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Elektroautopionier 312 Millionen Dollar Gewinn – Elon Musk sorgt bei Tesla für „historisches Quartal“

Satte Gewinne, mehr liquide Mittel und eine gute Prognose: Tesla-Chef Elon Musk lieferte am Mittwoch alles, was die Börse will. Ist das die Wende zum Guten?
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Tesla: Elon Musk sorgt für „historisches Quartal“ Quelle: dpa
Elon Musk

Nach turbulenten Zeiten kann Tesla nun mit guten Geschäftszahlen punkten.

(Foto: dpa)

San FranciscoElon Musk nutzte die Gunst der Stunde. Einer der schärfsten Kritiker und Short Seller der Tesla-Aktie hatte am Dienstag eine Kehrtwende vollzogen und ist jetzt begeisterter Fan. Der Elektroautobauer „zermalme“ die Konkurrenz, so Großinvestor Andrew Left von Citron Research, das Model 3 sei ein „klarer Hit“.

Die Aktie vollführte einen Freudensprung und der Vorstandschef und Noch-Tesla-Verwaltungsratschef Musk setzte ad hoc für den kommenden Tag die Veröffentlichung der Quartalszahlen an, um an die positive Dynamik anzuknüpfen. Das ist am Mittwoch gelungen, noch vor Beginn der Analystenkonferenz lag die Aktie nachbörslich zwölf Prozent im Plus.

Versprochen hatte er schwarze Zahlen für das zweite Halbjahr 2018 und er hat geliefert. Am Mittwoch meldete Musk aus 6,8 Milliarden Dollar Umsatz im dritten Quartal 312 Millionen Dollar Nettogewinn nach dem strengen Bilanzstandard GAAP.

Die Zahlen beenden eine turbulente Zeit für den Autobauer aus Kalifornien, in dem sich Musk mit den Regulierungsbehörden anlegte, eine angebliche Privatisierung des Unternehmens inszenierte, denkwürdige Podcasts mit Joint und Whiskyglas in der Hand zelebrierte und in einem Interview von Schlafmangel, Schlafmitteln und völliger Erschöpfung berichtete. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse, einschließlich der deutlich auf drei Milliarden Dollar gestiegenen Finanzreserven, sind wie eine Siegesrunde für ihn.

Der Free Cash Flow wird mit 881 Millionen Dollar angegeben. Musk selbst spricht zu Recht von einem „historischen Quartal“. Nach Umsatz sei das Model 3 das bestverkaufte Automodell der USA gewesen und die Nummer fünf bei den Stückzahlen.

Von 455.000 Reservierungen für das Model 3 im August wurden bislang laut Tesla „weniger als“ 20 Prozent gecancelt, trotzdem immerhin bis zu 100.000 Stück. Die Frage ist: Was ist mit dem Rest? Mit der Einführung neuer Modelle werde sich die Umwandlung der bestehenden Reservierungen beschleunigen, heißt es von Tesla. Mit anderen Worten: Es sind wohl viele Besteller, die schlicht und einfach auf die billigere 35.000-Dollar-Version warten.

Das ist ein Problem. Tesla kann jetzt so viele Model-3-Fahrzeuge für 46.000 Dollar (und mehr) bauen, wie es will. Wenn die Kunden weniger zahlen wollen, wird das nicht helfen. Der Preis muss runter. Vor allem, weil bald Steuervorteile für Käufer, zum Beispiel in Kalifornien, verlorengehen, die den Preis bislang optisch senken.

Positiv: Die Bruttomarge bei Teslas kommenden Massenmarkt-Auto liege über 20 Prozent, betont Musk. Mehr als er und Analysten erwartet haben. In der letzten Quartalswoche seien 5300 Model 3 gefertigt worden. Das liegt in der ersten Zielmarke.

China soll mit einer eigenen Model-3-Fertigung jetzt helfen, den Absatz zu beschleunigen. Bereits 2019 sollen Teile der Produktion dorthin verlagert werden. China gilt als das Land mit den ehrgeizigsten Plänen für die Elektrifizierung des Verkehrs. Ab 2019 werde die Mittelklasse-Limousine auch in Europa angeboten werden. Das Segment sei doppelt so groß wie in den USA. Dort ist der Markt für klassische Limousinen praktisch zugunsten von SUV und Pick-Up-Trucks kollabiert.

Jetzt verspricht Musk im Aktionärsbrief erst einmal weitere Nettoerträge für das laufende Quartal. Elon Musk zieht dabei alle Register, um das Ergebnis vielleicht noch einen Schnaps über das jetzt ausgewiesene Ergebnis zu hieven.

Ausstattungsvarianten werden gestrichen, beim Model 3 Farboptionen, die Möglichkeit zu einer zukünftigen autonomen Selbstfahrtechnik fällt weg, der Preis für ein gerade erst angekündigtes „Mittelpreis“-Model-3 wurde nach nur einer Woche klammheimlich um 1000 auf 46.000 Dollar angehoben. Musk will die Kosten im Griff und die Margen hoch halten. Das lieben Anleger und werden es wohlwollend berücksichtigen, wenn Tesla 2019 Anleihen refinanzieren oder vielleicht neues Kapital aufnehmen muss.

Tesla-Aktie schießt vor Quartalsbericht knapp 13 Prozent in die Höhe

Analysten werden wieder aufmerksam. JPM Securities nahm die reguläre Beobachtung der Tesla-Aktie am Mittwoch mit einem „Outperform“-Rating auf, mit einem Preisziel von 350 Dollar. Analyst Joseph Osha begründet seine Einschätzung unter anderem damit, dass Tesla der Konkurrenz weiter weit voraus sei.

Es gibt aber auch Schattenseiten, nicht zuletzt verursacht durch die Technikverliebtheit von Elon Musk und seiner mittlerweile abgekühlten Liebe zur vollständigen Automatisierung der Fertigung. Im Ranking des einflussreichen Magazins „Consumer Report“, sozusagen der ADAC der USA, rutscht Tesla zusammen mit den anderen US-Herstellern in das Verliererfeld, was Zuverlässigkeit und Mängel angeht. Weit hinter Japanern und Koreanern. Tesla rangiert nur noch eine Position besser als General Motors.

Die Limousine Model S rutschte von „überdurchschnittlich“ auf „unterdurchschnittlich“ und verlor ihren Empfehlungsstatus. Der beliebte SUV Model X verharrte konstant bei „weit schlechter als der Durchschnitt“; das Magazin konstatiert anhaltende Probleme der Kunden mit den innovativen Flügeltüren und dem Zentralbildschirm. Das Model 3, das erst nach einem Software-Update des Bremssystems eine Empfehlung bekam, startete in der Kategorie Zuverlässigkeit mit „Durchschnitt“.

Tesla verlässt jetzt den Markt der Elon-Musk-Fans mit den dicken Brieftaschen und will Amerikas Familienlimousine werden. Doch dort sitzt das Geld nicht so locker, und häufige Ausfälle verärgern die Kunden. Qualitätssicherung in der Produktion wird eine der wichtigsten Aufgaben.

Den Anlegern bleibt jetzt nur zu hoffen, dass Musk diese Probleme in den Griff bekommt, bevor es sich auf den Ruf als „Premiumanbieter“ auswirkt und Ruf und Wiederverkaufswerte der eleganten Elektroautos leiden.

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