Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Elektromobilität Rohstoff-Riesen profitieren besonders vom Boom bei E-Autos

Die Mobilitätswende treibt auch die Rohstoffkonzerne um. Sie bereiten sich auf eine steigende Nachfrage nach Nickel, Kobalt und Palladium vor.
Kommentieren
Weltweit bereiten sich die Rohstoffriesen auf den Boom bei der E-Mobilität vor. Quelle: Glencore
Rohstoffhändler

Weltweit bereiten sich die Rohstoffriesen auf den Boom bei der E-Mobilität vor.

(Foto: Glencore)

Moskau Dicke Luft beim deutschen Automobilverband: Schuld ist die Vorgabe aus Brüssel, die CO2-Emissionen bis 2030 um 37,5 Prozent herunterzufahren. Die deutschen Autobauer müssen bei der Umstellung auf Elektro- und Hybridfahrzeuge deutlich mehr aufs Tempo drücken als angenommen. Das sorgt für Probleme, nicht nur bei der notwendigen Umrüstung der Werke. Es muss auch ganz neu gedacht werden.

Etwa bei VW. Im Gegensatz zu Daimler erwägt der Konzern den Aufbau einer eigenen Batteriezellenproduktion. Keine einfache Sache, stellte man in Wolfsburg fest. Wie aus Industriekreisen verlautet, waren die Manager überrascht, als sie durchrechneten, wie sehr allein die Rohstoffpreise die Produktion verteuerten.

Elektromobilität steht und fällt mit dem Zugang zu Rohmaterialien“, sagt René Schröder, Exekutivdirektor des europäischen Batterieherstellerverbands Eurobat. Elektroautos brauchen wegen ihres Gewichts eine Lithium-Ionen-Batterie. Deren wichtigste Bestandteile sind Nickel, Kobalt und Mangan, daneben Graphit und Aluminium – Rohstoffe, die nicht in jedem Fall unbegrenzt verfügbar sind.

Um das seltene Kobalt sind schon jetzt heftige Verteilungskämpe entbrannt. Hauptabbauland ist der Kongo, ein von Armut und Korruption zerrüttetes Land. Dort sind sechs der zehn größten Minen, und mit chinesischen Investitionen entstehen neue riesige Kobaltgruben.

China setzt seit Längerem auf Elektrofahrzeuge. Das Land selbst hat nur geringe Kobalt-Vorkommen, mit Zhejiang Huayou Cobalt aber den weltgrößten Verarbeiter des Metalls. Um dessen Produktion zu gewährleisten, hat sich Peking den Rohstoffzugang im Kongo gesichert.

Weltweit bereiten sich die Rohstoffriesen auf den Boom bei der E-Mobilität vor. Der Schweizer Rohstoffhändler Glencore etwa lässt ebenfalls im Kongo Kobalt abbauen. Auch in Kanada, Brasilien und Russland wird – wenn auch in weit geringerem Maße – Kobalt, das zumeist als Nebenprodukt bei der Kupfer- und Nickelförderung anfällt, gewonnen.

Wird 2019 das Jahr des Elektroautos?

Der brasilianische Bergbaukonzern Vale will daher in der kanadischen Nickelmine Voisey’s Bay für 1,7 Milliarden Dollar die Produktion ankurbeln.

Ambitionierte Pläne hat zudem der Weltmarktführer bei der Nickel- und Palladiumproduktion, die russische Norilsk Nickel: Beim Investorentag in London stellte der Konzern des Milliardärs Wladimir Potanin seine neue „Strategie 2025+“ vor. Einer der wichtigsten Punkte war die geplante Fördersteigerung von fünf bis acht Prozent bis zum Jahr 2020.

Nach 2025 soll die Förderleistung sogar um 15 Prozent bei den Buntmetallen (darunter Kobalt, Kupfer und Nickel) und 25 Prozent bei Metallen der Platingruppe (vor allem Palladium) zunehmen.

Allein 2019 will der Konzern 2,3 Milliarden Dollar investieren. Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen es sogar 10,5 bis 11,5 Milliarden Dollar sein, darunter sind auch Ausgaben für Umweltprogramme, gilt die Nickelförderung doch immer noch als massiv umweltschädigend.

„In den nächsten Jahren – bis 2025 – erwarten wir, dass Hybridfahrzeuge die wichtigste Stoßrichtung bei der Elektrifizierung der Transportmittel sein werden“, sagt Marketingdirektor Anton Berlin und verweist etwa auf die noch fehlende Infrastruktur für reine Elektrofahrzeuge sowie die teuren Autobatterien.

„Hybride sind der perfekte Fall für unsere Auswahl an Metallen“, freut sich Berlin. Kupfer und Nickel werden für die Batterieherstellung und den Elektromotor gebraucht. Platin und das inzwischen teurer als Gold gehandelte Palladium sind hingegen wichtige Katalysatoren in den Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen, an denen sich jetzt schon verstärkt Toyota oder Hyundai versuchen.

Sogar Kohle profitiert

Beim Nickel erwartet der Branchenriese einen Anstieg der Nachfrage um 50 Prozent. Auch beim heiß begehrten Kobalt dürfte Norilsk Nickel expandieren. Nach Schätzungen der Ratingagentur AKRA könnte der Konzern bis 2022 die Kobaltproduktion um 60 bis 75 Prozent steigern. Damit würde der Anteil Russlands an der globalen Kobaltproduktion von derzeit fünf auf rund acht Prozent steigen.

Einzig die ständig über russischen Unternehmen schwebende Drohung von US-Sanktionen drückt etwas auf die Euphorie. Branchennachbar Rusal hat das Problem inzwischen bereinigt, wenn auch auf Kosten seines bisherigen Besitzers Oleg Deripaska. Der musste sich von seinem Kontrollpaket an Rusal trennen, um den Konzern von der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums zu bekommen.

Nun dürfen sich andere bei Rusal über den Boom bei Elektrofahrzeugen freuen. Der führt nach Angaben von Konzernvertretern zu einem Anstieg der Aluminiumnachfrage, weil E-Autos wegen der Reichweite möglichst leicht sein müssen.

Und es gibt noch einen Profiteur der Entwicklung – einen, den wohl die wenigsten in Brüssel auf der Rechnung hatten, als sie die Emissionsziele formulierten: die Kohleindustrie. Der größte russische Kohleproduzent SUEK hat in einer Studie basierend auf den Daten von BCG und McKinsey eine rosige Zukunft gemalt: Demnach werden bis 2030 zur Energiegewinnung zusätzliche 300 bis 450 Millionen Tonnen Kohle gebraucht.

Bis 2035 sollen es gar fast 550 Millionen Tonnen sein. Laut SUEK-Strategiedirektor Wladimir Tusow wird die wachsende Anzahl von E-Mobilen einen „gewaltigen Sprung“ bei der Nutzung von Kohlestrom verursachen.

Tusow begründete dies auf der Russischen Energiewoche im vergangenen Oktober damit, dass Elektrofahrzeuge vor allem nachts aufgeladen werden. In der Zeit stehen erneuerbare Energien nur bedingt zur Verfügung: Solarenergie fällt völlig aus, auch der Wind klingt ab.

2017 wurden weltweit etwas mehr als eine Million Elektrofahrzeuge verkauft. 2030 sollen es bereits über 50 Millionen sein. Ein Auto verbraucht nach Berechnungen von Tusow 1 200 Kilowattstunden Strom. Damit müssen rund 75 bis 100 Gigawatt an Stromkapazität geschaffen werden.

Ein Teil davon wird wohl durch Gaskraftwerke oder erneuerbare Energien gesichert. Doch die Kohleindustrie könnte nach Angaben von AKRA mit einem Mehrabsatz von 250 Millionen Tonnen profitieren.

Die Kritik der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM) an den Plänen der EU ist also nicht ganz unbegründet. Die WKM-Experten werfen Brüssel vor, sich nicht an der tatsächlichen Verringerung der CO2-Ausstöße zu orientieren, sondern lediglich an den Emissionen, die im reinen Fahrbetrieb entstehen.

Startseite

0 Kommentare zu "Elektromobilität: Rohstoff-Riesen profitieren besonders vom Boom bei E-Autos"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote