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Elektromobilität Tesla macht erneut Gewinn – Finanzchef tritt ab

Das zweite Quartal in Folge vermeldet Tesla schwarze Zahlen. Doch die Konkurrenz macht Jagd auf den Elektropionier und ein wichtiger Manager geht.
Update: 31.01.2019 - 06:38 Uhr Kommentieren

Tesla kündigt Gewinne für 2019 an – kommt nun der Boom?

Palo AltoDer Ehrgeiz von Elon Musk zeigt sich in der Wahl seiner Gegner. Früher griff der Tesla-Chef die traditionellen Autobauer an. Heute attackiert er Alphabet. Angesprochen auf eine Studie der Wall-Street-Bank Morgan Stanley, nach der die Google-Schwester Waymo mit 175 Milliarden Dollar mehr als dreimal so viel wert sei wie Tesla, holte Musk im Gespräch mit Analysten am Mittwoch zum Gegenschlag aus.

Beim autonomen Fahren käme niemand an Tesla heran, lässt er wissen. Der Autobauer erfasse schon heute mit in 300.000 Fahrzeugen installierten Sensoren, Kameras und Lidar-Geräten Straßen, Schilder und Wetter. „Wir haben eine massive Trainingsflotte“, sagt Musk. In ein paar Monaten werden eine halbe Million unserer Fahrzeuge über die Straße rollen. „Ich bin nicht sicher, wie irgendjemand damit konkurrieren will.“

Von jeher waren die Ankündigungen von Musk ambitioniert. Und von jeher hadert die Wall Street damit. Allzu oft schon erfüllte der gebürtige Südafrikaner selbstgesetzte Ziele nicht. 2018 musste Musk einen deutlichen Einbruch bei den Neuzulassungen hinnehmen, weil er das Model 3 wegen Fertigungsproblemen in Kalifornien nicht wie geplant ausliefern konnte.

Dieses Jahr kann er sich so etwas nicht mehr leisten. 2019 wird das Schicksalsjahr für Tesla-Chef Elon Musk. Entweder ihm gelingt der Durchbruch auf dem Massenmarkt mit dem Model 3 oder ihm geht das Geld aus – so sieht es jedenfalls der Investor Gene Munster von Loup Ventures. Noch sei die Position der Kalifornier stark, glaubt auch Carlton Doty von Forrester. „Doch Tesla muss verlässlich operative Verbesserungen zeigen, um den Vorsprung auszubauen.“

Eines der spannendsten Rennen in der Geschichte der Automobilindustrie nähert sich der Zielgeraden. Wer gewinnt? Elektropionier Tesla? Die traditionellen Autobauer, die den Trend zur Elektromobilität lange verschliefen? Oder doch die mit chinesischen Milliarden finanzierten Start-ups BYD, Byton oder Nio?

Noch profitiert Tesla vom Pionier-Status, der die Marke begehrlich macht und schwer zu übertrumpfen sein wird. Doch die Zeit drängt: Der Volkswagen-Konzern etwa will schon 2020 mit Fahrzeugen kommen, „die alles können wie Tesla und um die Hälfte billiger sind“, wie VW-Chef Herbert Diess in einem TV-Interview versprach.

In der entscheidenden Phase für sein Unternehmen gelingt Multi-Unternehmer Musk nun ein kleiner Erfolg: Erstmals in der Tesla-Geschichte meldet der Konzern in zwei auf einander folgenden Quartalen Profit. Bis Dezember 2018 erwirtschafte der sonst notorisch schuldengeplagte Konzern einen Gewinn von 139,5 Millionen Dollar.

Das Plus fällt damit zwar deutlich schwächer aus als im vorherigen Quartal (311,5 Millionen Dollar). Doch der Umsatz überstieg mit 7,2 Milliarden Dollar zumindest leicht die Erwartungen der Wall Street (7,1 Milliarden). All das sendet das vorsichtige Signal Richtung Wall Street: Tesla kommt aus den roten Zahlen heraus.

Wirklich überzeugt waren die Anleger am Donnerstag aber nicht. Die Tesla-Aktie gab nachbörslich drei Prozent nach, da das Unternehmen mit seinen Gewinnzahlen die Erwartungen der Börsianer verfehlte.

Dabei will Tesla dieses Jahr, so versprach es Musk, nur noch Geld zu verdienen, statt welches zu verlieren. Das Jahr 2018 war „das schwierigste Jahr“ der Tesla-Geschichte, sagt er im Gespräch mit Analysten. „Aber es hat uns Kostendisziplin gelehrt.“

Sparkurs bei Tesla

Die ist in diesem Jahr auch bitter nötig. Tesla ist finanziell gleich doppelt gefordert: Schon heute lasten Schulden von rund zehn Milliarden Dollar auf Tesla. Ende März wird darüber hinaus eine Anleihe in Höhe von 920 Millionen Dollar fällig, das dürfte die Cashreserven deutlich schmälern. Und das in einer Zeit, in der Tesla eigentlich massiv investieren will.

In China will Musk eine eigene Fertigung aufbauen, in den USA soll das Service-Netz erweitert werden, nachdem Kunden massiv über lange Wartezeiten und häufige Reparaturen geklagt hatten – und darüber hinaus hat Tesla etliche neue Modelle angekündigt, die ebenfalls Investitionen verlangen: ein elektrischer Pick-up, der elektrische Lkw Semi und das Model Y, die kleinere Alternative zum Model X.

Eine Kapitalerhöhung hatte Musk zuletzt aber immer wieder ausgeschlossen. Stattdessen herrscht Sparkurs im Elon-Imperium. Mitte Januar erst kündigte der 47-Jährige die Entlassung von sieben Prozent der festangestellten Mitarbeiter an. „Unsere Produkte sind immer noch zu teuer für die meisten Menschen“, ließ Musk wissen. Bei der Diskussion der aktuellen Zahlen unterstrich er: Die Nachfrage nach dem Model 3 sei stark, aufgrund zu hoher Kosten und makroökonomischer Faktoren etwa in China jedoch zu teuer. Teslas größtes Problem seien „Kosten, Kosten, Kosten“.

Umso mehr sorgte am Mittwoch eine Personalie für Aufregung: Teslas langjähriger Finanzchef Deepak Ahuja räumt seine Position für Vize-Präsident Zach Kirkhorn und wird künftig nur noch als Berater fungieren. Ahuja war erst seit Februar 2017 wieder zurück bei Tesla, wo er zuvor von 2008 bis 2015 gearbeitet hatte.

Doch Musk blickt nach vorn. 2019 soll der Durchbruch auf dem Massenmarkt gelingen. Schon jetzt ist das Model 3 mit einem Preis von rund 50.000 Euro deutlich günstiger als frühere Modelle. Musk glaubt, den Wagen sogar für knapp über 40.000 Dollar verkaufen zu können – und dennoch Mitte des Jahres eine Marge von 25 Prozent pro Auto zu erzielen.

Die etablierte Konkurrenz holt auf

Doch gerade beim Thema Kosten könnten deutsche Autobauer wie Daimler, BMW oder die Volkswagen-Gruppe, neben Massenware-Herstellern wie Toyota oder Honda für Tesla zu einer „gefährlichen Konkurrenz“ werden, glaubt Jim Hines von Tech Insights. „Die etablierten Autobauer haben die nötigen finanziellen Ressourcen um die entscheidenden Fortschritte bei Batterie, Motor, Elektronik und Software zu erreichen.“

In einer neuen Studie gehen die Analysten von Evercore ISI davon aus, dass VW schon im Jahr 2021 weltweit mehr Elektroautos verkaufen könnte als Tesla. 2025 dürften die Wolfsburger nach ihren Einschätzungen im Elektromarkt bereits auf einen Marktanteil von 35 Prozent im Elektroautomarkt kommen. Denn anders als Tesla verfügen die Autoriesen bereits über ein globales Produktions- und Vertriebsnetz.

Immerhin: In der oberen Preiskategorie übertrumpfte Tesla 2018 bereits die Traditionalisten. Laut einer Berechnung des Center of Automotive Research (CAR) verkaufte Musk in den USA mehr Autos als Mercedes. Doch die entscheidende Größe ist eine andere: „Die Gewinner im Rennen der Elektroautos werden die Firmen sein, die sich im Mainstream-Markt durchsetzen“, sagt Hines.

Musk erwartet, dass die Verkaufszahlen von Model 3 global um 50 Prozent zulegen – „vielleicht sogar mehr“. Die Nachfrage könnte seiner ehrgeizigen Schätzung nach 2019 auf 700.000 bis 800.000 Fahrzeuge steigen oder auf 500.000 – sollte zu einer Rezession kommen.

Dabei dürfte gerade im Heimatmarkt USA die Nachfrage unter Druck geraten. Mit 400.000 Vorbestellungen sind die Orderbücher von Tesla zwar voll. Doch viele Kunden, die 2017 eine Anzahlung für das Model 3 leisteten, rechneten mit einem Preis von 35.000 Dollar, zu dem Musk gerade noch nicht liefern kann.

Und staatliche Förderung für Elektroautos in den USA laufen aus. Am 1. Januar wurde die Kaufprämie bereits von 7500 auf 3750 Dollar gesenkt, zum ersten Juli soll sie erneut halbiert werden und dann 2020 ganz auslaufen. Damit steigt auch der reale Preis eines Teslas. Und darüber hinaus hat der Elektropionier angekündigt, Kunden künftig auch an seinem Supercharger-Netzwerk zur Kasse zu bitten. In den war die Schnellladung an den Tesla-Säulen noch gratis.

Wie schnell die Nachfrage in Europa und China anläuft, ist dagegen kaum abzuschätzen. Da alle Tesla-Modelle aktuell noch in den USA gebaut werden, ist Tesla besonders abhängig vom freien Welthandel, der in Zeiten der Handelskonflikte sehr fragil ist.

Die Wall Street wird Musk daher an seinen Ansagen messen. In diesem Jahr mehr denn je. „Jedes Zeichen, dass die Nachfrage nach den Fahrzeugen abflacht oder sinkt, würde Tesla beschädigen“, warnt Mike Ramsey von Gartner.

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