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Elektroautohersteller Tesla erwägt Standort in Niedersachsen

Der Elektroautobauer könnte bald auch im Emsland produzieren. Wirtschaftsminister Althusmann wirbt nicht zum ersten Mal für das Land als neuen Standort.
Update: 22.08.2019 - 14:36 Uhr Kommentieren
Tesla erwägt Produktionsstandort in Niedersachsen Quelle: Tesla
Tesla-Fabrik in Reno

In Zukunft könnte auch in der Nähe von Emden ein Tesla-Werk stehen.

(Foto: Tesla)

Frankfurt Das Land Niedersachsen könnte einer der Profiteure des Expansionsstrebens von Tesla-Chef Elon Musk werden. Nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums interessiert sich der Pionier für die Elektromobilität für eine Fertigung im Norden der Republik.

Die Landesregierung stehe seit Längerem in Kontakt mit Tesla. Auf der Grundlage des Anforderungsprofils des Unternehmens habe man nun potenzielle Standorte in Niedersachsen präsentiert.

Details will das Ministerium auf Anfrage nicht nennen. Man habe „weitgehende Vertraulichkeit“ vereinbart. Auch sei nicht bekannt, wann Tesla eine Entscheidung fällen werde.

Aber der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht gute Chancen für einen Zuschlag: „Eine gute Lage im europäischen Verkehrsnetz samt Hafen-Anbindung, eine dynamische Forschungslandschaft und erneuerbare Energien vor der Haustür: Niedersachsen ist eine der weltweiten Topregionen der Automobilwirtschaft, das ist auch Tesla bekannt.“ Er würde sich über ein Engagement des Unternehmens freuen. „Wir werden die Suche Teslas weiterhin positiv begleiten und für Niedersachsen als innovativen Automobil-Standort werben.“

In Branchenkreisen werden vor allem Emden und die benachbarte Region Emsland als mögliche Standorte genannt. Emden bietet nicht nur die enge Anbindung an den Hafen. Dort betreibt auch Volkswagen ein großes Werk mit rund 9000 Beschäftigen. Dieses soll komplett auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen umgerüstet werden. In der ostfriesischen Hafenstadt wird also große Kompetenz in Sachen E-Mobilität aufgebaut.

Musk schätzt Deutschland

Was genau Tesla vorhat, ist nicht bekannt. Unternehmens-Gründer und -Chef Musk hatte vor etwa einem Jahr erklärt, dass er in Europa zwei Standorte für sogenannte Giga-Fabriken suche. Das sind Fertigungsstätten, in denen Batterien und Autos gebaut werden. Innerhalb von Europa favorisiere er Deutschland. Offen ist allerdings, ob Tesla in Deutschland sofort eine Giga-Fabrik errichten würde.

Musk muss sich um zahlreiche Baustellen kümmern. Die Produktion des Model 3, mit dem Tesla den Massenmarkt erobern will, läuft noch nicht rund. Es gibt Klagen über die Fertigungsqualität. Gleichzeitig muss Tesla seine Produktion globalisieren. Das noch recht junge Unternehmen hängt zu sehr am Standort USA.

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Die Nachteile werden dem Management immer wieder vor Augen geführt – etwa durch den Streit zwischen den USA und China. Tesla wäre extrem von immer höheren Strafzöllen betroffen. Zudem ist für eine profitable Massenfertigung eine global verteilte Fertigung zwingend notwendig. Das zeigen die etablierten Autokonzerne.

Als einen ersten Schritt hat Musk deshalb den Bau einer Giga-Fabrik in China gestartet. Ob er parallel dazu noch den Bau einer zweiten Giga-Fabrik in Deutschland beginnen wird, ist offen. In Branchenkreisen wird deshalb davon ausgegangen, dass das US-Unternehmen hier mit einer eher kleineren Fertigung beginnen würde.

Zumal Musk noch einige andere drängende Aufgaben erledigen muss: Die Produktion muss kostengünstiger werden. Der Druck ist gewaltig, spätestens seit den jüngsten Quartalszahlen. So fiel das Ergebnis des zweiten Quartals mit einem bereinigten Verlust von 1,12 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 6,35 Milliarden Dollar deutlich schlechter aus als im Vorjahr. Der Nettoverlust lag bei 408 Millionen Dollar.

Investoren erwarten nachhaltige Erträge

Als Musk diese Daten Mitte Juli verkündete, brach die Tesla-Aktie um über zehn Prozent ein. Das zeigt: Die Investoren erwarten, dass das Unternehmen endlich nachhaltige Erträge erzielt. Seit dem Börsengang 2010 hat Tesla fast acht Milliarden Dollar eingesammelt. Nun pochen die Kapitalgeber auf einen „Return“. Die jüngsten Zahlen seien demoralisierend, klagte Analyst Garrett Nelson von CFRA kürzlich. Rekordabsätze würden nichts bringen, wenn die Autos nicht profitabel gebaut werden könnten.

Das Model 3 wirft weniger Marge ab als die beiden Varianten Model S und Model X. Je mehr Tesla davon verkauft, desto stärker wird der Profit verwässert. Verstärkt wird diese Entwicklung dadurch, dass die Nachfrage nach den margenstarken Modellen zuletzt deutlich gesunken ist. Laut den Analysten von Dominion Enterprises verzeichnete das Model S im zweiten Quartal 54 Prozent weniger Zulassungen, beim Model X waren es 40 Prozent weniger.

Einblicke in die Tesla-Fabrik in Fremont

Dahinter dürfte auch Musks Ehrgeiz stehen, das Produktionsziel von bis zu 400.000 Fahrzeugen in diesem Jahr zu schaffen. Tatsächlich konnte das Unternehmen im zweiten Quartal 95.200 Wagen ausliefern, deutlich mehr als die 63.000 im ersten Quartal. Doch der Lieferrekord ist teuer erkauft – etwa über Rabatte.

Musk hat deshalb versprochen, die Produktionskosten zu senken. Dazu sollen die Arbeitsstunden pro Fahrzeug sinken, ebenso die Logistikkosten und der Aufwand für die Materialbeschaffung. Große Fortschritte verspricht sich der CEO von dem Start der Produktion des Model 3 in China Ende des Jahres. Dort sollen die Kosten deutlich niedriger sein.

Damit könnte ein Standort in Deutschland wohl kaum punkten. Ein weiterer Indikator dafür, dass Tesla hierzulande erst einmal klein beginnen wird. Dennoch wäre ein Zuschlag ein Erfolg. Seit 2016 wird immer wieder über eine Ansiedlung von Tesla in Europa gesprochen – zunächst als Standort für die Batteriezellenfertigung. Zuletzt hatte sich Wirtschaftsminister Althusmann im vergangenen September in einem Brief an Musk gewandt, um auf die Standortvorteile hinzuweisen.

Mehr: Der deutsche Markt für Elektroautos ist im ersten Halbjahr rasant gewachsen. Das Model 3 von Tesla landet beim Absatz nur auf dem zweiten Platz.

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