Elektromobilität Chinesischer E-Autohersteller strebt in den USA an die Börse

China ist führend bei Elektroauto-Verkäufen. Um auch den US-Markt zu erobern, will Jack Cheng, Chef des Start-ups Nio, in den USA an die Börse.
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Es ist das erste Nio-Modell mit Straßenzulassung. Quelle: Reuters
NIO ES8 bei der Motor Show in Peking

Es ist das erste Nio-Modell mit Straßenzulassung.

(Foto: Reuters)

San FranciscoDer Mitgründer des chinesischen Elektroauto-Start-ups Nio ist selbstbewusst. Die deutschen Autohersteller seien „nicht schnell genug“, erklärte Jack Cheng Ende April im Handelsblatt-Interview. Nun will der frühere Ford-Manager offenbar auch auf dem amerikanischen Markt Stärke demonstrieren.

Der Finanzdienst Bloomberg berichtete jedenfalls am Montag, dass der Rivale des Elektroauto-Pioniers Tesla den Börsengang an der Wall Street plant. Demnach hat Nio entsprechende Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Mit dem Debüt könne das Unternehmen, das den chinesischen IT-Riesen Tencent zu seinen Investoren zählt, an der Wall Street zwei Milliarden Dollar einnehmen, schätzt Bloomberg.

Die Vorbereitungen für den Börsengang seien im Anfangsstadium, sagen Insider. Im Sommer oder Anfang Herbst werden erste Angebote der Investoren angenommen. Der Konzern wollte die Informationen nicht bestätigen.

Der Börsengang könnte dem Start-up die Finanzkraft geben, sich auf dem größten Automarkt der Welt durchzusetzen. Im Dezember 2017 stellte das Unternehmen das erste Fahrzeug mit Straßenzulassung vor, das im Laufe des Jahres für den chinesischen Markt produziert werden soll. Der Preis des Elektro-SUVs: 70.000 Dollar.

Chinesische Hersteller mischen ganz vorn mit

Noch ist die Nachfrage überschaubar. „Als eine neue Firma am Markt ist das natürlich eine Herausforderung“, sagte Jack Cheng, Gründer und Produktionschef bei Nio, jüngst im Handelsblatt-Interview. „Aber bis Ende Dezember sind schon 10.000 Bestellungen bei uns eingegangen.“ Für dieses Kalenderjahr plane man mit einer Produktionskapazität von 30.000 Stück. „Bald wollen wir 50.000 Autos pro Jahr erreichen. Und schon ab Juni wollen wir die ersten Autos ausliefern.“

Zudem kündigte Cheng an, bereits zwei weitere Modelle zu entwickeln, die in Kürze auf den Markt kommen sollen. Übrigens haben wir festgestellt, dass es oft Besitzer von Audis, BMWs und Mercedes sind, die bei uns ein Zweitauto bestellen.

Die Bedingungen für den Börsengang von Nio sind günstig. Das Unternehmen hat genügend Geld von Investoren eingesammelt, um in den Massenmarkt einzusteigen, verkündete der Gründer William Li im April. Insidern zufolge soll bei der Finanzierungsrunde im November 2017 eine Milliarde US-Dollar zusammengekommen sein, die hauptsächlich vom chinesischen Internetgiganten Tencent getragen wurde.

Der Nio-Chef hat in der Vergangenheit viele Auto-Joint-Ventures aufgebaut. Quelle: Twitter
Jack Cheng

Der Nio-Chef hat in der Vergangenheit viele Auto-Joint-Ventures aufgebaut.

(Foto: Twitter)

Wachstum für die E-Autohersteller verspricht vor allem der chinesische Markt. Dieses Jahr wird für den Markt in Fernost ein E-Auto-Wachstum von 40 bis 50 Prozent erwartet.

Die chinesischen Hersteller mischen ganz vorn mit. Allen voran „Build Your Dreams“, kurz BYD. Der einstige Batteriehersteller aus Shenzhen avancierte inzwischen zum Marktführer für batteriebetriebene Autos in China und der Welt.

Oder Geely, Eigner des Pkw-Herstellers Volvo und nun größter Einzelaktionär beim deutschen Autobauer Daimler. Das Unternehmen setzte ebenfalls früh auf E-Mobilität und will laut Gründer Li Shufu bis in zwei Jahren 90 Prozent seines Absatzes mit Stromautos bestreiten.

Der amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla hingegen kämpft mit Problemen bei der Serienfertigung des Model 3. Gründer Elon Musk verschob oder verfehlte die Produktionsziele des batteriebetriebenen Mittelklassewagens mehrfach. Von dem günstigen Elektrovehikel hängt vieles ab.

Es soll Tesla in einen Massenhersteller verwandeln. Knapp eine halbe Million Fans bestellte das Stromauto mit einem Preis von 35.000 Dollar vor. Doch ab Juli soll nun eine weitaus teurere Version für 78.000 Dollar mit dualem Motor in Produktion gehen, kündigte Musk an.

In seinem Heimatmarkt gerät Tesla zunehmend unter Druck. Denn auch die amerikanischen Rivalen treiben ehrgeizige Pläne um. Mary Barra, Chefin von General Motors (GM), will ab 2021 mit dem Vertrieb der E-Fahrzeuge Geld verdienen. Vom elektrifizierten Chevrolet Bolt EV mit einer Reichweite von über 320 Kilometern verkaufte GM 2017 knapp 23.300 Stück.

Audi will massiv in Elektromobilität investieren

Die deutschen Autobauer mischen ebenfalls mit. BMW entwickelt inzwischen die fünfte Generation der E-Autos. Ab 2021 wollen die Münchener jedes Modell in jeder Fabrik flexibel mit Verbrenner-, Hybrid- oder Elektroantrieb bauen können. Volkswagen beginnt die Produktion der ersten Elektrofahrzeuge schon Ende kommenden Jahres. Bis Ende 2022 sollen an 16 VW-Standorten weltweit batterieelektrisch angetriebene Autos vom Band rollen.

Die Marke Volkswagen will im Jahr 2025 bei einer Million E-Autos ankommen, im gesamten Konzern soll die Summe auf drei Millionen wachsen. Bei Audi soll jedes dritte verkaufte Fahrzeug im Jahr 2025 elektrisch fahren, das entspricht rund 800.000 Stück pro Jahr. Die Ingolstädter planen, bis 2025 mehr als 40 Milliarden Euro zu investieren, gut 60 Prozent davon in Elektromobilität.

Ende 2018 kommt mit dem Q6-Etron ein vollelektrisches SUV auf den Markt, so der Plan. Bis 2025 folgen 20 Elektroautos und Hybridmodelle. Die VW-Tochter zeigt sich damit ambitionierter als die Konkurrenz. BMW und Mercedes gehen bei ihren Fahrzeugen von einem Elektroanteil von zwischen 15 und 25 Prozent aus, der von Audi läge bei 30 Prozent.

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