Elektroautos Diese Start-Ups könnten VW & Co. angreifen

Die Entwicklung eines neuen Autos ist teuer und langwierig. Newcomer in der Branche hatten daher bislang schlechte Karten. Doch das ändert sich – Neugründungen fordern die etablierten Hersteller heraus.
Update: 15.07.2017 - 16:24 Uhr Kommentieren
Am 27. Juli will das Münchner Start-up sein Solarzellenauto Sion offiziell vorstellen. Quelle: dpa
Sonomotors

Am 27. Juli will das Münchner Start-up sein Solarzellenauto Sion offiziell vorstellen.

(Foto: dpa)

MünchenAuf dem umkämpften Zukunftsmarkt der Elektroautos meldet sich ein neuer Wettbewerber mit ehrgeizigen Plänen: Am 27. Juli will das Münchner Start-up Sonomotors sein Solarzellenauto Sion offiziell vorstellen. Von August bis Oktober soll eine europaweite Tour mit 7.000 Probefahrten in sieben Ländern beginnen, wie Unternehmensmitgründer Laurin Hahn sagte. Die Serienfertigung soll 2019 starten. Sonomotors hofft, bis 2027 eine sechsstellige Zahl von Fahrzeugen absetzen zu können.

Zuvor hatte bereits das Aachener Unternehmen E.Go Mobile seine Pläne publik gemacht, das noch schneller als Sonomotors sein will. Voraussichtlicher Produktionsstart sei Mai 2018, ab Juli 2018 könne dann ausgeliefert werden, sagt eine Sprecherin.

Beide Unternehmen wollen ihre E-Mobile billiger anbieten als andere Elektroautos: Der Sion soll in zwei Versionen mit 120 und 250 Kilometern Reichweite erhältlich sein, die Kosten sollen ohne Batterie 12.000 beziehungsweise 16.000 Euro betragen. Das Konkurrenzmodell E.Go Life soll einschließlich Batterie 16.000 Euro kosten und 130 Kilometer weit fahren. Außerdem soll es noch eine Version mit 170 Kilometern Reichweite geben. Chefentwickler ist der Aachener Professor Günther Schuh, der bereits den elektrischen Lieferwagen Streetscooter für die Post entworfen hat.

Was Autokäufer wählen würden
Volkswagen
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Korreliert das Fahren bestimmter Automarken mit parteipolitischen Präferenzen? Die Nürnberger Marktforschung Puls hat im Mai 2017 daher 1010 Autokäufer zu ihrem Wahlverhalten befragt. Mit teils erstaunlichen Ergebnissen. Da wäre beispielsweise Volkswagen: Europas größter Autobauer, nach dem Dieselskandal bei den Grünen verrufen? Von wegen! Immerhin stolze sieben Prozent der Volkswagenfahrer geben an, grün zu wählen – auf so viel Gegenliebe unter den Umweltrettern stößt nur noch eine weitere Marke. Auch für die Linke können sich sieben Prozent begeistern, für die AfD gar elf. Und: Mit 26 zu 18 Prozent schlägt die Union die SPD.

Mercedes-Benz
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mercedes-Chef Dieter Zetsche sind offenbar ein echtes Dreamteam: Mercedes-Käufer sind für CDU/CSU eine sicher Bank, 32 Prozent wählen der Studie zufolge die Union. Nur 18 Prozent entfallen auf die SPD. FDP und AfD holen je 10 Prozent. Gar nichts übrig haben Mercedes-Käufer für die Linke: Sie erhält nicht ein einziges Prozent der Mercedes-Fahrer.

Audi
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat gut Lachen: Auch Audi wird besonders von konservativen Fahrern geschätzt, 31 Prozent der Käufer wählen CDU/CSU. Und die Kunden der Ingolstädter können sich noch weniger für die SPD erwärmen als Mercedes-Käufer, nur 13 Prozent würden für die Sozialdemokraten stimmen. Im Nacken sitzen denen bereits FDP und AfD mit erneut je 10 Prozent. Die Linke schafft bei Audi die fünf-Prozent-Marke.

Ford
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Elf Prozent der Ford-Käufer wählen die Linke – zwölf Prozent wiederum die AfD. 19 Prozent entscheiden sich für die Union, 14 Prozent für die SPD. Die FDP schafft mit fünf Prozent die entsprechende Hürde, die Grünen scheitern mit vier Prozent knapp. Die stärkste Fraktion macht bei der US-Marke eine andere Gruppe aus: 20 Prozent der Ford-Käufer wissen gar nicht, wen sie wählen sollen.

BMW
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Aller guten Dinge sind drei: Der dritte Premium-Hersteller, das dritte Mal stimmen 10 Prozent der Kunden für die FDP. Weit weniger erfreulich fällt das Ergebnis diesmal für die Union aus: Von den BMW-Käufern gibt es nur 19 Prozent, die SPD schafft 14 Prozent. Die AfD kann sich über satte 12 Prozent freuen.

Opel
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Patt zwischen den Volksparteien: Opel-Käufer entscheiden sich zu je 19 Prozent sowohl für CDU/CSU und die SPD. Viele Sympathien gibt es außerdem am linken wie auch am rechten Rand: 10 Prozent gibt es für die Linke, 13 Prozent für die AfD.

Skoda
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Und bei den Skoda-Käufern ist es dann soweit: Die SPD übernimmt die Führung. Mit 26 zu 25 Prozent schlagen die Sozialdemokraten die Union hauchdünn. Allerdings läuft alles auf eine große Koalition hinaus: In den Skoda-Bundestag schaffen es sonst nur noch FDP und AfD mit jeweils 9 Prozent, Grüne und Linkspartei bleiben mit je 4 Prozent auf der Strecke.

Der Münchner Sion soll sich auch durch eine andere Besonderheit von üblichen Elektroautos unterscheiden: Das Fahrzeug kann auch mit Solarzellen aufgeladen werden - zumindest so weit, dass eine Reichweite von 30 Kilometern am Tag möglich sein soll. Die Idee: Das Auto könnte sich beim Parken selbst laden, ohne an Ladesäule oder Steckdose angeschlossen werden zu müssen.

Eine volle Ladung per Solarzelle wäre allerdings ein langwieriger Prozess: „Das würde vier bis fünf Tage dauern“, sagt Hahn. Deswegen ist auch herkömmliches Laden via Steckdose möglich. „Die Batterie ist komplett schnellladefähig“, sagt Hahn. Die Kunden sollen die Batterie wahlweise kaufen oder mieten können. Gebaut sind für die Probefahrten zwei Prototypen. Die Serienproduktion soll ein Auftragsfertiger übernehmen.

Sonomotors finanziert sich bislang ohne Bankkredite über Crowdfunding. „Bisher haben wir 1.200 unverbindliche und 300 verbindliche Vorbestellungen“, sagt Hahn. „Durch das Crowdfunding haben wir auch private Investoren gewinnen können.“ Wie das Auto aussehen wird, hält das Unternehmen streng geheim, die Prototypen sollen erst bei der offiziellen Vorstellung präsentiert werden.

Schuh und seine Mitstreiter in Aachen verfolgen einen anderen Weg: E.Go Mobile baut eine eigene Produktion auf - erst ab 2020 soll sich das „teilweise ändern“, wie die Sprecherin sagt. Das Unternehmen finanziert sich zum Teil aus Eigenmitteln - die Gründer halten mehr als die Hälfte der Anteile - zum Teil mit Hilfe von Investoren, die bislang nicht genannt werden wollen.

In der Autobranche haben es Neueinsteiger wegen des sehr hohen Bedarfs an Kapital und Know-how traditionell schwer. Tesla-Gründer Elon Musk war bislang erfolgreich, ist jedoch sowohl Milliardär als auch Celebrity - zwei Voraussetzungen, die den deutschen E-Auto-Gründern fehlen.

„Vom Grundsatz her ist es einfacher, ein Elektroauto neu an den Start zu bringen als ein herkömmliches Fahrzeug“, meint Automobilexperte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die Technik ist einfacher und besonders bei Stadtfahrzeugen sind die Anforderungen weniger hoch. Dadurch ist die Entwicklung schneller.“

Ausschlaggebend für Start-ups ist nach Bernharts Einschätzung ein anderer Punkt: „Oft unterschätzt werden aber die Vermarktung und das Vertriebssystem. Über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheidet der Marktzugang.“

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