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Elektromobilität Teslas Ankündigung setzt BMW-Chef Zipse unter Druck

Oliver Zipse weiht das neue „Kompetenzzentrum Batterie“ ein. Mit Tesla hat der BMW-Konzern allerdings in der Heimat einen starken Konkurrenten.
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Der Münchener Autobauer will die Zusammensetzung und den Herstellprozess von Batteriezellen erforschen. Quelle: BMW
BMW-Kompetenzzentrum

Der Münchener Autobauer will die Zusammensetzung und den Herstellprozess von Batteriezellen erforschen.

(Foto: BMW)

München Ein neuer Konkurrent belebt das Geschäft. So muss es zumindest Oliver Zipse sehen. Zwei Tage nach der Ankündigung von Tesla, ein Werk in Deutschland bauen zu wollen, konkretisiert der BMW-Chef seine Pläne. Am Donnerstag hat der Konzern in München sein neues „Kompetenzzentrum Batterie“ eröffnet, mit dem BMW die Zusammensetzung und den Herstellungsprozess von Batteriezellen erforschen will. Dass Tesla nahe Berlin nicht nur forschen, sondern auch Autos samt Batteriezellen bauen will, setzt den neuen BMW-Chef unter Druck.

„Wir sehen jetzt gerade in diesen Tagen, dass die systemintegratorische Kompetenz für die Produktion ganz kriegsentscheidend ist“, sagte Zipse am Donnerstag in München. Es gehe um den Bau hochkomplexer Fahrzeuge, erklärte Zipse mit Blick auf die Schwierigkeiten, Elektroautos in Serie zu fertigen. „Es gibt keine besseren Bedingungen, dies zu tun, als hier in Deutschland“, sagte Zipse, ohne Tesla beim Namen zu nennen. „Das ist der Hauptgrund, warum immer mehr Wettbewerber hier auch in Deutschland ihre Zelte aufschlagen.“

Tesla will ab 2021 südlich von Berlin das Model Y bauen, ein kompaktes Elektro-SUV. Auch wenn der Zeitplan ambitioniert erscheint und viele Details noch offen sind, muss Zipse den Rivalen ernst nehmen. Sein Vorgänger Harald Krüger verscherzte sich Sympathien im Konzern, als er Tesla-Gründer Elon Musk viel Erfolg bei der „Entwicklung eines profitablen Geschäftsmodells“ wünschte – letztlich aber keinen Weg fand, Teslas Vormarsch in die BMW-Zielgruppen zu stoppen.

So hat BMW seit 2013 mit dem „i3“ zwar ein Elektroauto auf dem Markt, legte aber nicht mehr nach. In Schlüsselmärkten wie der Schweiz verkaufen sich die Tesla-Spitzenmodelle wie das „Model S“ heute besser als der 7er-BMW. Das schmerzt in München.

Zipse, der erst als Strategiechef und später als Produktionsvorstand die Planungen der vergangenen Jahre mitentwickelt hat, rüstet sich nun für die zweite Runde der Elektromobilität. Ab dem kommenden Jahr erhält der Mini einen Elektroantrieb, in China wird der Geländewagen „X3“ als Stromvariante gebaut. Erst 2021 läuft in München der „i4“ als Elektroversion der 3er-Reihe vom Band, im Werk Dingolfing wird der „iNext“ gebaut, ein stromgetriebenes Oberklassen-SUV.

Weitere Elektroautos in Planung

Ein halbes Dutzend weiterer Elektroautos ist in Planung, aber noch nicht vorgestellt. Zusammen mit den Plug-in-Hybriden soll der Anteil der Stromer am Gesamtabsatz 2025 bei dreißig Prozent liegen. Für 2030 peilt BMW einen Elektroanteil von fünfzig Prozent an. Im Gegensatz zu Daimler geht BMW davon aus, die Klimaziele der EU im kommenden Jahrzehnt erfüllen zu können und keine Strafzahlungen leisten zu müssen. Auch das mittelfristige Renditeziel von acht Prozent im Autogeschäft bleibt gesetzt, auch wenn BMW es in diesem Jahr nicht halten kann.

Als kleinster deutscher Autohersteller muss BMW die finanziellen Risiken der Elektromobilität kontrollierbar halten. So wollen die Münchener anders als Tesla und Volkswagen nicht selbst in die kapitalintensive Produktion von Batteriezellen einsteigen – vorerst.

„Die Frage hängt stark vom Lieferantenmarkt ab“, sagt Zipse. „Heute ist es nicht notwendig, aber wenn es notwendig wird, dann sind wir reaktionsfähig“, sagt der BMW-Chef. Die Rückfalloption ist das neue Batteriezentrum. Hier forschen 200 Spezialisten an der Zellchemie und den Herstellungsprozessen der Stromspeicher. Ziel sei es, die Energiedichte der Batteriezellen bis 2030 zu verdoppeln und nebenbei die Kosten im Griff zu behalten.
Gefertigt werden die Zellen zunächst von Samsung und demnächst von CATL.

Der chinesische Anbieter soll die Zellen der sogenannten fünften Generation produzieren und baut dazu eine Fabrik bei Erfurt. Den Einkauf der Rohstoffe übernimmt BMW selbst, insbesondere für Kobalt. Ein Großteil der weltweiten Vorkommen liegt im Kongo, wo der Abbau meist unter schweren Menschenrechtsverstößen erfolgt. BMW deckt seinen Bedarf deshalb mit Lieferungen aus Marokko und Australien.

Auch mit der Produktion von Elektroautos setzt sich BMW von seinen Konkurrenten Tesla und Volkswagen ab. Läuft der „i3“ noch mit einer eigenen Konstruktion auf eigenen Fertigungsstraßen, so soll künftig jedes Modell in jedem großen Produktionswerk sowohl mit Verbrennungsmotor als auch mit Elektroantrieb gebaut werden können. Zipse, der als Produktionschef das Konzept maßgeblich mitentwickelt hat, will so die Auslastung der Werke hoch halten, sollten sich die Stromautos nicht so gut verkaufen wie gedacht.

Eine reine Elektroplattform, wie sie Volkswagen jetzt für das kompakte Stromauto „ID.3“ entwickelt hat, hält Zipse nicht für nötig. „Es gibt nur einen Grund, so etwas zu tun: Wenn Sie bisher zu langsam waren und jetzt schnell sein müssen“, stichelt der BMW-Chef in Richtung Wolfsburg.

Mehr: Die Deutschen haben die erste Runde der E-Mobilität verschlafen, dafür kommen sie nun entschieden auf den Markt. Dieser Schwenk ist dem Tesla-Chef nicht entgangen.

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