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Elektromobilität Tesla-Fabrik nahe Berlin: Deutschland wird Hotspot des Stromautos

Elon Musk elektrisiert mit seiner Ankündigung, eine Autofabrik nahe Berlin zu bauen, Politik und Industrie. Berlin-Brandenburg hat die Auto-Regionen ausgestochen – das hat triftige Gründe.
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„Unter Umständen könnte Tesla eines Tages bei einem deutschen Unternehmen landen“

München, Düsseldorf, Berlin Dass der Abend noch so viel Fahrt aufnehmen würde, war nicht zu erwarten. Zwar gilt die Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ des Springer-Verlags als einer der letzten Autopreise, zu dem sich die höchsten Vertreter der Branche einfinden. Spannende Ankündigungen heben sich die Autobosse aber für andere Bühnen auf. Es sei denn, man lädt Elon Musk ein.

Bis kurz vor der Veranstaltung am Dienstag hielten sich hartnäckig Zweifel, ob der Mann überhaupt erscheint. Als der Tesla-Chef dann die Bühne im Mantel betrat, wirkte Musk, als sei er gerade auf der Durchreise. Artig nahm er seine Auszeichnung entgegen.

Und dann nuschelte Musk beiläufig jene Sätze, die dem Abend dann doch noch eine besondere Note verliehen. Tesla, so ließ Musk das erstaunte Auditorium wissen, werde nahe der Hauptstadt die nächste „Gigafabrik“ bauen, jene Kombination aus Batterie- und Autofertigung, mit der Tesla die Branche elektrisiert. Berlin selbst soll Standort eines Forschungs- und Designzentrums werden. Spitze Schreie durchfuhren den Saal. Nach Nevada, New York und Schanghai wird Berlin der nächste Standort der Tesla-Expansion.

Kein anderer Unternehmer der Welt fasziniert die Menschen so sehr wie Elon Musk. Erscheinen Flüge zum Mars und Reisen in Vakuumröhren noch wie weit entfernte Visionen, so sind seine Erfolge in der Elektromobilität doch sehr real. In der deutschen Autoindustrie lacht jedenfalls niemand mehr über den Unternehmer, der in Interviews schon mal am Joint gezogen hatte. Als Daimler, BMW und Volkswagen immer noch vom Welterfolg des Diesels träumten, da baute Musk Elektroautos in Serie.

Tesla verkauft in Schlüsselmärkten wie Kalifornien oder Schweiz mittlerweile mehr Model S als BMW seine Topmodelle der 7er-Reihe. Doch nun schwenkt Deutschland um, steckt Milliarden in Ladesäulen und Batteriefabriken. Alleine VW will in den kommenden zehn Jahren 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren, drei deutsche Fabriken werden bald nur noch Stromautos bauen. Deutschland wird der nächste Hotspot der Elektromobilität – da will der Pionier dabei sein.

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Und so ist es Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess, der Musk schon unmittelbar nach dessen Ankündigung bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ als „Visionär“ und „Innovator“ bezeichnet. „Elektroautos werden konkurrenzfähig“, betonte Diess. Elektrofahrzeuge stünden Verbrennermodellen in nichts nach und symbolisierten die Zukunft.

„Die Kunden mögen diese Autos“, ergänzte Diess. „Ich danke Ihnen dafür, dass Sie der Pionier für eine ganze Branche geworden sind und uns antreiben“, richtete der VW-Konzernchef unmittelbar an den Tesla-Gründer. „Wir werden Tesla allerdings auch auf Trab halten“, fügte Diess hinzu. „Eine Ansiedlung von Tesla in Deutschland stärkt den Automobilstandort Deutschland“, sagte Bernhard Mattes vom Branchenverband VDA.

Nicht anwesend, aber nicht minder überrascht zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Noch am Dienstag hatte er mit dem Tesla-Europachef gesprochen, eine Entscheidung über den Standort für eine europäische Batteriezellenfabrik stehe bevor, erfuhr der Wirtschaftsminister. Mehr allerdings nicht.

Altmaier: „Großartiger Erfolg für den Standort Deutschland“

Hochzufrieden baute sich Altmaier am Mittwochvormittag in seinem Ministerium vor den Kameras auf. Einen „großartigen Erfolg für den Standort Deutschland“ und einen „Meilenstein“ für den Ausbau der Elektromobilität, nannte er Musks Pläne. Die Strategie der Bundesregierung, umweltfreundliche Antriebssysteme zu fördern, zahle sich aus. Deutschland habe die Chance, sich zu einem internationalen Zentrum bei der Batteriefertigung zu entwickeln. Über Subventionen hat Altmaier nach eigenen Angaben bisher nicht mit Tesla gesprochen.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) konnte sein Glück kaum fassen. Es sei fünf bis sechs Monate mit Tesla geheim verhandelt worden, sagte der SPD-Politiker und löste damit so halb das Rätsel auf, warum der Bundeswirtschaftsminister von der Entscheidung nichts mitbekommen hatte. „Wir haben verschiedene Standorte angeboten, und die Standortauswahl hat dann Tesla getroffen“, sagte Woidke.

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Die Ansiedlung „bedeutet eine der größten Investitionen in der Geschichte unseres Landes“. In der Fabrik seien Elektromobilität und die Speicherung von Energie geplant. Zunächst sollen Batterien und das SUV-Modell Y dort gebaut werden. Wann die Gigafabrik fertig wird, steht nicht fest. Spekuliert wird über einen Start Ende 2021.

Die geplante Fabrik in der Brandenburger Gemeinde Grünheide (Kreis Oder-Spree) soll der Berliner Wirtschaftsverwaltung zufolge allein 6000 bis 7000 neue Stellen schaffen. Wie viele neue Arbeitsplätze insgesamt entstehen, ist offen. Auch in einem innerhalb Berlins geplanten Design- und Ingenieurszentrum sollen weitere Beschäftigte arbeiten, die „Bild“-Zeitung berichtete von insgesamt 10.000 neuen Arbeitsplätzen.

Mit dem Großraum Berlin-Brandenburg hatte kaum jemand gerechnet. „Wir haben den Rohstoff der Zukunft, wir haben erneuerbare Energien in Brandenburg“, sagte Woidke. Das sei im Gespräch mit Tesla-Chef Musk ein entscheidender Vorzug gewesen. „Wir verbinden hier Klimaschutz mit Wirtschaftsstärke, und das muss das Signal sein in die ganze Welt.“ Bei elektrischer Leistung aus Ökoenergien pro Einwohner ist Brandenburg bundesweit vorn.

Ausgestochen hat Woidke andere Bundesländer – unter anderem das Saarland und Niedersachsen. „Niedersachsen ist und bleibt das Kernland der deutschen Automobilindustrie“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann trotzig. Der CDU-Politiker hatte auf einen Zuschlag für Emden gehofft, wo Volkswagen demnächst ebenfalls Elektroautos bauen will.

Brandenburg und Berlin hatten nicht viele auf der Rechnung, anders als München oder Stuttgart gilt die Hauptstadt nicht als Zentrum der Autoindustrie. Tatsächlich überrascht die Standortwahl nur auf den zweiten Blick. „Das ist ein sehr kluger Schachzug, dieses neue Werk in der Heimat der deutschen Premiumhersteller zu errichten“, sagt Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst beim Investmenthaus Evercore ISI. Zudem habe sich die deutsche Regierung dazu entschieden, die Elektromobilität massiv zu fördern.

„Fehdehandschuh im Gesicht der deutschen Autobauer“

Das sieht man auch in den USA so. „Tesla betritt die Höhle des Löwen“ titelte CNN am Mittwoch. „Die Ankündigung, nach Brandenburg zu gehen, ist der Fehdehandschuh im Gesicht der deutschen Autobauer“, sagt Jan Burgard, Gründungspartner von Berylls Strategy Advisors in München. „Musk macht damit klar, dass er den Wettbewerb mit ihnen nicht scheut, ihn sogar im Heimatland sucht – eine Kampfansage“, so Burgard. Arbeitskräfte und Spezialisten finde Tesla auch in Berlin, glaubt der Berater.

So fertigt Bosch in Berlin Lenksysteme und Komponenten für verschiedene Mobilitätsbereiche, auch Conti hat in der Hauptstadt drei Standorte, BMW baut mit 2000 Mitarbeitern Motorräder in Berlin. „Auch das Auto-Cluster rund um Wolfsburg mit den zahllosen Zulieferer- und Ingenieursdienstleister-Standorten ist in beinahe greifbarer Nähe.“

Doch auch die Nachbarschaft zum geplanten neuen Großflughafen ist für Tesla ein Argument. Der künftig viel stärker globalisierte Tesla-Konzern wird seine Manager deutlich leichter für eine Auslandsstation in Deutschland begeistern können, wenn die Mitarbeiter aus den USA problemlos direkt zum Werk fliegen. 

„Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen.“ Tesla-Chef Elon Musk

Zudem bietet der Berliner Arbeitsmarkt sowohl Zugang zu den umworbenen Top-ITlern. BMW und Daimler steuern von hier aus ihre frisch zusammengelegten Now-Unternehmen wie Free Now (MyTaxi) und Share Now (Car2Go, Drive Now). Volkswagen lässt die Software für seinen Ridesharing-Versuch ebenfalls in Berlin entwickeln. Der Kartendienst Here, auf den die deutschen Autohersteller setzen, hat ebenfalls sein Hauptquartier in Berlin.

Während sich die Tesla-Hauptkonkurrenten Daimler und BMW eine Stellungnahme verkneifen, sieht die Zulieferindustrie die Chancen für neue Aufträge. „ZF sieht die Entscheidung von Elon Musk zur Investition in eine Zukunftstechnologie in Deutschland positiv“, sagte ein Sprecher des drittgrößten deutschen Autozulieferers. ZF beliefert Tesla ebenso wie Bosch mit Fahrwerkskomponenten, Antriebstechnik und Elektronik.

Auch Siemens dürfte sich Hoffnungen machen, bei der Giga-Factory als Ausrüster zum Zuge zu kommen. Das Unternehmen ist stark daran interessiert, die Batteriefabriken mit seiner Automatisierungssoftware auszustatten, schließlich ist Siemens hier Weltmarktführer. Intern hat das Thema hohe Priorität. Der Technologiekonzern ist bei der EU-Initiative „Battery Alliance“ und diversen anderen Projekten dabei. Unter anderem als Partner bei der Northvolt-Batteriefabrik. Beide Unternehmen wollen eine Technologie zur Produktion hochwertiger Lithium-Ionen-Batterien entwickeln.

Konzernvize Roland Busch betonte vor wenigen Tagen am Rande der Bilanzpressekonferenz, dass Siemens bereits in Tesla-Fabriken in den USA und China vertreten sei. Kurz zuvor hatte er Musk in den USA getroffen. Der Tesla-Gründer sei „ein wahrer Visionär unserer Zeit“, schwärmte Busch auf Twitter. Siemens sei stolz, ihn bei seinen „aufregendsten Träumen“ zu unterstützen.

Mehr: Musk feiert Prämiere in China. Die Gigafactory 3 ist die erste Produktionsstätte in der Volksrepublik, die allein in der Hand eines ausländischen Investors ist.

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4 Kommentare zu "Elektromobilität: Tesla-Fabrik nahe Berlin: Deutschland wird Hotspot des Stromautos"

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  • Einerseits Bravo - Elon Musk bahnt sich seinen Weg. Allerdings ist die VERALTETE und MATERIALAUFWENDIGE Batteriezelltechnik zukünftig nicht die Lösung einer funktionierenden Elektromobilität. Wo sollen denn bitte Fussballfeld-grosse Tankstellen mit Ladestationen aufgebaut werden und vor allem immer noch den schmutzigen Strom aus der Kohleverbrennung zu Tanken, wird den CO2 Ausstoß nicht vermindern. Nachhaltigere Patente sind jetzt wichtig. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist auch für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. BITTE AN TESLA WEITERSAGEN.

  • Erst wenn der Strom wirklich zu 100% aus Ökostrom fließt kaufe ich mir ein E - Auto, vorher ist alles
    Augenwischerei, denn noch dominieren andere Rohstoffe zur Verstromung.

  • Nun alles ist scheinbar so toll bei Tesla!
    Meine Frage ist, wer bezahlt die "Gigafabrik" die Elon Musk bauen will? Tesla wohl eher nicht. Jedes verkaufte Auto bei Tesla vergrößert das Minus. Tesla hat über die Jahre bisher nur in einem Quartal seine Koste decken können und das mit dubiosen Manövern. Das Unternehmen ist faktisch Pleite.
    Da ich nicht glaube, dass Elon Musk dies aus seiner Privatschatulle bezahlt, weis ich, das wenn der Hype vorbei ist, wer die Kosten aufgebürdet bekommt. Der deutsche Steuerzahler und sonst niemand. Es ist ja wie immer dann Alternativlos (=dumm).

  • E Mobilität ist ein spannendes Thema. In der Presse wird zu 99 % positiv berichtet, auch wenn das mit der Realität weit auseinanderklafft. Seit wann ist die Schweiz Schlüsselmarkt? Wenn der VW Vorstand die E Mobilität lobt, muss die toll sein. Na ja, er will den E schrott ja auch in Zukunft verkaufen. könnte es sein, dass Tesla nach D kommt, weil die Verkaufszahlen rückläufig sind? D ist einiges der wenigen Länder in denen die Autofahrer genötigt werden, auf E umzusteigen.