auf den höchsten Bargeldbestand der Firmengeschichte vorweisen. Es stehen 5,3 Milliarden Dollar zu Buche, ein Plus von 80 Prozent zum Betrag ein Jahr zuvor. Es scheint, dass Tesla starkes Wachstum jetzt aus eigener Kraft stemmen kann. Das impliziert, dass das Unternehmen sich nicht kurzfristig über den Kapitalmarkt finanzieren muss.

„Wir glauben“, so Tesla vorsichtig, „dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem eine Selbstfinanzierung möglich ist.“ Was die Auslieferungen angeht, sei das Unternehmen „extrem zuversichtlich“ in 2019 mehr als 360.000 Fahrzeuge auszuliefern.

Ein Problem stellt allerdings der Umsatz dar. Obwohl weit mehr Autos ausgeliefert wurden, ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr mit Minus zwölf Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar spürbar zurückgegangen. Die Erklärung: Der Anteil der verleasten statt verkauften Fahrzeuge habe sich verdreifacht. Das alleine mache einen Großteil des Rückgangs aus. Das Unternehmen darf nur die im jeweiligen Quartal erhaltenen Leasingraten ausweisen anstatt eines vollen Verkaufspreises. Zum Teil habe allerdings auch der zunehmende Teil preisgünstigerer Versionen des Model 3 beigetragen.

Der wichtige „Free Cash Flow“, der zum Beispiel genutzt werden kann, um Schulden abzubauen, lag bei 371 Millionen Dollar. Das ist zwar 58 Prozent weniger als im Vorjahr, aber auch hier wirkt sich wieder der hohe Anteil der Leasingfahrzeuge aus. Zu Vertragsbeginn spült das Leasing weniger Geld in die Kassen.

So sieht Teslas Giga Factory von innen aus

Die Analysten fragen sich jetzt, wie sich die Produktion des kommenden „Crossover“-Models Y, eine Mischung aus Limousine und kleinem SUV, auf den Absatz des Model 3 auswirken wird. Teilweise wird mit einem kräftigen Absatzeinbruch bei der Limousine Model 3 gerechnet, weil die Käufer zum Y wechseln könnten. Netto werde am Ende dann nur ein geringeres Absatzplus übrigbleiben. Limousinen haben im US-Automarkt in den vergangenen Jahren erheblich an Attraktivität eingebüßt.

Hoffnungen ruhen auf China

Auch bei den Standorten gab es positive Neuigkeiten. Die chinesische Gigafactory hat nach weniger als zehn Monaten Bauzeit den Probebetrieb aufgenommen und soll vor Jahresende die Serienproduktion von Model 3 und später auch die des Model Y aufnehmen.

Er kenne keine Autofabrik in der Geschichte, die jemals in einer so kurzen Zeit aufgebaut worden sei, so Musk im Analystengespräch. Es werde derzeit an letzten regulatorischen Vorgängen und Genehmigungen gearbeitet. Der Standort für eine europäische Gigafactory solle noch vor Jahresende bekanntgegeben werden. Sie soll Model 3 und Model Y produzieren.

Christopher Eberle, Analyst bei Nomura Instinet, glaubt, Investoren könnten dieses Quartal „als Wendepunkt“ ansehen. Zum Beispiel, weil die ständige Unsicherheit drohender neuer Kapitalerhöhungen geringer geworden ist.

Außerdem ruhen jetzt alle Hoffnungen auf China: Laut Tesla hat das Land beste Chancen, der größte Markt für höherpreisige Mittelklasse-Autos der Welt zu werden. Das Model 3 könne dort zu einem Preis angeboten werden, der vergleichbar zu Autos mit Verbrennungsmotoren sei.

Deshalb, so Tesla in seinem Investorenbrief, „glauben wir, China könnte weltweit der größte Markt für Model 3 werden“. Das nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass China plant, voraussichtlich ab 2030 den Verkauf von Benzin- und dieselgetriebenen PKWs zu verbieten.

Zumindest ein Anleger wird sich sicherlich etwas ärgern, nachdem er die Zahlen gelesen hat. Das ARK Investment Management, ein ausgemachter Tesla-Fan, hat im Oktober über 150.000 Aktien des Autoherstellers verkauft. Das sei jedoch nur aus „handelsstrategischen Gründen“ geschehen, zitiert „Business Insider“ einen Investmentmanager. Tesla mache immer noch rund zehn Prozent des Aktienportfolios aus.

Alles andere wäre auch verwunderlich. ARK geht bei Tesla von einem Kursziel von 6000 Dollar aus. Wann das erreicht werden soll, haben die Portfoliomanager noch nicht prognostiziert.

Mehr: Tesla darf nun auch in China E-Autos bauen.

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