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Elektroautobauer Tesla-Quartalsbericht – Tiefrote Zahlen und eine Entschuldigung von Elon Musk

Der Elektroautopionier verbrennt weniger Cash, aber die Verluste steigen weiter. Die anziehende Produktion des Model 3 nimmt dennoch etwas Druck von Tesla-Chef Musk.
Update: 02.08.2018 - 16:17 Uhr 1 Kommentar

„Bei Teslas Quartalszahlen sind zwei Werte besonders wichtig“

Düsseldorf, New YorkDie Präsentation der jüngsten Quartalszahlen von Tesla dürfte für die Analysten in doppelter Hinsicht spannend gewesen sein. Einerseits wegen der Ergebnisse des Elektroautobauers. Die lagen teilweise über den Erwartungen.

Der Umsatz stieg auf vier Milliarden Dollar von 2,79 Milliarden Dollar im Vorjahr und damit stärker als von den Experten angenommen. Der Cashflow war mit minus 740 Millionen Dollar zwar nach wie vor negativ, allerdings hatten die Analysten auch hier ein schlechteres Ergebnis befürchtet. Der Verlust hingegen verdoppelte sich auf 717 Millionen Dollar im Vergleich zu 336,4 Millionen im Jahr zuvor.

Ebenso gespannt dürften sich die Analysten nach Veröffentlichung der Zahlen in das anschließende Gespräch mit Elon Musk eingewählt haben. Drei Monate zuvor hatte der Tesla-Chef noch verbal um sich geschlagen und Analysten der Reihe nach auflaufen lassen, indem er ihre Fragen als dumm und langweilig bezeichnet hatte. Für sein „schlechtes Benehmen“ entschuldigte sich der Chef des Elektroautobauers nun am Mittwoch.

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Über das Geschäft wurde dann aber auch noch gesprochen. Der Autobauer verkündete, die Restrukturierung seiner Kosten abgeschlossen zu haben. Die Barreserven sollen im zweiten Halbjahr ansteigen, die Ausgaben für Investitionen werden mit weniger als 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt, weit unter den 3,4 Milliarden vom vergangenen Jahr.

Musk hält außerdem weiter an seiner Prognose fest, dass Tesla noch in diesem Jahr Gewinne abwerfen wird. „Im zweiten Halbjahr 2018 erwarten wir das erste Mal in unserer Geschichte, nachhaltig profitabel zu werden und einen positiven Cashflow zu haben“, sagte er im Gespräch.

Treiber dieser Entwicklung soll das Model 3 sein, mit dem Tesla versucht, den Massenmarkt zu erobern. Das Fahrzeug ist ab einem Basispreis von 35.000 Dollar vor Steuern und Vergünstigungen erhältlich und soll Tesla aus der Nische des Luxusanbieters katapultieren. Der Konzern hat Milliarden in die Entwicklung des Fahrzeugs investiert und ist nun darauf angewiesen, dass der Verkauf signifikante Erträge abwirft.

Tesla-Aktie: Eine „extreme Wette auf die Zukunft“

Die Ausgangslage dafür ist gut. Dem Konzern liegen mehr als 400.000 Vorbestellungen für das Model 3 vor. Doch bislang hakte es in der Produktion. Viele Kunden müssen monatelang auf die Auslieferung ihres Autos warten.

Tesla startete die Fertigung des Model 3 bereits im Juli des vergangenen Jahres. Das Hochfahren der Produktion dauerte jedoch viel länger als geplant. Es gab Engpässe bei Batteriepacks, und die Automatisierung ging so weit, dass sie die Fertigung letztlich bremste statt zu beschleunigen.

Mehrfach musste der Konzern avisierte Produktionsziele kassieren. Aber immerhin: Ende Juni gelang es Tesla zum ersten Mal, binnen einer Woche 5000 Wagen des Model 3 zu produzieren. Neben dem Fabrikgelände im kalifornischen Fremont baute der Konzern dafür eine zusätzliche Montagelinie in einem Zelt auf. Nun will Tesla die Produktion rasch ausbauen und endlich profitabel werden.

Bis Ende August sollen nun 6000 Model 3 pro Woche vom Band rollen, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Ziel sei es, so schnell wie möglich auf 10.000 Einheiten zu kommen. Musk rechnet bereits ab einer Fertigungsrate von 7000 Model 3 pro Woche damit, dauerhaft profitabel wirtschaften zu können. Insgesamt plant Tesla im dritten Quartal, 50.000 bis 55.000 Model 3 herzustellen.

Kann Musk seine Versprechen auch halten?

Zwar hatte Musk bereits in der Vergangenheit angekündigt, dass sein Konzern im dritten und vierten Quartal schwarze Zahlen schreiben werde. Doch der 47-Jährige musste seine Versprechen schon öfter brechen. Seit der Firmengründung 2003 hat der Elektroautobauer noch nie einen Jahresgewinn erzielt. Lediglich in zwei Quartalen – in den Jahren 2013 und 2016 – gelang dem Unternehmen jeweils ein kleines Plus.

Über die vergangenen 14 Jahre summiert sich das Minus hingegen auf mehr als sechs Milliarden Dollar. Und Experten gehen davon aus, dass sich an der schlechten finanziellen Performance so schnell nichts Grundlegendes ändern dürfte.

„Ich rechne bei Tesla im Gesamtjahr mit neuen Rekorden – aber eher im roten Bereich“, sagte Frank Schwope dem Handelsblatt. Der Analyst der Nord LB glaubt nicht, dass Tesla in der Lage ist, schon 2018 schwarze Zahlen zu liefern. „Vielleicht gelingt es dem Konzern mit Ach und Krach, einmal ein Quartal im Plus zu liegen, aber das wird nicht nachhaltig sein“, erklärt Schwope.

Deutsche Hersteller holen auf

In der Tesla-Aktie sieht der Autoexperte eine „extreme Wette auf die Zukunft“. Denn selbst, wenn es dem Konzern gelinge, die Produktionsprobleme in den Griff zu bekommen, heiße das noch lange nicht, dass die Kalifornier auch in der Lage seien, mit dem Model 3 Geld zu verdienen. „Im Moment wird nur über die Produktionszahlen geredet, meine Sorge ist aber, dass die Strukturen nicht stimmen und jedes Auto weiter ein Zuschussgeschäft bleibt“, sagt Schwope.

Auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist skeptisch: „Elon Musk ist bei Visionen unschlagbar, aber das Tagesgeschäft bereitet ihm Schwierigkeiten. Man muss aber auch den Alltag beherrschen", mahnt der Analyst.

Die Anleger schien das alles am Mittwoch indes nicht zu interessieren. Die Aktie legte zum Handelsstart um rund zwölf Prozent zu.

Gerüchteküche brodelt – gibt es bald ein Tesla-Werk in Deutschland?

Das „Wall Street Journal“ hatte jüngst über einen Brief berichtet, den Tesla an mehrere Zulieferer versandt hatte. In dem Schreiben bittet der Elektroautohersteller die Zulieferbetriebe, einen bedeutsamen Teil seit 2016 geleisteter Zahlungen zurückzuerstatten. Dies ist laut Tesla entscheidend für die Fortführung des gemeinsamen Geschäfts und eine Hilfe beim Bestreben der Firma, profitabel zu werden. Die Betriebe sollten es als eine Investition in die Zukunft betrachten, ließ Tesla wissen. Der Versuch, die Zulieferer zu niedrigeren Preisen zu bewegen, zeigt exemplarisch, unter welchem Druck Tesla steht, die Kosten zu drücken.

„Tesla versucht jetzt, alles rauszuholen, um den Anschein zu erwecken, dass das Unternehmen gut dasteht“, beobachtet Autoanalyst Schwope. Der Kapitalmarktexperte mutmaßt, hinter dem plötzlichen Gewinnstreben von Tesla stecke Kalkül. „Schließlich benötigt der Konzern spätestens im nächsten Jahr über neue Anleihen, Kredite oder Kapitalerhöhungen frisches Geld.“

Investoren könnten sich aber zunehmend zieren, Tesla weiter flüssige Mittel bereitzustellen. Denn die Zeiten, in denen die Kalifornier quasi die einzige Wahl bei hochwertigen Elektroautos waren, gehen zu Ende. Der Gegenangriff der deutschen Premiumhersteller steht kurz bevor.

Daimler stellt Anfang September das erste Mercedes-Modell der neuen Elektromarke EQ vor, das 2019 in die Produktion gehen soll. Audi zieht Mitte September mit dem Etron nach, und BMW will seinen Tesla-Fighter, den i4, ab 2020 vom Band rollen lassen.

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1 Kommentar zu "Elektroautobauer: Tesla-Quartalsbericht – Tiefrote Zahlen und eine Entschuldigung von Elon Musk"

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  • Eine erfreuliche Einsicht hat aus den vielfach angekündigten Tesla-Killern jetzt Tesla-Fighter werden lassen. Solange man aber nicht eine ausreichende Zahl von Schnellladern installiert und eine Batterieproduktion auf die Beine stellt wird aber auch daraus nichts werden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!