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Elektromobilität Elektroauto-Pionier e.Go verpasst eigene Ziele

Der Aachener Hersteller hat sein Absatzziel für das Jahr 2019 knapp verpasst. Trotzdem hält Firmengründer Schuh an den Wachstumszielen fest.
26.01.2020 - 11:36 Uhr Kommentieren
Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet das Start-up laut Bundesanzeiger mit einem Ebit-Verlust zwischen 75 und 90 Millionen Euro. Quelle: dpa
Autoproduktion bei e.Go

Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet das Start-up laut Bundesanzeiger mit einem Ebit-Verlust zwischen 75 und 90 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Aachen Der Aachener Elektro-Autobauer e.Go hat seine selbst gesteckten Ziele 2019 nicht erreichen können. Man habe im vergangenen Jahr 540 Autos verkauft, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Angepeilt waren zuletzt 600 Exemplare, ursprünglich war sogar von 1000 die Rede.

„Es ist nicht planmäßig gelaufen, aber wir haben es besser hingekriegt als viele andere“, sagte Firmengründer Günther Schuh. Der Rückschlag hält den Professor für Produktsystematik nicht davon ab, sich für 2020 erneut ambitionierte Ziele zu setzen: 5100 Autos sollen in diesem Jahr vom Band rollen.

Bei den neu zugelassenen Elektroautos liegt Ego mit 171 Fahrzeugen weit hinter seinen Konkurrenten, wie aus den Zahlen des Kraftfahrtbundesamts für 2019 hervorgeht, die die Uni Duisburg-Essen ausgewertet hat. Von VW, wo man mit dem „e-Up“ einen direkten Wettbewerber zum Modell „e.Go Life“ anbietet, wurden im gleichen Zeitraum dagegen 8200 Fahrzeuge neu zugelassen.

„Es ist äußerst schwierig, sich langfristig ein stabiles Geschäftsmodell vorzustellen“, sagt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Das Modell aus Aachen könne sich im Wettbewerb schlecht durchsetzen, da es eine zu geringe Reichweite habe und lange zum Laden brauche.

Der „e.Go Life“ ist als Stadtauto mit einer Reichweite von rund 150 Kilometern konzipiert. Firmengründer Schuh sieht das nicht als Schwäche an – die natürliche Nutzung eines Elektroautos sei „der typische Kurzstreckenverkehr. Der Glaube, dass man die Verbrenner als Hauptfahrzeug durch Elektroautos ersetzen kann, ist absehbar noch nicht der Fall.“

Kritiker machen auch diese mangelnde Überzeugung vom Elektroauto verantwortlich dafür, dass es bei e.Go bislang nicht so rund läuft wie erwartet. Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet das Start-up laut Bundesanzeiger mit einem Ebit-Verlust zwischen 75 und 90 Millionen Euro. Die Abkürzung Ebit meint das Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Um sich weiter über Wasser zu halten, will e.Go nach den Worten Schuhs neues Kapital aufnehmen. Hoffnungen macht man sich unter anderem auf einen neuen Partner aus China, der frisches Geld in das Start-up pumpen soll. Der Status quo: Der Vertrag sei geschlossen, man warte auf eine Überweisung. Bis Ende März läuft außerdem noch ein Darlehen über rund 100 Millionen Euro - dabei muss das Unternehmen auf die Gunst der Investoren hoffen, dieses zu verlängern.

Dudenhöffer hält die Struktur des Start-ups, das an die Aachener Universität angedockt ist, für problematisch. Eine profitable Produktion sei in diesem Rahmen kaum möglich. „Eine Uni ist eine Uni und kein Autobauer, der gegen VW kämpft“, meint er. Schuh zeigt sich trotzdem weiter optimistisch: „Es mangelt nicht an Nachfrage“, so sein Fazit.

Mehr: Der E-Auto-Pionier Günther Schuh wird ausgezeichnet – ausgerechnet vom ältesten Hersteller von Verbrennungsmotoren der Welt: Deutz.

  • dpa
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