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Elektromobilität Die Ladesäulen-Offensive – Audi will eigenes Schnellladenetz aufbauen

Der Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität lief lange schleppend. Nun gibt es Bewegung: Audi will eine Milliarde Euro in Schnelllader investieren – auch Berlin bewegt sich.
08.02.2021 - 04:00 Uhr 4 Kommentare
Das Audi-Netz soll aus besonders leistungsfähigen Ladepunkten bestehen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
E-Mobilität

Das Audi-Netz soll aus besonders leistungsfähigen Ladepunkten bestehen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf, Berlin Der Mangel an Ladesäulen für Elektroautos treibt die Autoindustrie seit Monaten um. Gerade einmal 200 Ladepunkte entstehen pro Woche in Deutschland, eigentlich müssten es rund 2000 sein, schätzt der Verband der Automobilindustrie. Und nur zwei Prozent der Säulen sind Schnelllader, die ein Elektroauto in 15 Minuten ausreichend laden können.

Audi-Chef Markus Duesmann will nicht länger auf Politik und Energiewirtschaft warten. „Wir prüfen, ob wir eine eigene Premium-Ladeinfrastruktur in großen Städten aufbauen“, kündigt Duesmann im Handelsblatt-Interview an. „Wir wollen nicht, dass der Verkauf unserer Fahrzeuge am Mangel an Ladestationen scheitert.“

Analog zu Teslas „Superchargern“ soll das Audi-Netz aus besonders leistungsfähigen Ladepunkten bestehen, mit mindestens 150 Kilowatt. Die Kosten für die zunächst geplanten 200 bis 300 Stationen werden intern auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Auch Audis Konzernschwester Porsche könnte sich an dem exklusiven Netz beteiligen, heißt es im Konzern.

Parallel zu Audi plant auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Aufbau eines Schnellladenetzes. In einem Gesetzentwurf seines Ministeriums sind bundesweit zehn Regionen vorgesehen, in denen nach definierten Standards unter Aufsicht einer staatlichen Stelle insgesamt 1000 Ladesäulen errichtet und betrieben werden sollen. Das wirtschaftliche Risiko will der Bund übernehmen. Die Energiewirtschaft kritisiert das Vorhaben allerdings scharf.

Audi-Chef Duesmann sitzt in diesem Gezerre der Verantwortlichkeiten zwischen den Stühlen. Der Audi-Chef will nicht darauf vertrauen, dass die Politik oder die Energiewirtschaft ein Schnellladenetz bauen. Bis Mitte des Jahrzehnts will Audi 20 Stromer auf dem Markt haben, bis 2025 sollen in Europa mindestens 30 Prozent der Autos elektrisch fahren.

Schnellladung in 15 bis 20 Minuten

Der Autobauer fürchtet, dass die dann notwendige öffentliche Ladeinfrastruktur „hinten und vorne“ nicht reicht. Mit elf oder 22 Kilowatt sind die meisten Ladesäulen zu schwach, um leistungsstarke Autos schnell zu laden. Duesmann will ähnlich wie Tesla mit seinen „Superchargern“ ein exklusives Netz mit Ladeleistungen von mindestens 150 Kilowatt.

Der VW-Konzern baut mit Daimler und BMW ein Netz von „Superchargern“ unter der Marke Ionity an den Autobahnen. Quelle: Audi
Ionity-Ladesäule

Der VW-Konzern baut mit Daimler und BMW ein Netz von „Superchargern“ unter der Marke Ionity an den Autobahnen.

(Foto: Audi)

Damit würde in Zukunft das Laden eines Stromautos fast so schnell gehen wie das heutige Tanken eines Autos mit Verbrennungsmotor. Mit Daimler und BMW baut der VW-Konzern ein solches Netz unter der Marke Ionity bereits an den Autobahnen. Duesmann will zusätzlich ein solches Netz exklusiv für Audi und Porsche in jeder Metropole.

Seit Herbst arbeitet ein Projektteam an dem Plan, Duesmann hat das Vorhaben bereits im VW-Konzernvorstand präsentiert. Vorgesehen sind mindestens 200 Stationen, es könnten aber auch bis zu 400 werden. Jede soll sechs oder zwölf Ladepunkte haben und wie eine Tankstelle funktionieren. Gesucht werden Partner für Gastronomie, Konsum oder Coworking-Areas. Damit setzen sich Audi und Porsche vom Rest der Industrie ab – Daimler und BMW haben bislang keine Pläne.

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Doch der Druck wächst. Politik und Wirtschaft haben das Ziel, die Zahl der öffentlichen Ladesäulen von heute 33.000 auf eine Million im Jahr 2030 auszubauen. „Der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur durch private Initiativen ist zwingend notwendig“, kommentierte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Aufgabe der Politik sei es, „Risiken in der Startphase zu verringern“.

Branchenverbände üben harte Kritik

Der Bundesverband Elektromobilität (BEM) übt vernichtende Kritik. Der vorgelegte Entwurf stehe „nicht im Einklang mit den bestehenden Fachgesetzen und ihren Definitionen, es fehle an der Kenntnis elektrotechnischer Grundlagen, an Kenntnis regulatorischer Grundlagen für marktgerechte Strukturen und am Gesamtverständnis für Elektromobilität, elektrische Antriebe und der dazugehörigen Infrastruktur“. „Wir sind in Sorge um die Elektromobilität und ihre bestmögliche Ausgestaltung“, sagte BEM-Vorstand Markus Emmert nach der Verbändeanhörung.

Auch die Energiewirtschaft kritisierte das Vorhaben und warnt vor „Überregulierung“. Der Energiekonzern EnBW, nach eigenen Angaben größter Betreiber von Schnellladeinfrastruktur in Deutschland, sprach gar von einem „ruinösen Wettbewerb“. Die Pläne würden „mehr schaden denn nützen“.

Der Branchenverband BDEW forderte „verlässliche Rahmenbedingungen statt ständiges Herumdoktern“. Auch in der Bundesregierung gibt es Kritik, vor allem vom Justizministerium. Daher war der Entwurf noch nicht im Kabinett. Das soll an diesem Mittwoch aber nachgeholt werden. Sollte er dann nicht beschlossen werden, dürften die Pläne kaum noch vor Ende der Legislaturperiode Gesetz werden.

Mehr: Audi-Chef Markus Duesmann im Interview: „Wir wollen Tesla überholen.“

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4 Kommentare zu "Elektromobilität: Die Ladesäulen-Offensive – Audi will eigenes Schnellladenetz aufbauen"

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  • Audi sollte s doch bereits wissen, von den in D registrierten 54Millionen Fahrzeugen, können noch nicht mal 1 Million gleichzeitig aufgeladen werden ( 350KW pro Fahrzeug = 350 Gigawatt, aber unser Stromnetz bietet nur 69 Gigawatt Leistung). Stromblackouts sind bereits jetzt eine Gefahr, der wir entgegen planen müssen. Mit der innovativen Energienutzung durch Neutrino-Technologie kann man eine saubere Elektromobilität Aufbauen. Beispielsweise hat die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften auf unabhängigen Wunsch eines der führenden deutschen Automobilhersteller die Effizienz der Technologie und die im Patent deklarierten Eigenschaften der Neutrino-Voltaik bestätigt. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu kürzlich: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln.

  • Was nutzt denen ein "Schnelladenetz" (ich bleibe hier bei der alten Rechtschreibung, da drei Konsonanten am Stück für meine Augen fürchterlich sind ;-) ), wenn das Stromnetz selbst zunehmend "Flatterstrom" liefert - oder gleich gar nix mehr. Siehe dazu mein Kommentar vom 20.01.:
    "... man bekommt demnächst hier noch nicht einmal mehr Strom, wenn man ihn möchte (bzw. dringend braucht), sondern nur noch, wenn das Stromnetz so stabil ist, dass es von Seiten der Netzbetreiber nicht zu einer Spitzenglättung kommen muss!!
    Da es in Merkelland in näherer Zukunft ökogerecht fast nur noch nicht- grundlastfähigen "Flatterstrom" geben wird, könnte das ziemlich oft der Fall sein. Kommen dann auch noch immer mehr "schnellladefähige" E-Autos auf den Markt, könnte das sogar die Regel werden.
    Was heißt das nun auf gut Deutsch? Die Ladestationen werden bei Netzüberlastung einfach vom Netz abgetrennt. Nix schnell E-Auto laden mehr, sondern warten, bis die Netzbetreiber wieder "anschalten".
    Fahren oder nicht fahren wird dann zum Glücksspiel. Und wenn das im Winter passiert und nix lädt, weil die Ladestation vom Netz getrennt ist, dann kann man sich evtl. stundenlang den Allerwertesten in der Kälte abfrieren.
    Man kann sowas auch MANGELWIRTSCHAFT nennen - und die ist immer typisch für Sozialismus - und eben in Bälde auch für grünen Öko-Sozialismus."
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/wallboxen-der-markt-fuer-private-ladesaeulen-steht-vor-einem-boom/26829446.html

  • @Herr Kai Leßmann
    Plug-in-Hybride finde ich super, da man auch mit kleinen Batterien die täglichen Wege bewältigen kann und diese Batterie gut von der privaten Photovoltaikanlage gespeist werden können. Damit wird das Stromnetz nicht zu sehr belastet und es wird rein grüner Strom verwendet.
    Reine e-Autos sind aus meiner Sicht eine Umweltschande: Riesiger Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Batterien und der verwendete Strom ist nur zum geringen Teil grün.

  • Man sollte Plug-in-Hybride nicht berücksichtigen bei der Zählung von Elektrofahrzeugen, dienen sie doch nur als Alibi-Funktion um weiter Verbrenner verkaufen zu können.

    Insofern finde ich es gut, dass Sie die Antriebs-Gattungen getrennt aufgeführt haben.

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