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Elektroautohersteller Teslas große Marketingshow mit dem Cybertruck

Der Autobauer jubelt über 200.000 Reservierungen für seinen Elektro-Pick-up. Doch Analysten bescheinigen Tesla maue Geschäftsaussichten.
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Elektroautohersteller: Teslas große Marketingshow mit dem Cybertruck Quelle: UPI/laif
Cybertruck von Tesla

Wer das Modell unverbindlich reservieren will, muss 100 Dollar hinterlegen.

(Foto: UPI/laif)

München Der Cybertruck von Tesla polarisiert derzeit wie kaum ein anderes Auto. Viele erinnert das kantige Design des Elektro-Pick-up eher an einen Tarnkappen-Kampfjet als einen klassischen Pritschenwagen. Dennoch ist das Interesse an dem Vorserienfahrzeug enorm.

Firmenchef Elon Musk bekundete über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass Tesla alleine am ersten Wochenende nach der Präsentation des Cybertruck vergangenen Donnerstag in den USA 200.000 Reservierungen für das Modell erhalten habe – und das, ohne dafür aktiv Werbung zu schalten.

Laut Musk ist der Wagen „besser“ als der F-150 von Ford und „schneller“ als der Porsche 911. Zum Beweis verbreitete der schillernde Unternehmer zwei Videos, in denen der Cybertruck beim Tauziehen gegen den Pick-up-Besteller von Ford gewann und den Klassiker des Sportwagenbauers Porsche in puncto Beschleunigung hinter sich ließ.

„Tesla löst Begeisterungsstürme aus. Das hätten die deutschen Autobauer auch gerne“, konstatiert Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI. Doch der Branchenkenner warnt vor allzu forschen Rückschlüssen: „Reservierungen haben keine große Signalwirkung auf das tatsächliche Kaufverhalten.“

Auf den ersten Blick mögen die 200.000 Interessenten binnen weniger Tage zwar imposant wirken und beispielsweise die aktuell mehr als 36.000 Vorbestellungen für den ID.3, das vollelektrische Massenmodell von VW, oder die etwa 20.000 Reservierungen für den elektrischen Porsche Taycan als mickrig erscheinen lassen. Bei näherem Hinsehen verkommen die Ankündigungen von Tesla allerdings ein Stück weit zu Effekthascherei.

„Das ist total cleveres Marketing, aber man sollte sich bei diesem ganzen Hype rational die Fakten ansehen“, sagt der unabhängige Automobilanalyst Matthias Schmidt. Wer den Cybertruck unverbindlich reservieren will, muss 100 Dollar beziehungsweise Euro hinterlegen. Das sei nichts, erklärt Schmidt. Zum Vergleich: Für den ID.3 werden 1000 Euro fällig, für den Taycan 2500 Euro.

„Cybertruck“: Teslas kontroverser Einstieg in den Pick-up-Markt

Model 3 bleibt wichtigstes Produkt

Setzt man die Vorleistungen in Relation zu den Interessenten, fließen in die Kassen von VW zunächst 36 Millionen, in jene von Porsche 50 Millionen und in jene von Tesla lediglich 20 Millionen. Darüber hinaus müssen die Cybertruck-Fans noch lange warten, bis sie ihr Wunschobjekt fahren können.

Die Produktion des Pick-ups dürfte erst 2022 starten. Dagegen sollen die ersten Modelle des Taycan noch dieses Jahr an Kunden ausgeliefert werden, jene des ID.3 im Sommer 2020. Dass Tesla trotzdem schon so zeitig Reservierungen für den Cybertruck zulässt, könnte einen einfachen Grund haben. „Tesla will verhindern, dass der Konzern ohne Perspektive auf weiteres Wachstum wahrgenommen wird“, glaubt Schmidt.

Denn das wichtigste Produkt der Kalifornier, das Model 3 für den Massenmarkt, dürfte 2020 den Zenit beim Absatz erreichen. Diese Sorge teilt Evercore-Experte Ellinghorst: „Auch die Produkte von Tesla haben normale Lebenszyklen. Nach ein paar Jahren flacht die Nachfrage ab.“ Konkret rechnet er damit, dass das Model 3 im kommenden Jahr bei etwa 385.000 verkauften Einheiten an seinem Höhepunkt angelangt sein wird.

Dies sei zwar ein „fantastischer Erfolg“, aber der Aktienkurs von Tesla werde von der Hoffnung genährt, dass das Model 3 seinen Höchststand erst bei rund 750.000 Einheiten erreichen wird. Ellinghorst hält solche Annahmen für illusorisch. Der Analyst kalkuliert vielmehr damit, dass bei Tesla bald wieder Zweifel hinsichtlich der Profitabilität aufkommen werden.

Im dritten Quartal hatte der E-Auto-Pionier die Investoren noch mit einem Nettogewinn von 143 Millionen Dollar überrascht. Musks Marketingfeuerwerk rund um den Cybertruck werten Skeptiker als weiteren Hinweis darauf, dass die Geschäfte künftig doch schlechter laufen könnten, ganz nach dem Motto: Je mauer die Aussichten, desto größer die Show.

Dabei offenbarte Tesla vergangene Woche sogar bei der Inszenierung ungewohnte Schwächen. Um zu demonstrieren, wie stabil das „Panzerglas“ des Cybertrucks ist, ließ der Autobauer beispielsweise eine Metallkugel gegen die Fensterscheiben des Wagens werfen. Die Folge waren zahlreiche Risse im Glas.

Musk nahm das Malheur mit Humor, sprach anschließend davon, wohl noch einige Verbesserungen vornehmen zu müssen, bevor die Produktion starte.

Mehr: Nur wenige Tage nach der Präsentation freut sich Elon Musk über 146.000 Bestellungen für sein neustes Modell. Doch die Kunden müssen sich noch gedulden.

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