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Elektromobilität In Thüringen entsteht Deutschlands erste Gigafactory – BMW kauft Batterien für vier Milliarden Euro

Der Batteriezellenhersteller CATL errichtet in Thüringen sein erstes Werk außerhalb Chinas. Die Autobauer jubeln – ihre Strategie geht auf.
Update: 09.07.2018 - 17:45 Uhr Kommentieren
Der Münchener Autobauer setzt in Zukunft stark auf Strom – und auf den chinesischen Batteriehersteller CATL. Quelle: dpa
Elektrischer BMW i4

Der Münchener Autobauer setzt in Zukunft stark auf Strom – und auf den chinesischen Batteriehersteller CATL.

(Foto: dpa)

MünchenDie Verhandlungen waren intensiv. Mehr als ein Jahr lang buhlte Wolfgang Tiefensee (SPD) um die Gunst des chinesischen Batteriezellenherstellers CATL – in der Erfurter Heimat ebenso wie in Fernost. Thüringens Wirtschaftsminister lockte mit Fördergeldern, Finanzierungszusagen und fertig entwickelten Grundstücken im Herzen Europas.

Nun ist klar: Der Aufwand hat sich gelohnt. Im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen unterzeichnete Contemporary Amperex Technology (CATL) am Montag eine Projektvereinbarung mit dem Freistaat Thüringen.

Demnach wird Chinas größter Batteriezellenhersteller seine erste Fabrik außerhalb der Volksrepublik am „Erfurter Kreuz“ errichten, einem Industrieareal zwischen Arnstadt und der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Das Projekt ist in vier Etappen unterteilt. In der ersten Phase werden ein Distributionszentrum, Forschungslabore und die Produktion hochgezogen. In den nächsten Schritten sollen die Fertigungskapazitäten ausgebaut werden. „Die Bedeutung dieses Projektes lässt sich gar nicht überschätzen“, sagte Wolfgang Tiefensee (SPD).

Insgesamt ist die Zellfabrik auf eine Jahreskapazität von 14 Gigawattstunden ausgelegt. Bis 2022 will CATL gut 240 Millionen Euro investieren. Dabei entstehen zunächst etwa 600 Arbeitsplätze in der Region, im Endausbau könnten es bis zu tausend Jobs werden. Tiefensee spricht von der „bedeutendsten Investitionsentscheidung der letzten zehn Jahre in Thüringen“.

BMW beteiligt sich an Fabrikkosten

Aus den Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” (GRW) wird CATL ein Zuschuss von 7,5 Millionen Euro gewährt, heißt es beim Wirtschaftsministerium in Thüringen. Die Chinesen können zudem auf Fördergelder aus Bundesprogrammen hoffen. Abgesichert wird der Bau der CATL-Fabrik darüber hinaus über eine Finanzierungslinie der Thüringer Aufbaubank. Auch Großkunde BMW beteiligt sich an den Kosten. „Für uns ist es eine Freude, einen Investor zu unterstützen – für die nächsten fünf Jahre oder auch länger“, sagte Arnulf Wulff von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen.

Das ostdeutsche Bundesland soll nach den Plänen der Landesregierung zu einem führenden Standort für Batterietechnologie aufsteigen. Die Investition von CATL sei dafür eine „industriepolitische Weichenstellung mit enormer Langzeitwirkung“, erklärte Tiefensee.

Zum Hintergrund: Mit der wachsenden Zahl von Elektroautos auf Europas Straßen wird der Bedarf an Batteriezellen rasant ansteigen. Allein bis 2026 dürfte sich der jährliche Bezug von Lithium-Ionen-Zellen nach Berechnungen der Unternehmensberatung Roland Berger verfünfzehnfachen – auf 900 Gigawattstunden.

Zellen sind die Grundbausteine jeder Batterie. Bis zu 40 Prozent der Wertschöpfung bei Elektroautos entfallen auf die Akkus. Konzerne wie CATL wetten auf das große Geschäft mit Zellen und suchen die Nähe zu den heimischen Autoherstellern. Der Bau des Werks in Thüringen, sagt CATL-Chef Robin Zeng, „ist der erste Schritt unseres Investitionsplans in Europa“. Der Manager hofft, so „noch schneller“ auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Doch der CATL-Chef Robin Zeng plant in größeren Dimensionen. „Die Investition in Thüringen ist nur unser erster Schritt in Europa. Wir wollen alle OEMs in Europa beliefern.“ Weitere Werke und Investitionen seien geplant. CATL werde alles dafür unternehmen, um Produkte passgenau in direkter Nähe zu den Kunden in Europa anbieten zu können. „Die Fläche von 70 Hektar in Thüringen wird sicherlich nicht reichen, um alle Kunden in Europa zu versorgen“, sagte Zeng. Konkrete Pläne für weitere Werke in Europa könne er aber noch nicht nennen.

BMW vergibt Milliardenauftrag an CATL

Das hofft vor allem BMW. Die Münchener werden in den kommenden Jahren für vier Milliarden Euro Batteriezellen bei CATL kaufen, 1,5 Milliarden davon sollen aus Thüringen kommen. Mit den Zellen aus Erfurt soll der für 2021 geplante „iNext“ bestückt werden. Die elektrisch betriebene Oberklassenlimousine soll im bayerischen Dingolfing gebaut werden und über weite Strecken computergesteuert fahren können.

„CATL liefert sehr leistungsfähige Batteriezellen“, sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann am Montag in München. Die Chinesen liefern auch die Zellen für den „E-Mini“ in Oxford und den „iX3“, der ab 2020 in Shenjang gebaut wird. Zusätzlich bezieht BMW für sein Elektroauto „i3“ Zellen von Samsung, für die Zukunft wird ein dritter Lieferant gesucht.

Bis 2025 plant der BMW-Konzern insgesamt zwölf vollelektrische Autos und geht von einem deutlich steigenden Volumen aus. „Wir sprechen mit rund acht Anbietern“, sagt Duesmann. Die Masse davon sitzt in China und Korea. Aber Duesmann ist sich sicher: „Alle Zellhersteller werden nach Europa kommen.“

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